Bride Trilogie 01 - Bluete der Zaertlichkeit
zurechtgefunden«, sagte Dominic. »Wenn ich mich recht erinnere, hörte ich sie sogar sagen, dass sie erneut dorthin fahren möchte. Allerdings befanden wir uns zu diesem Zeitpunkt bereits in sicherer Entfernung der Stadt.«
»Ich möchte schon, aber nicht allzu bald«, erwiderte Meriel. Obwohl eine Reise in die Stadt für sie immer noch ein zweifelhaftes Vergnügen darstellte, hatte es ihr große Freude bereitet, Rebecca, Kenneth und ihre Kinder zu besuchen. Sie hatte sogar gelernt, der geschäftigen Atmosphäre etwas abzugewinnen, die genauso ein Teil Londons war wie der allgegenwärtige Ruß. Die nächste Fahrt in die Großstadt würde ihr jedenfalls leichter fallen.
Bester Laune betraten sie Holliwell Grange. Jena ließ Tee kommen und alsbald kam auch der General aus den Pferdeställen. »Es ist also vollbracht«, rief er vergnügt.
Nachdem er Dominic die Hand geschüttelt hatte, gab er der Braut einen Kuss Er roch ein wenig nach Pferd, was keineswegs unangenehm war.
Die Unterhaltung war zwanglos. Sie tranken Tee und aßen Rosinenkuchen. Darm stellte Jena entschlossen ihre Tasse beiseite. »Lord Grahame ist nach Gretna Green gereist, um dich zu suchen, Meriel. Da er dich dort nicht finden konnte, wartet er jetzt in Warfield auf eure Rückkehr.«
Meriel nickte. Ihr Onkel wusste, dass sie nicht lange fortbleiben konnte und früher oder später nach Warfield zurückkehren würde.
»Vielen Dank für diese Nachricht«, sagte Dominic. »Ich habe mich schon gefragt, was Grahame wohl tut.«
Jena senkte den Blick und errötete. »Kamal hält uns auf dem Laufenden.«
Anscheinend kamen Jena und Kamal sich näher. »Wie geht es meinen Cousinen?«, fragte Meriel.
»Sehr gut. Sie waren sehr erleichtert, als Kamal ihnen mitteilte, dass du heiraten würdest.« Jena blickte in Dominics Richtung. »Sie billigen eure Heirat.«
Meriel beobachtete, wie sich die Züge ihres Ehemanns ein wenig verhärteten. Er ließ die verhängnisvolle Szene unerwähnt, die sein Bruder bei der Hochzeit gemacht hatte. Aber sie spürte seinen Schmerz. Sie fragte sich, ob er sich jemals vergeben konnte, wozu die Umstände ihn gezwungen hatten.
»Und was jetzt?«, fragte der General trocken.
Meriel und Dominic blickten sich an. Sie hatten auf ihrer Reise darüber gesprochen und waren sich einig, dass es am besten war, ohne Umschweife zu handeln. »Wir haben vor, zusammen nach Warfield zu reiten, und wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns in Ihrer Funktion als Friedensrichter begleiten könnten«, sagte Meriel. »Ich werde es schon schaffen, mich lange genug wie eine geistig gesunde Lady zu verhalten, um meinen Onkel davon zu überzeugen, dass er sich nicht mehr um mich kümmern muss.«
»Ich werde euch auch begleiten«, sagte Jena. »Je mehr Unterstützung Meriel bekommt, desto besser.«
Der General nickte. »Grahame ist sehr starrköpfig, aber er ist nicht dumm. Wenn er erst einmal begriffen hat, dass Lady Meriel nicht krank ist, dann sind auch Ihre Probleme aus der Welt.«
Meriel runzelte nachdenklich die Stirn. »Werden Worte und anständige Kleidung ausreichen, die Menschen davon zu überzeugen, dass ich normal bin, nachdem sie mich jahrelang für geisteskrank hielten?«
»Diese Dinge reichen tatsächlich aus. Man beurteilt andere Menschen hauptsächlich aufgrund von Äußerlichkeiten.«
»Wer sich wie eine Lady kleidet und wie ein Lady spricht, ist eine Lady.« Dominic lächelte. »Und du bist natürlich auch eine reiche Erbin. Du hast das Recht, ein wenig exzentrisch zu sein. Kein Mensch wird dich deswegen verrückt nennen.«
Die anderen nickten zustimmend, aber Meriel war immer noch verunsichert. Es war schwer zu glauben, dass es so einfach sein würde, ihr Zuhause zurückzubekommen.
Am nächsten Morgen machten sie sich nach dem Frühstück auf den Weg nach Warfield. Der General hatte ihnen seine vier besten Pferde zur Verfügung gestellt. Meriel ritt neben Dominic. Ihre Haltung war stolz, das Haar hatte sie zu einem Knoten gebunden und ihr Gesichtsausdruck war vollkommen gefasst. Rebecca hatte ihr ein Reitkostüm geschenkt. Sie ritt im Damensattel und sah voll und ganz wie eine Lady aus. Nur jemand, der sie sehr gut kannte, sah ihr an, wie angespannt sie innerlich war.
Als sie vor Warfields gusseisernem Tor angelangt waren, zog Meriel an der Glocke. Der Torwächter trat mit gewohnt gemächlichem Schritt aus seinem hübschen Wachhäuschen.
Meriel nickte ihm zu. »Guten Tag, Walter.«
Der alte Mann starrte sie ungläubig an.
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