Coaching - Eine Einfuehrung fuer Praxis und Ausbildung
»Brachialgewalt« durchsetzen will.
Rüßmann
(1994) berichtet vom Gelingen einer derartigen Fusion, bei der externes und internes Coaching in ein Gesamtmaßnahmenpaket
eingeschlossen waren.
Die deutsche Dependance des amerikanischen Pharmakonzerns Marion Merrell Dow (MMD) übernahm 1992 den Familienbetrieb Henning
Berlin (HB). Zu Beginn der 30-monatigen Integrationsarbeit engagierte sich der Chef von MMD zwei erfahrene Berater, mit denen
er einen ausgefeilten Plan entwarf. Ausgangspunkt war eine Analyse der unterschiedlichen Organisationsstrukturen und -kulturen.
Die Firma MMD verfügte entsprechend ihrer amerikanischen Mutter bereits über ausgeprägt flache Strukturen, während HB noch
traditionelle Muster hatte. So war bei MMD bereits ein hohes Maß an Mitarbeiterautonomie erreicht, was bei HB in breiterem
Umfang erst noch zu entwickeln war. Die normative Grundidee war, alle Mitarbeiter möglichst umfassend am Prozess des Zusammenwachsens
zu beteiligen. Zu diesem Zweck wurden die Mitarbeiter laufend informiert und in alle Detailplanungen einbezogen. Das führte
sogar zum Entstehen einer firmeneigenen Zeitung, »Dialog«. Sodann wurde ein Gruppen-Coaching angesetzt, an dem jeweils zu
gleichen Teilen Mitarbeiter der einen wie der |215| anderen Firma teilnahmen. Sie fanden für alle Hierarchieebenen vom Pförtner bis zur Top-Ebene statt. Ein jeweiliger Workshop
umfasste nur hierarchiegleiche Personen. Dieses Coaching wurde zunächst nur von externen Beratern geleitet. Als diese Entwicklung
bereits relativ fortgeschritten war, wurden Projektgruppen, die auch wieder aus beiden Firmenteilen bestanden, etabliert.
Ihre Aufgabe bestand darin, Strategien zu entwerfen, wie die Qualität des neu zusammengewachsenen Unternehmens als Ganzes
zu sichern und zu steigern sei. Bei diesen Projektgruppen fungierten nun externe und interne Coaches in Kombination.
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2. Settings von Coaching
Coaching findet traditionell in einer Zweierbeziehung statt, wo ein Klient von einem Coach beraten wird. In den letzten Jahren
erfreut sich aber auch Coaching von Kleingruppen wachsender Beliebtheit. Hierbei handelt es sich entweder um Gruppen von Menschen
mit funktions- und hierarchiegleichen Positionen. Oder es handelt sich um Teams, d. h. kooperierende Arbeitsgruppen. Alle
drei Settings, das Einzel-, Gruppen- und Team-Coaching, enthalten typische Vor- und Nachteile. Durch sie lassen sich auch
jeweils unterschiedliche Ziele realisieren.
2.1 Einzel-Coaching
Einzel-Coaching stellt die klassische Anordnung dar. Jeder Klient, der im Coaching einen intimen Ort zur Auseinandersetzung
mit seinen Anliegen sucht, wird Coaching im Einzel-Setting bevorzugen. So findet Krisenoder Qutplacement-Beratung regelmäßig
im Einzel-Setting statt. Es ist auch die bevorzugte Anordnung für Karriereberatung. Und hochrangige Führungskräfte schätzen
die Intimität und vertraute Dichte dieser Anordnung.
Dieses Setting weist allerdings auch Nachteile auf. Der Coach bleibt hier nämlich der einzige Gesprächspartner für den Klienten.
Selbst wenn der Horizont des Coach sehr breit ist, besteht Gefahr, dass immer nur ein bestimmter Radius von Perspektiven und
Handlungsmustern verhandelt wird. So lassen sich soziale und konzeptionelle Managementkompetenzen in einem größeren sozialen
Verbund oft besser fördern.
|216| 2.2 Gruppen-Coaching
Beim Gruppen-Coaching liegen die Verhältnisse genau anders herum als beim Einzel-Coaching. Es stellt niemals einen so intimen
Ort wie das Einzel-Coaching dar, sodass sich hier auch nur in Ausnahmefällen eine intensive Krisenarbeit mit Einzelnen leisten
lässt. Eine Gruppe von Menschen repräsentiert immer ein Setting mit einer gewissen Öffentlichkeit. Das reduziert automatisch
die Bereitschaft zu persönlicher Öffnung, wie es gerade bei individueller Krisenintervention unabdingbar ist.
Am Gruppen-Coaching nehmen entweder funktionsgleiche Menschen aus unterschiedlichen Systemen teil, wie z. B. Pflegedienstleiter
aus unterschiedlichen Kliniken. Es können aber auch Berufstätige mit derselben Funktion aus einem einzigen organisatorischen
System zusammenkommen, wie z. B. Abteilungsleiter einer Gewerkschaft. Bei Gruppen, deren Mitglieder aus einer Organisation
stammen, muss meistens eine höhere Hemmschwelle überwunden werden, bis relevante Problemkonstellationen ins Coaching eingebracht
werden. Dafür bietet dieses Setting aber breite
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