Bride Trilogie 01 - Bluete der Zaertlichkeit
»Lady Meriel?«
»Ja, natürlich.« Er stand wie angewurzelt da und hörte nicht auf, sie anzustarren. Da sagte Meriel freundlich: »Das Tor, bitte.«
Eilig schloss er auf und öffnete das Tor. Sie ritten hindurch und dann nebeneinander die lange Auffahrt hinauf. In seinem Kopf konnte Dominic den gleichmäßigen Rhythmus von Trommeln einer Militärparade hören. Ja, das passte. Sie waren auf dem Weg in eine Schlacht.
Dominics Nerven waren zum Zerreißen gespannt, obwohl er sich nicht vorstellen konnte, dass sie in Schwierigkeiten geraten könnten. Schließlich hatten sie General Arnes und das britische Recht auf ihrer Seite. Es war schon erstaunlich, welch einen Unterschied eine Heirat machte. Als sie am Haus anlangten, war er trotzdem sehr erleichtert, dass Grahame unbewaffnet die Stufen hinabstieg. Er hatte die Drohungen nicht vergessen, die der alte Mann geäußert hatte, als er Dominic aus Warfield hinauswarf.
Lord Grahame ließ seinen stechenden Blick über die Reiter schweifen, die vor ihm angehalten hatten. Mrs. Rector und Mrs. Marks kamen hinausgelaufen und blieben neben dem Hauseingang stehen.
»Ihre Unverschämtheit ist wirklich erstaunlich, Maxwell«, bellte Grahame. Nur mit Mühe unterdrückte er die Wut in seiner Stimme. »Ich habe in ganz England nach meiner Nichte gesucht. General Arnes, wissen Sie, was dieser junge Teufel getan hat? Sie wissen es bestimmt nicht, sonst würden Sie nicht neben ihm stehen.«
Dominic hielt den Atem an, während Meriel grazil von ihrem Pferd absaß. Aufrecht und unnachgiebig stand ihre zierliche Gestalt vor Grahame. Sie stellte ihn zur Rede. »Mit mir solltest du reden, Onkel. Verschone meinen Ehemann und meine Freunde.«
Grahame wurde kreidebleich. »Mein Gott, du kannst ja sprechen!«
»Allerdings.« Meriel blickte hinauf zu Mrs. Rector und Mrs. Marks. »Guten Tag, liebe Cousinen. Ich hoffe, ihr habt euch meinetwegen nicht allzu große Sorgen gemacht.«
»Anfangs waren wir etwas besorgt«, gab Mrs. Marks zu. Mrs. Rector neben ihr lächelte fröhlich. In den oberen Fenstern erschienen nach und nach die freudestrahlenden Gesichter von etwa einem Dutzend Bediensteter. Gegen Abend würde ganz Shropshire wissen, dass Lady Meriel im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte war.
Grahame stotterte: »A-aber wenn du sprechen kannst, warum hast du es dann nie getan?«
»Ich hatte nichts zu sagen.« Einem erstaunten Diener, der die Treppe hinuntergekommen war, reichte Meriel die Zügel ihres Pferds. Und in etwas schärferem Tonfall fuhr sie fort: »Verrückt war ich auch nicht. Deine Absichten mögen gut gewesen sein, aber es hat mir sehr missfallen, dass du mich entführen und in dieses furchtbare Irrenhaus hast stecken lassen. Auch haben mir deine Drohungen meinem zukünftigen Ehemann gegenüber nicht gefallen. Ich hoffe doch, dass etwas so Absurdes nicht wieder geschieht.«
Der Onkel entgegnete abwehrend: »Wenn du bedenkst, wie du dich verhalten hast, kannst du es mir nicht wirklich verübeln, dass ich versucht habe, dich zu beschützen.«
Ihr etwas zynisches Lächeln verriet, dass sie ihn sehr wohl dafür verantwortlich machte. Aber sie wollte die Sache nun auf sich beruhen lassen. Sie wandte sich ihren Begleitern zu. So beiläufig wie jemand, der regelmäßig mit Freunden reiten geht, sagte sie: »Kommt doch herein und lasst uns Kaffee trinken.«
Ein weiterer Diener erschien und führte die Pferde fort, während Meriel und ihre Freunde die Treppe hinaufstiegen. Dominic nahm die Gelegenheit wahr und flüsterte ihr zu: »Gut gemacht! Halte nur noch ein wenig länger durch.«
Sie nickte etwas angespannt, hatte sich und die Situation aber völlig im Griff.
Zähneknirschend versuchte Grahame sein Bestes, um sich den neuen Umständen anzupassen. Als alle in dem großen Salon Platz genommen hatten, gelang ihm ein steifes Lächeln. »Ich bedauere sehr, dass ich dir Kummer bereitet habe, Meriel«, sagte er. »Ich dachte, dass ich mich so um dich kümmerte, wie es mein Bruder gewünscht hätte.«
Meriel hatte scheinbar entschieden, dass ihr diese Entschuldigung ausreichte, und schenkte dem Onkel ein warmes Lächeln. Dann zog sie die Reithandschuhe aus. »Es lag wohl ein Missverständnis vor. Lass uns nicht mehr darüber reden.«
»Ich hatte großes Glück, zwei so gewissenhafte Beschützer zu haben.«
Als sich Roxana dann schwanzwedelnd auf Meriel stürzte, war der Bann endgültig gebrochen. Meriel spielte kurz mit der Hündin, die vor Freude über ihre Rückkehr völlig
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