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Coaching - Eine Einfuehrung fuer Praxis und Ausbildung

Titel: Coaching - Eine Einfuehrung fuer Praxis und Ausbildung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Astrid Schreyoegg
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sukzessiver Flexibilisierung von Wahrnehmungs-, Strukturierungs- und Verstehensvorgängen
     zu fördern. Diese sind idealerweise auf |159| individuelle, interaktionale und systemische Phänomene sowie auf ihre Verschränkung gerichtet.
    Die Förderung solcher Qualifikationen muss übrigens oft als
Team-Coaching
angelegt sein, denn die Flexibilisierung konzeptioneller Kompetenzen Einzelner schlägt auf organisatorische Zusammenhänge
     im Allgemeinen nicht ausreichend durch. Hier ist es vielmehr sinnvoll, dass Personen mit kooperierenden Positionen in einen
     derartigen Veränderungsprozess gemeinsam eintreten.
    Fürs Management sind solche Kompetenzen heute dringender denn je gefordert, weil durch die aktuell notwendige Internationalisierung
     von Märkten die Parameter für Planung, Organisation usw. laufenden Wandlungen unterworfen sind (
Nerdinger, v. Rosenstiel
1993 u. a.). Dabei entwickeln sich die Märkte mancher Branchen, wie etwa der Mikroelektronik, besonders turbulent. Aber auch
     Felder wie die Modeoder Textilbranche sind z. B. durch Öffnung nach Osteuropa mit Anforderungen konfrontiert, die ohne Steigerung
     konzeptioneller Kompetenzen nicht zu bewältigen sind.
     
    Eine gut florierende österreichische Textilfirma, die Möbel und Gardinenstoffe in einem eher exklusiven Marktsegement produziert,
     übernahm in Tschechien die Mehrheit einer dort ansässigen Stofffabrik. Die Waren sollten primär nach Polen und in die Ukraine
     vertrieben werden. Für den Leiter der Vertriebsabteilung war von Anfang an klar, dass die Produktpalette für diese Märkte
     modifiziert werden müsste, der Chef-Designer dagegen wollte sich von der bewährten geschmacklichen Linie nicht trennen. Im
     Verlauf eines eintägigen Beratungsprozesses, während dessen sich beide die Wohnwelten der unterschiedlichen Nationalkulturen,
     die sie durch einige kurze Dienstreisen schon grob kennen gelernt hatten, noch einmal gezielt vergegenwärtigten, gelangten
     sie zu ganz neuen und nun übereinstimmenden Perspektiven. »Ich bin in Gefahr, die Leute zu bieder einzuschätzen«, war das
     Fazit des Vertriebsleiters. »Ich war zu stur auf meine ästhetische Linie festgelegt«, befand der Designer. Das Ergebnis war
     eine neuartige, allerdings auch wieder in einem exklusiven Marktsegment angesiedelte Produktlinie.
     
    Auch das Sozialmanagement wird heute durch eine Vielzahl von Innovationsanforderungen erschüttert. Sie sind häufig durch Sparmaßnahmen
     bzw. veränderte Finanzierungsstrategien erzwungen. So geraten derzeit viele, bislang von Kommunen mitfinanzierte Projekte
     in Bedrängnis. Da sie meistens auch keine anderen Finanzierungspartner finden, müssen sich die Mitarbeiter zum Erhalt ihres
     Arbeitsplatzes auf eigene Füße stellen und im freien Markt eine möglichst attraktive Angebotsstruktur ihrer |160| Dienstleistung entwickeln (
Krieger
1992). Solche Prozesse fordern automatisch die Entwicklung breiter konzeptioneller Kompetenzen heraus, was die Betroffenen
     meistens noch nicht gelernt haben.
     
    Eine nicht-hierarchische Frauenberatungsstelle mit »sozial-orientierter« Kultur (
Brody
1993) engagierte sich in einer solchen Situation eine Beraterin, die sie bei der Entwicklung eines neuen Profils unterstützen
     sollte. In den ersten Sitzungen zeigten sich vielfältige ideologische Hemmungen. Sie bezogen sich vordergründig auf die in
     Zukunft notwendige unternehmerische Orientierung. Mit dieser Sicht ging eine Präzisierung von speziellen Kompetenzen der Mitarbeiterinnen
     einher und damit wieder ein Vergleich dieser untereinander. Damit standen aber nun alle bislang von den Frauen des Systems
     vertretenen Normen und Standards auf dem Spiel, sich nämlich nicht zu vergleichen, nicht zu konkurrieren, nicht aus materiellem
     Interesse zu arbeiten usw. Dies hatte zunächst den Ausstieg einer bisher sehr einflussreichen Kulturprotagonistin zur Folge.
     Sie konnte sich diesen Schritt allerdings auch leisten, da sie anderweitig ökonomisch abgesichert war. In einem zähen, aber
     konsequent weitergeführten Prozess entwickelten die übrigen eine neue Angebotspalette, bei der jede Mitarbeiterin ihre Beratungsspezialität
     – nun gegen Honorar – anbot. Im Verlauf ihrer Verselbstständigung etablierten die Frauen tatsächlich immer umfassender unternehmerische
     Kulturmuster.
     
    Anhand dieses Beispiels wird deutlich, dass gleichlaufend mit einer Steigerung konzeptioneller Kompetenzen einzelner Mitarbeiter
     auch eine

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