Das Dorn-Projekt: Der frühe Homanx-Zyklus, Bd. 3
Endstück eines solchen Siphons ein Stück weit in die Kehle hineinschob, konnte der Insektoid dann ausreichend Unterdruck in der Speiseröhre erzeugen, um die Flüssigkeit aus ihrem Behältnis zu saugen. Im Gegensatz dazu erlaubte die Beweglichkeit menschlichen Muskelgewebes jemandem wie Briann, einen luftdichten Verschluss um den Rand eines offenen Behältnisses zu bilden und Flüssigkeit anzusaugen und aufzunehmen. Es hatte Vorteile, wenn man über eine verformbare Epidermis verfügte.
Natürlich - so jedenfalls kam es Twikanrozex vor - wurden solche Talente mehr als ausgeglichen durch die natürlichen ästhetischen Nachteile, von denen alle Menschen betroffen waren. Ein Thranx hätte nie sein blankes, blau-grün glänzendes Exoskelett gegen all die Flüssigkeiten aufsaugenden Möglichkeiten im ganzen Arm der Galaxie eingetauscht. Twikanrozex schob sich die Trinktülle seines Siphonkelches zwischen die geöffneten Mandibeln und schwelgte in dem süßlichen Geschmack und dem wunderbaren Gefühl, als diese exotische terrestrische Erfrischung herrlich glibberig seine Kehle hinunterrann.
»Ah, hier sind Sie!«
Briann auf seiner Sitzgelegenheit sah auf und entdeckte zwei Männer, die sich ihm und seinem Kollegen näherten. Beide waren in fortgeschrittenem Alter, einer sogar ziemlich alt. Ihre Augen verrieten Anspannung und die Aufruhr von Gefühlen, aber keine Böswilligkeit. Ihr Äußeres machte einen gepflegten Eindruck. Ausgesprochen gepflegt, bedachte man die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit hier.
»Dürfen wir Ihnen Gesellschaft leisten?«, fragte der jüngere der beiden höflich. »Wir haben nach Ihnen gesucht, seit wir zufällig auf Ihren Messestand gestoßen sind.«
»Wir schlendern gerne ein wenig herum.« Briann stellte sein Getränk beiseite. »Sie verstehen: Leute treffen, die Ausstellungen besuchen und neue Erfahrungen machen.«
»Nun, Sie beide sind in jedem Fall eine neue Erfahrung für uns. Wir haben über Sie gelesen und Puzzlesteinchen um Puzzlesteinchen über Ihre Gemeinschaft im 3-D herausgefunden. Ich bin Father Joseph.« Er deutete auf den distinguierten weißhaarigen älteren Herrn, der sich auf dem Sitz neben ihm niedergelassen hatte. »Das ist Father Jenakis. Ich bin Zwölfter Baptist und er orthodoxer Episkopale.«
Briann erklärte seinem aufmerksamen Gefährten: »Traditionelle menschliche Kirchen.«
Twikanrozex hieß mit einer Gebärde die beiden Geistlichen willkommen. »Ich freue mich, zwei Theologenkollegen kennen zu lernen.«
Joseph griff zaghaft nach der dargebotenen Chitinhand. Father Jenakis machte keine Anstalten, seinem Begleiter bei dieser Geste nachzueifern - er wahrte respektvolle Distanz, was gut zu seinem nachdenklichen Schweigen passte.
»Wir hatten nicht erwartet, dass Sie unsere Sprache so fließend beherrschen.«
Twikanrozex ließ seine Antennen vorwärts wippen und behielt eine Echthand an seiner Trinkröhre. »Ich bin bewandert in verschiedenen Sprachen, einschließlich einer, die nur auf Gesten beruht. Wenn man Kenntnisse vermitteln möchte, kann man nicht vom Publikum erwarten, dass es die Sprache derer beherrscht, die Kenntnisse vermitteln möchten.«
Briann lächelte freundlich. »Dabei hat Twikanrozex nicht einmal eine Zunge. Die Thranx modulieren Laute tief in ihrem Rachen mittels eines Mechanismus, der Menschen zum Ersticken bringen würde. Aber es ist ebenso bemerkenswert wie vorteilhaft für uns, dass das, was sie so an Lauten ausstoßen können, unseren Lauten sehr ähnlich klingt. Ich bin Pater Briann, und das ist Pater Twikanrozex.«
Father Jenakis ließ ein kurzes Schnaufen hören. Seinjüngerer Kollege zuckte ganz leicht zusammen, ehe er die Unterhaltung wieder aufnahm. »Wie Sie vielleicht wissen, hat eine ganze Zahl von etablierten terrestrischen Religionsgemeinschaften Unannehmlichkeiten wegen Ihrer Vereinigten Kirche.«
»Es ist auch Ihre Kirche!«, bemerkte Twikanrozex, und es gelang ihm, den ernsten Father Joseph mit diesen wenigen Worten völlig aus dem Konzept zu bringen.
»Nein, meine ist es nicht, fürchte ich. Einige meiner Kollegen und ich sind beunruhigt. Zuerst hatte ja niemand Ihren Bemühungen viel Aufmerksamkeit geschenkt.«
»Niemand hat uns überhaupt Aufmerksamkeit geschenkt«, korrigierte Briann ihn, immer noch lächelnd.
Joseph lächelte anstandshalber zurück. »Aber nun scheint Ihre Botschaft, so sonderbar und unkonventionell sie ist, doch einen wie auch immer gearteten Effekt zu zeitigen. Insbesondere gelingt es
Weitere Kostenlose Bücher