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Das Dorn-Projekt: Der frühe Homanx-Zyklus, Bd. 3

Das Dorn-Projekt: Der frühe Homanx-Zyklus, Bd. 3

Titel: Das Dorn-Projekt: Der frühe Homanx-Zyklus, Bd. 3 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alan Dean Foster
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musste.
    Die Kirche beabsichtigte an vorderster Front diese Arbeit aufzunehmen. Es gab in ihrer Struktur, die formale Hierarchien oder dergleichen ablehnte, keinen Platz für Gestalt-Chauvinismus oder jede andere Form von speziärer Bigotterie - nur für Seelen war Platz. Und soweit es irgendwer im Universum zu bestimmen vermochte, sowohl von naturwissenschafüicher als auch theologischer Seite her, hatten Seelen alle die gleiche Gestalt. Woraus genau genommen eine ›Seele‹ überhaupt bestand, war eine Frage, mit der sich beide, Menschen wie Thranx, bereits Tausende von Jahren beschäftigt hatten. Trotz enormer Fortschritte bei den Quantifizierungsmethoden blieb die Seele ein Abstraktum, etwas, was sich nicht messen und nicht wiegen ließ. Die Taxonomie der Metaphysik befand sich immer noch in ihren Kinderschuhen. In diesem Sinne ähnelte die Metaphysik der niemals endenden Suche nach den ultimativen Bausteinen der Materie, die - in etwa - alle fünfzigjahre mehr zu unendlicher Winzigkeit zusammenzuschrumpfen schienen.
    Briann machte sich nicht viele Gedanken um solche Dinge. Oder Undinge, je nach Standpunkt des Betrachters. Briann war in die Kirche eingetreten, um ungeachtet der äußeren Gestalt denen zu helfen, die Hilfe brauchten. Bis jetzt war er, was seinen Eintritt anging, noch auf nichts gestoßen, das ihn hätte seinen Entschluss noch einmal überdenken lassen. Seine Familie zerbrach sich zwar immer noch über seine Motive den Kopf, unterstützte ihn aber. Interessanterweise war Twikanrozex bei seiner Entscheidung auf mehr Widerstand gestoßen. Die Thranx-Gesellschaft war nicht so beweglich wie die menschliche. Radikale Wechsel in Lebensgewohnheiten und gesellschafüichen Orientierungen wurden nicht sofort offen gebilligt. Twikanrozex war gezwungen gewesen, eine weitaus schwierigere Aufgabe zu meistern als sein menschlicher Begleiter.
    Doch obwohl sich beide, Twikanrozex und Briann, als höchst bewandert in Angelegenheiten interspeziärer Beziehungen betrachteten und sich mit großer Sorgfalt und Eifer auf die Gelegenheit, die ihnen diese Veranstaltung auf Dawn bot, vorbereitet hatten, hatte sich die Messe bereits als schier endloser Reigen von Überraschungen erwiesen. Gerade gingen sie an einer wie lebendig wirkenden Projektion vorüber, die der Geschichte der Agrartechnik auf Willow-Wane gewidmet war. Virtuelle Thranx lenkten virtuelle Maschinen, untermalt von Schilderungen sowohl in Terranglo als auch in Niederthranx. Zu den Bildern passende Gerüche erfüllten die unmittelbare Umgebung. Indem die Thranx die Geschichte via 3-D-Wandlern darstellten, konnten sie riesige agrartechnische Gerätschaften und Hunderte von Arbeitern zeigen, ohne einen entsprechenden Aufwand zu tätigen. Eine menschliche Familie, die etwas mehr Köpfe zählte als üblich, blieb kurz vor diesem Ausstellungsbeitrag stehen, um das hallenhohe Exponat anzustarren, worauf das kleinste Kind der Familie mit dem Finger und ausgelassen jauchzend nach oben zeigte.
    »Schaut doch, schaut - eine Ameisenfarm!«
    Briann spürte, wie ihm leichte Röte ins Gesicht schoss, als Twikanrozex und er gemächlich an der völlig begeisterten Familie vorbei ihres Weges zogen. Brianns Reaktion war nicht die Antwort auf die Bemerkung des Kindes, sondern vielmehr die Reaktion darauf, dass Twikanrozex, der das Kind hatte rufen hören, um eine Klärung des Begriffes bat. Nachdem ein leicht nervöser Briann seine formulierten Erläuterungen, so diplomatisch wie es ihm nur möglich war, beendet hatte, machte der Thranx eine beruhigende Geste.
    »Es gibt keinen Grund, verlegen zu sein, mein Freund! Eure einheimischen Arthropoden sindja nicht meine Vorfahren. Tatsächlich finde ich die Idee sogar nett.« Er drehte den Kopf, um direkt über seine Schulter noch einen Blick auf die Familie zu werfen, und vollführte mit beiden Echthänden Gebärden. »Es dürfte sich gewiss als nützlich erweisen, dass eure Larven keine Angst vor meiner Spezies haben. Vielleicht sollte die Kirche eine allgemeine Verteilung solch pädagogischen Spielzeugs, von dem das Kleine sprach, überdenken.«
    »Oh, aber dabei ist noch einiges andere in Betracht zu ziehen!«, bemühte sich Briann zu erläutern. »Obwohl ich selbst nie ein solches Bio-System mein Eigen genannt habe, weiß ich doch, dass die findigen kleinen Arthropoden in diesem Spiel die Neigung hatten, aus ihrer kontrollierten Umgebung auszubrechen, und zwar zur Verärgerung jedes im Haus wohnenden Erwachsenen. Deswegen ist

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