Das Dorn-Projekt: Der frühe Homanx-Zyklus, Bd. 3
vielleicht skeptisch sein, aber er war kein Dummkopf. Als ausgebildeter Wissenschaftler konnte er Hinweise, wenn er sie erst einmal zu Gesicht bekommen hatte, nicht einfach ignorieren. »Ja, damit, fürchte ich, liegen Sie richtig. Aber ich glaube nicht, dass ich derjenige sein sollte, der die Sache weiterverfolgt.« Er deutete auf den Bildgeber. »So etwas muss den Kontrollbehörden der Kolonie zur Kenntnis gebracht werden, niemandem wie mir, der in der Forschung beschäftigt ist.« Und er schloss neugierig: »Warum haben Sie mir Ihr Material vorgelegt, anstatt es gleich den Behörden zugänglich zu machen?«
»Weil es mehr Aussagekraft hat, wenn es von Ihnen vorgetragen wird«, erklärte Pilwondepat. »Viele aus Ihrem Volk scheuen immer noch davor zurück, mit meiner Spezies Kontakt zu haben. Andere bleiben uns gegenüber aus ihren Urinstinkten heraus misstrauisch, und es gibt auch noch diejenigen, die ganz offen feindselig gegen uns sind. Würde ich selbst dieses Beweismaterial auf direktem Weg den zuständigen menschlichen Behörden zugänglich machen wollen, wäre es durchaus möglich, dass man mich ohne Anhörung abweisen würde. Oder man würde mich höflich vorlassen, nur um die Daten, kaum dass ich wieder gegangen wäre, im nächsten Archiv verschwinden zu lassen. Aber wenn Sie, ein Wissenschaftler, der innerhalb seines von ihm gewählten Fachgebietes eine durchaus anerkannte Größe ist, in dieser Angelegenheit vorspricht, wird man Ihnen zuhören, und das dokumentierte Material wird, auch wenn es nicht gleich zur Kenntnis genommen werden sollte, zumindest irgendwann diskutiert.« Pilwondepat ließ sich wieder auf allen sechs Beinen nieder. »Werden Sie das Material vorlegen, Cullen? Ich habe das abgekartete Spiel, das hier läuft und das ich Ihnen dargelegt habe, nicht erfunden. Das Beweismaterial ist so real wie der Felsen, auf dem wir stehen. Ebenso wie die Absichten der AAnn.«
Der Mensch kratzte sich am Hinterkopf. »Sie bringen mich da in eine unangenehme Situation, Pilwondepat. Besonders was die immer noch andauernde Anwesenheit von Riimadu auf dem Grabungsgelände betrifft. Es gibt eine Menge mehr AAnn auf Comagrave als Thranx.«
»Eine Folge des ungünstigen Klimas, aber ich verstehe die Zwänge, denen Sie unterliegen. Nur denken Sie daran, dass tot zu sein Sie in eine weitaus schwierigere Position manövrieren würde!«
»Ungeachtet dessen, was seine Kaiserlichen Brüder im Schilde führen, bin ich mir nicht sicher, ob ich dem Bild, das Sie von Riimadu gezeichnet haben, zustimmen mag. Er war, seit er diesem Projekt zugeteilt wurde, stets eine große Hilfe. Wir haben uns immer über Wissenschaftliches unterhalten, und ich sehe in ihm einen Geistesverwandten, auch wenn er Schuppen hat. Es fällt mir sehr schwer, mir vorzustellen, er könnte in irgendeine Art feindseliger Aktivität verwickelt sein, und noch sehr viel schwerer in eine Verschwörung, die gegen den Geist der Wissenschaft verstößt.«
Pilwondepatvollführte eine komplizierte Gebärde, deren Sinn Cullen verborgen blieb, was wahrscheinlich besser so war. »Was immer Sie denken, wie immer er sich in Ihrer Gegenwart gibt - alles, worum ich Sie bitte, ist, nicht zu vergessen, dass er ein AAnn ist. YHmt, er ist Wissenschaftler. Yümt, er war eine Hilfe. Aberwenn die Zeit gekommen ist, dann - und das kann ich Ihnen aus der Tiefe meines Herzens, als Individuum wie als Teil meiner Spezies, versichern - wird er Ihnen eine Waffe an die Schläfe halten und, ohne auch nur einen zweiten Gedanken daran zu verschwenden, Ihnen Ihr Gehirn zum anderen Ohr herausblasen!«
Er war ein wenig zu weit gegangen, das erkannte Pilwondepat im nächsten Augenblick. In seiner Bemühung, den Freund von der Gefahr zu überzeugen, die er entdeckt hatte, hatte er gerade eben die Grenze der Höflichkeit und Diplomatie überschritten, die Cullen eingehalten wissen wollte. Es stand dem Menschen so deutlich ins bewegliche Gesicht geschrieben, als habe man es mit einem antiken Schreibgerät dort eingeritzt.
»Dann machen Sie es doch folgendermaßen«, fuhr er rasch fort. »Achten Sie einfach nicht auf Riimadu! Lassen Sie ihn seine Arbeit machen! Ich selbst werde ihn im Auge behalten. Das tue ich sowieso, aus einem historisch begründeten Selbsterhaltungstrieb heraus. Aber übermitteln Sie bitte meine Nachforschungsergebnisse an die zuständigen planetaren Behörden! Berichten Sie, was ich an Schlussfolgerungen gezogen habe, stellen Sie Ihre eigene Meinung dazu dar, und
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