Coaching - Eine Einfuehrung fuer Praxis und Ausbildung
Im Coaching fiel dem Projektleiter nun auf, dass
die Mitarbeiter zwar nicht seine speziellen Vorstellungen von kirchlicher Jugendarbeit realisierten, dass sie aber eine ganz
eigene Art gefunden hatten, die in der DDR sozialisierten Jugendlichen anzusprechen. Die Erweiterung sozialer Kompetenzen
des Projektleiters im Hinblick auf eine zukünftige Zusammenarbeit mit den Jugendarbeitern musste nicht nur das Verstehen von
deren anders gearteten Vorstellungen über Jugendarbeit einschließen, sondern es musste sich auch auf die Kommunikation mit
ihnen beziehen. Hierzu fiel ihm im weiteren Verlauf der Arbeit auf, dass er eigene Autoritätsängste gegenüber seinen Vorgesetzten
in Form von antreibender Hektik unbemerkt an die Mitarbeiter weitergegeben hatte. Diese nun reagierten mit subversivem Widerstand,
so wie sie es früher gegenüber fordernden »roten Socken« eingeübt hatten. Als der Projektleiter diesen Zusammenhang erfasste,
kommunizierte er insgesamt gelassener. Er brachte seine Forderungen ruhiger vor, gab aber auch mehr Anerkennung für die spezifischen
Aktivitäten der Mitarbeiter, worauf sich auch diese kooperativer verhielten.
Mehr als andere Managementkompetenzen stehen soziale Qualifikationen »personennah«, d. h. mit
historisch gespeicherten Deutungsmustern
eines Menschen in Beziehung. Wenn eine Verbesserung sozialer Kompetenzen angestrebt ist, muss also meistens eine mehr oder
weniger gravierende Veränderung dieser Muster eingeleitet werden. Genau das lässt sich durch Coaching besser als durch andere,
konventionelle Formen der Personalentwicklung realisieren. Beim Coaching können nämlich alle diesbezüglichen Kompetenzentwicklungen
immer entlang konkreter, beruflicher Anliegen prozessual begleitet und gefördert werden.
In dem soeben beschriebenen Beispiel reichte die rationale Einsicht des Projektleiters in den sozialen Zusammenhang auch nicht
aus. Schon am Anfang des Coaching-Prozesses zeigte er nämlich ein sehr persönliches Unbehagen über die Rolle, in die er sich
durch die Jugendarbeiter manövriert sah: »Ich komme mir wie ein |163| dämlicher Vater vor, gegen den sich Teenager auflehnen müssen.« Anlässlich einer Rekonstruktion seiner eigenen Teenagerjahre
stellte sich heraus, dass er sich, meistens allerdings eher subversiv, auch häufig gegen seinen Vater aufgelehnt hatte. »Er
war völlig verständnislos und sooo katholisch, dass er mir nichts erlaubte. Ich aber lasse doch die jungen Leute an der langen
Leine.« Er bemerkte nun, dass er durch den Widerstand der Jugendarbeiter verletzt war, bzw. er sah sich von ihnen unversehens
als verständnisloser, intoleranter Vater definiert. Es bedurfte einer Reihe von z. T. relativ persönlich eingefärbten Sitzungen,
bis er eine auch emotional fundierte Differenzierung zwischen der Situation der jungen Leute und seiner eigenen als Teenager
entwickeln konnte. Erst dann begann er, den Mitarbeitern mit mehr Gelassenheit zu begegnen.
Wenn Coaching soziale Managementkompetenzen steigern will, muss es als »Arbeit in die Breite und in die Tiefe« angelegt sein.
Dann sind möglichst vielfältige Sozialphänomene individueller, interaktiver und systemischer Art, aber oft auch weiter zurückliegende
Erfahrungen von Coaching-Klienten zu thematisieren.
1.2 Steigerung der Humanität im Beruf
Wie anhand der konzeptionellen Anforderungen an den Coach angesprochen, sollte Coaching nicht nur berufliche Effizienz befördern,
sondern auch zur Humanisierung arbeitsweltlicher Kontexte beitragen. Das heißt zunächst, jedes menschliche Gegenüber ist als
Leib-Subjekt zu begreifen und mit ihm entsprechend in Beziehung zu treten. Dieses Postulat gilt aber nicht nur für einzelne
Menschen, sondern auch für Gruppen und sogar für ganze Organisationen. Eine entscheidende Voraussetzung zur Entfaltung solcher
Sicht ist, dass sich Berufstätige auch selbst als Subjekt verstehen und sich ebenso wenig wie Mitarbeiter oder andere Interaktionspartner
zur »gut funktionierenden Maschine« degradieren. Für Coaching, das beansprucht, ein Weg zum Selbstmanagement zu sein, ist
dieses Postulat von besonderer Bedeutung.
Steigerung der Humanität gegenüber anderen
Eine grundlegende Voraussetzung für humanes Handeln von Führungskräften und Freiberuflern stellt die Entwicklung breiter sozialer
Kompetenzen dar. Dabei nimmt die Fähigkeit zur
Einfühlung
in andere eine hervorragende |164| Stellung ein. Diese
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