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Crescendo

Crescendo

Titel: Crescendo Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: corley
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war fünf, als sie verschwand. Seinen Vater hat er nie gekannt, und die Tante hatte keinen Namen. In dem Haus waren noch viele andere Kinder, also war sie vielleicht nur eine Tagesmutter, der man ihn untergejubelt hatte. Aber immerhin kennen wir jetzt die Gegend, wo er aufwuchs, also können wir vielleicht seine Grundschule ermitteln, vorausgesetzt, er hat seinen Namen nicht geändert.«
    Knotty machte sich Notizen in seinem Büchlein und blickte erwartungsvoll auf.
    »Er ging seit etwa einem Jahr zur Schule, als er eines Tages nach Hause kam und die Tante nicht mehr da war. Dafür aber Leute vom Jugendamt, und man steckte ihn in ein Kinderheim. Auch das war, so glaubt er, in Leicestershire. Dort blieb er drei Jahre, dann wurde er in eine Einrichtung zwischen Telford und Shrewsbury verlegt. Er hat unserem Befrager eine Anschrift und den Namen des Heimleiters genannt: Mr Custer. Er wurde ›Custer der Kalte‹ oder ›der General‹
    genannt, je nach Stimmung.
    Und ab da wird es interessant. Mit etwa fünfzehn Jahren kam er zu Pflegeeltern, und nach Einschätzung unseres Befra-gers muss die Zeit dort große Auswirkungen auf ihn gehabt haben. Er hat nur ganz wenig davon preisgegeben, nicht mal den Namen der Familie oder ob es noch andere Kinder gab.
    Immer wenn das Thema aufkam, wurde er unruhig und ausweichend. Da liegt wahrscheinlich unsere größte Chance, irgendwelche jugendlichen Kumpel und Freunde zu finden.«
    »Die Geschichte, die er Doctor Batchelor erzählt hat, dass seine Pflegeeltern ertrunken sind, war die gelogen?«
    »Ein Teil davon bestimmt. Wir müssen versuchen, die Eltern zu finden. Ich denke, er hat uns genug Material geliefert, 370

um ihre Anschrift zu ermitteln. Er ist mit dem Bus zur Schule gefahren, der hatte die Nummer 69, was er lustig fand. Von zu Hause bis zur Bushaltestelle war es eine halbe Stunde zu Fuß, dann fünfundvierzig Minuten Fahrt nach Telford. Er hat gesagt, dass er bei jedem Wetter zu Fuß gehen musste, und wenn der Fluss über die Ufer getreten war, musste er einen Umweg von einer Meile machen, um zu einer hohen Brücke zu kommen.«
    Knotty schrieb jetzt hektisch mit. Wenn er sich konzentrierte, schob er die Zungenspitze zwischen die Zähne, wo-durch er aussah wie ein Sechzehnjähriger.
    »Der Rest des Berichtes befasst sich mit seiner Arbeit als Software-Entwickler, und das meiste davon haben wir schon in den Akten.«
    »Knotty hat sich in der Firma in Telford erkundigt, bei der Griffiths beschäftigt war. Die Buchhaltung hat die Bankverbindung rausgesucht, an die sein Gehalt überwiesen wurde, aber er hat das Konto aufgelöst, kurz nachdem er gekündigt hat.« MacIntyre reichte ihm den Vermerk.
    »Wieso hat er da aufgehört?«
    »Es wurde ihm nahe gelegt. Eine Kollegin hatte behauptet, er sei zudringlich geworden, nachdem sie mit mehreren Kollegen noch was trinken waren. Seine Kumpel haben ihn ver-teidigt und gesagt, die Frau sei sturzbetrunken gewesen und Griffiths habe ihr nur helfen wollen, ein Taxi zu finden. Aber jemand aus der Personalabteilung hat daraufhin bei seinem vorherigen Arbeitgeber angerufen und erfahren, dass seine Referenzen gefälscht waren. Anscheinend hatte sich bei seiner Einstellung keiner die Mühe gemacht, das zu überprü-
    fen.«
    »Das passt. Dieser Mann erfindet seine Vergangenheit ständig neu.«

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    »Ist aber riskant.«
    »Nicht unbedingt, bis zu dieser Beschwerde war er damit durchgekommen. Was hat er nach seiner Kündigung gemacht?«
    »Freier Mitarbeiter in der IT-Branche, soweit wir feststellen konnten. Und wir wissen nicht, wie er schließlich in Sussex gelandet ist, ohne festen Job oder festen Wohnsitz.«
    MacIntyre schickte Knotty raus und brachte Fenwick dann auf den neuesten Stand, was sich inzwischen in Wales und hier in London ergeben hatte.
    »Die Abdrücke auf dem Messer sind zwar eine Verbindung zu dem Mord an Lucinda, aber kein zweifelsfreier Beweis. Sie befanden sich bloß auf einem Barhocker, und die Überprüfung von Lucindas Verletzungen hat nichts Konkretes ergeben. Fest steht, wir brauchen noch mehr. Der Pathologe versucht, die Bisswunden bei beiden Frauen abzuglei-chen. Wenn ihm das gelingt, wäre das ein schlüssiger Beweis, aber im Augenblick sind wir Täter B noch kein Stückchen näher gekommen.
    Wir werden von sämtlichen Polizeistellen im Land informiert, wenn irgendwo eine Frau einem Gewaltverbrechen zum Opfer fällt. In den letzten zehn Tagen hat es in ganz Großbritannien drei weitere brutale

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