Coaching - Eine Einfuehrung fuer Praxis und Ausbildung
Klienten herauszuarbeiten und festzustellen, mit welcher Horizontstruktur sie ihr Anliegen erfassen. (3)
Gespräche bilden aber auch die Grundlage, wenn es darum geht, die Optionen von Klienten im Hinblick auf Veränderungsmöglichkeiten
herauszuschälen. (4) Eine nicht zu vernachlässigende Funktion von Gesprächen ist aber auch das Modelllernen. Gespräche mit
dem Coach erhalten nämlich immer eine Vorbildfunktion für Klienten.
Das Feststellen des Coaching-Anliegens
Jede Coaching-Sequenz startet mit dem Feststellen des aktuellen Anliegens. Selbst wenn es für den Klienten selbst nur unvollkommen
oder vorläufig zu benennen ist, muss es gesprächsweise zumindest grob eingekreist werden.
So suchte mich eine attraktive junge Frau auf, die spezielle Trainingsaufgaben beim Militär übernommen hatte. Sie berichtete
von allerlei »Anmachereien« in diesem Männermilieu, die ihr zunehmend unangenehm wurden. Vordergründig suchte sie in mir als
weiblicher Beraterin eine Solidarpartnerin für ihren Unmut. Sie führte zunächst vielfältige Klagen über verbale und z. T.
sogar versteckte körperliche Zudringlichkeiten der Männer. Als konkrete Fragestellung schälte sich aber bald heraus, dass
sie erarbeiten wollte, wie sie die Interaktionen zu den Männern anders als bisher gestalten könne.
Das Feststellen der persönlichen Involviertheit
Allein durch die Tatsache, einen Coach zu bemühen, signalisieren Klienten, dass sie mit Fragestellungen beschäftigt sind,
die sich nicht durch einsames Nachdenken und darauf folgendes Handeln bewältigen lassen. Und sie signalisieren, dass sie sich
durch Dialoge mit dem Coach den Erwerb neuer Perspektiven erwarten, die ihnen durch ihre aktuelle Involviertheit momentan
noch nicht zugänglich sind. Der Fortentwicklung von Klienten steht jedenfalls immer irgendeine Form persönlichen Verwobenseins
im Wege, die ihnen den Zugang zu einfachen Lösungen verstellt.
|227| Im Coaching gilt es nun, durch Gespräche diese persönliche Verstrickung möglichst facettenreich zu ermitteln und damit einhergehend
die spezifischen Deutungs- und Handlungsmuster, mit denen Klienten die infrage stehende Thematik bisher zu bewältigen suchten.
Hier empfiehlt es sich, Klienten zu bitten, ihre Fragestellung anhand konkreter Situationen zu verdeutlichen und sie mit ihnen
gesprächsweise zu rekonstruieren.
Im Beispiel der »jungen Frau in der Männerwelt« bat ich sie, mir eine Situation zu beschreiben, in der sie sich von den Trainingsteilnehmern
in der von ihr beklagten Form besonders deutlich belästigt fühlte. Sie schilderte nun eine Pausensituation, bei der zwei Männer
anzügliche Bemerkungen über eine ihr unbekannte Frau machten und dabei ständig ihre Reaktionen taxierten. Sie benannte nun
detailliert alle ihre Gefühle und sonstigen Empfindungen in der konkreten Situation und verglich sie mit früheren vergleichbaren
Erfahrungen in anderen Situationen, die ihr ähnlich unangenehm gewesen waren. Anhand dieser Erfahrungen stellte sie im weiteren
Gespräch fest, dass sie bei Anzüglichkeiten, die scheinbar anderen Frauen galten, sich jedes Mal stellvertretend zum Objekt
degradiert fühlte. Sie entschied, dass sie solche Situationen nicht mehr ertragen wolle.
Das Feststellen von Optionen
Wenn die persönliche Involviertheit im Dialog zwischen Klient und Coach präzisiert und das Ziel der Arbeit entschieden ist,
richtet sich das Gespräch auf die Optionen, die ein Klient hat, um die Ist-Situation zielgerecht zu verändern. Die Funktion
von Gesprächen besteht nun im Herausschälen einer gewissen Verhaltensvielfalt und im Ermitteln, welches Verhalten der Klient
präferiert und welches er sich aktuell zutraut zu realisieren. In der Regel schränken Klienten den Bereich ihrer Optionen
vorher unangemessen ein und vermögen ihn erst im Verlauf des Gesprächs mit dem Coach zu erweitern. Daran anschließend erarbeiten
Coach und Klient die Wahl der aktuell richtigen Option.
Die junge Frau in unserem Beispiel hatte ihre Verhaltensmöglichkeiten in Konfrontation mit anzüglichen Bemerkungen von Männern
empfindlich eingeschränkt. In ihrer Rolle als weibliche Autorität fand sie es lediglich passend, »so zu tun, als sei da nichts«.
Im Verlauf des Gespräches entwickelte sie eine Reihe anderer Verhaltensmuster, wie »die Gesprächsrunde bei Pausen zu verlassen«,
»blasiert die Augenbrauen hochzuziehen«, »sich derartige
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