Das Dorn-Projekt: Der frühe Homanx-Zyklus, Bd. 3
Ihnen, Eindruck auf die jungen Leute zu machen, die prozentual einen hohen Anteil an der gebildeten Oberschicht ausmachen. Das ist nicht nur beunruhigend, das ist noch nie da gewesen.«
»Ja, das wissen wir.« Briann lehnte sich in seinem Sitz zurück. Um sie herum stieg der Lärm, den die vielen Besucher machten, nur um immer wieder abzunehmen: Lachen, freudiges und aufgeregtes Gekreische und überraschtes Aufschreien. »Normalerweise ist es genau andersherum; der Prozentsatz der weniger Gebildeten lässt sich am ehesten etwas einreden.«
»Nämlich gefährlichen Unsinn!«, schnaufte der ältere der beiden Geistlichen und ließ sich damit herab, endlich auch etwas zu sagen.
»Aber kein Stück!« Briann hatte das alles schon tausend Mal gehört, allerdings nicht von offiziellen Vertretern einer der terrestrischen Kirchen. »Wir missionieren nicht. Wir versuchen niemanden zu bekehren. Wir breiten unser Credo vor aller Augen aus, sodass es von jedermann genau studiert werden kann, der interessiert ist. Wir bedrängen niemanden und treiben nichts voran. Wir leben in einer freien Gesellschaft, in einer Zeit frei zugänglicher Kommunikationsmittel und galaxisweiter Kolonisierung. Jeder hat die Freiheit, der Gemeinschaft beizutreten, deren Mitglied er zu sein wünscht, unter der Bedingung, dass die Grundsätze der betreffenden Gemeinschaft die Rechte anderer auf keinen Fall beschneiden.« Er breitete die Arme aus. »Wir verlangen von niemandem, der sich der VK anschließt, seine religiösen Überzeugungen und Bindungen aufzugeben, sofern diese Person solche besitzt, oder seine Kirche nicht mehr zu besuchen, sofern derjenige wünscht, dies zu tun.«
»Wie also können wir gefährlich sein?«, schloss Twikanrozex anstelle seines Freundes.
»Ihre Doktrin klingt verführerisch!«, grollte der ältere Mann. »Schlimmer als das: Sie mokiert sich über alle anderen Religionen. Ihre Kirche verehrt nichts anderes als die Belanglosigkeit!«
Twikanrozex warb gestenreich um Verständnis. »Wir verehren nicht die Belanglosigkeit, wir erkennen sie lediglich. Wir sind belanglos. Wir alle. Ich, mein Kollege Briann, Sie, jeder hier um uns herum, jeder auf diesem Planeten! Unsere Anwesenheit rechtfertigt nichts und kündet nur von der zufälligen Entwicklung einiger außergewöhnlich aktiver Aminosäuren. Das Ergebnis ist bewundernswert, sogar lobenswert. Aber nichts davon ist von Belang für die Entwicklung des Universums. Eine der Kernaussagen der Vereinigten Kirche ist, dass jedes empfindungsfähige Wesen in der Lage sein sollte, seinen Platz innerhalb dieser Ordnung der Dinge zu erkennen.«
»Und welcher Platz wäre das?« Father Joseph ignorierte den missbilligenden Blick seines älteren Kollegen.
»Der ein bisschen auf der linken Seite, glauben wir.« Brianns Lächeln wurde breiter. »Es tut mir Leid, wenn Ihnen das zu belanglos klingt. Verstehen Sie bitte: Wir haben ein Glaubenssystem, das sich ganz und gar auf der Einsicht unserer persönlichen und kollektiven Bedeutungslosigkeit gründet. Sind wir erst einmal jeder für sich zu dieser Einsicht gelangt, können wir in aller Ruhe reifen. Ich bin völlig zufrieden damit, wer ich bin und wo mein Platz in diesem Universum ist. Ebenso ist Twikanrozex zufrieden mit dem seinen.«
»Was ist mit der ewigen Verdammnis und der Erlösung?« Father Jenakis’ wilder Blick zeugte davon, dass er den Paladinen der VK diese Frage gerne entgegengeschrien hätte, aber in Anbetracht der vielen anderen, die in ihrer Nähe saßen, hielt er sich zurück.
»Fragen, die wir nicht zu beantworten wissen«, erwiderte Briann. »Wenn es die Verdammnis und die Erlösung geben sollte, können wir nichts dafür oder dagegen tun. Wenn es sie aber nicht gibt, nun, dann verschwenden wir schrecklich viel Lebenszeit, die man anderweitig nutzen könnte, damit, sich über diese Themen den Kopf zu zerbrechen.« Er hielt dem Blick des älteren Geistlichen unerschrocken stand. »Es gibt schon genug andere, die genau das tun, und wir haben kein Verlangen danach, in deren Revier einzudringen.«
Jetzt wirkte Joseph ganz so, als wolle er sich entschuldigen. »Bestimmt ist es Ihnen nicht entgangen, dass öffentlich darüber diskutiert wird, Ihren Aktivitäten Grenzen zu setzen.«
»Auch innerhalb meines Volkes gibt es diese Tendenzen«, fühlte sich Twikanrozex genötigt zu erklären.
Briann zuckte die Achseln. »Wir vergeuden keine Zeit damit, uns darüber Sorgen zu machen. Das ist ein Thema für die Rechtsexegeten.
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