Coaching - Eine Einfuehrung fuer Praxis und Ausbildung
von psychisch stark angegriffenen
Menschen bleiben ja auch Therapeuten nicht ungerührt. Es gelingt ihnen aber leichter, die Fassung zu wahren, wenn sie auf
einem gut stützenden Stuhl eine spannungsfreie und eher kontemplative Haltung einnehmen können. In solcher Sitzposition lässt
sich auch tiefer und ruhiger atmen. Den denkbar ungünstigsten Fall stellen sehr weiche Polstersessel dar, die nach einiger
Zeit eine laufende Veränderung der Sitzhaltung notwendig machen und das freie Atmen stark behindern. Gut stützende Sitzmöbel
sind aber auch in Coaching-Situationen relevant. Und sie stehen idealerweise nicht nur dem Coach, sondern auch dem Klienten
zur Verfügung. Denn die Klienten sollen ja in ihrer Autonomie gestärkt werden, also mehr Übersicht gewinnen und mehr Selbstkontrolle
mobilisieren. Dann wäre auch für sie ein Sitzmöbel zu bevorzugen, das schon durch sich selbst solche Haltungen begünstigt.
Eine wieder andere Überlegung betrifft die Verwendung eines Tisches. In etlichen Milieus sozialer Dienstleistungen ist das
Aufstellen von Tischen bei der Beratung eher verpönt. In Analogie zur Psychotherapie besteht hier oft die Idee, dass ein Tisch
als Barriere zwischen Gesprächspartnern subjektiv behindernd wirkt oder Klienten »nur« zum »Festhalten« dient, sodass sie
sich von unangenehmen Themen ablenken können oder sich ihnen jedenfalls nicht so unmittelbar stellen. Im betrieblichen Alltag
dagegen erinnern Tische an Konferenzen und Schulungsseminare, also irgendwie an Arbeit und Weiterbildung, sodass hier auch
beim Coaching ein Tisch als passend erlebt wird. In diesen Milieus wirkt eine Gesprächssituation ohne Tisch, wo die »Beine
nackt« bleiben, oft eher befremdlich. Ob der Coach mit oder ohne Tisch arbeitet, sollte sich allerdings neben milieuspezifischen
Präferenzen an den faktischen Erfordernissen der jeweiligen Beratungssituation ausrichten. Manchmal möchten |225| sich Klienten etwas notieren, oder sie bringen Papiere mit, die gemeinsam angeschaut werden sollen usw. In solchen Fällen
ist z. B. ein Tisch bequem, der als leichtes Möbel schnell zwischen den Gesprächspartnern aufzustellen ist.
Atmosphärische Aspekte des Gesprächsrahmens
Neben den soeben beschriebenen Details erhält die räumliche Gesamtatmosphäre zentrale Bedeutung. Sie kann mit den Zielen von
Coaching mehr oder weniger kompatibel sein. Ein relativ dunkler, höhlenartiger Raum z. B. löst die Bereitschaft zu Regressionen
auf frühkindliche Stadien aus, wie es von manchen psychotherapeutischen Ansätzen intendiert ist. Eine Raumgestaltung dagegen,
die vorrangig durch Stahl und Glas bestimmt ist, weckt Gefühle von Kühle und Unverbindlichkeit. Beide Gefühlslagen sind für
Coaching wenig geeignet. Da die Klienten ja zu mehr Selbstverantwortlichkeit und Klarheit im Denken und Handeln animiert werden
sollen, stellt eine gut strukturierte und helle Raumgestaltung das Optimum dar. Von ihr sollte aber keine subjektive Kühle
ausgehen, weil ja Coaching auch als Ort definiert ist, an dem man seine Sorgen und Beunruhigungen im Beruf vertrauensvoll
ausbreiten kann.
Nun »bedient« natürlich jeder Coach eine unterschiedliche Klientel, die auch unterschiedliche ästhetische Vorlieben und unterschiedliche
Präferenzen für Atmosphären hat. So lassen sich zur Raumgestaltung keine allgemein verbindlichen Aussagen treffen. Hier ist
nur Folgendes zu raten: Vor der Auswahl von Einrichtungsgegenständen sollte sich ein Coach im inneren Rollentausch mit zwei
oder drei seiner »Lieblingsklienten« vergegenwärtigen, in welchem Ambiente sie sich gerne beraten lassen würden.
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2. Die Funktionen von Gesprächen im Coaching
Nun kündigte ich schon zu Beginn dieses Kapitels an, dass Gespräche die grundlegende methodische Basis von Coaching bilden;
d. h. jede Coaching-Sitzung startet und endet gesprächsweise, und auch im Verlauf einer jeweiligen Sitzung spielt verbale
Kommunikation eine zentrale Rolle. Selbst wenn selektiv nichtsprachliche methodische Maßnahmen |226| zum Einsatz kommen, dienen Gespräche der methodischen Einführung und der Strukturierung des vorsprachlich Erfahrenen.
Wenn man die Funktionen von Gesprächen im Coaching systematisiert, lassen sich vorrangig vier nennen: (1) Gespräche dienen
zu Beginn einer Coaching-Sitzung der Feststellung des spezifischen Anliegens von Klienten. (2) Sie dienen dazu, die subjektive
Involviertheit von
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