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Das Echo aller Furcht

Das Echo aller Furcht

Titel: Das Echo aller Furcht Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Clancy
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außer Ihnen kennt die wahre Identität des Mannes?«
    »Der DO, Stationschef Tokio, und der Agentenführer.« Harry Wren, der Direktor Operationen, war zwar kein Protegé Cabots, aber von ihm ins Haus geholt worden. Wren befand sich im Augenblick in Europa. Vor einem Jahr hatte Jack noch gedacht, dieser Mann sei eine Fehlbesetzung, aber inzwischen leistete Wren gute Arbeit und hatte sich einen erstklassigen Stellvertreter ausgewählt, besser gesagt ein Paar: Ed und Mary Pat Foley, die berühmten Agenten. Wäre es nach Ryan gegangen, hätte er einen der beiden zum DO ernannt – aber wen, hatte er nie entscheiden können. In dem besten Gespann, das die CIA je eingesetzt hatte, war Ed das Organisationstalent, und Mary Pat die Draufgängerin. Eine leitende Position für Mary Pat wäre in der Welt der Nachrichtendienste einmalig und im Kongreß wohl ein paar Stimmen wert gewesen. Sie erwartete nun ihr drittes Kind, dachte aber nicht daran, aus diesem Grund kürzer zu treten. Die CIA verfügte über eine eigene Kindertagesstätte, versehen mit elektronischen Schlössern und schwerbewaffnetem Sicherheitspersonal und ausgestattet mit den besten Spielzeugen und -geräten, die Jack je gesehen hatte.
    »Klingt gut, Jack. Ich bedaure jetzt, dem Präsidenten das Fax so überhastet geschickt zu haben. Hätte abwarten sollen.«
    »Macht nichts, Sir. Die Informationen waren gründlich gereinigt.«
    »Lassen Sie mich wissen, wie Trent zur Geldfrage steht.«
    »Wird gemacht, Sir.« Jack ging zurück in sein Büro. Das krieg’ ich immer besser hin, sagte sich der DDCI. Cabot ließ sich leicht manipulieren.
     
    Ghosn nahm sich Zeit zum Nachdenken. Dies war nicht der Moment für Aufregung oder voreiliges Handeln. Er setzte sich in eine Ecke seiner Werkstatt, starrte stundenlang die blanke Kugel auf dem Lehmfußboden an und rauchte eine Zigarette nach der anderen. Die Frage nach der Radioaktivität ließ ihm keine Ruhe, aber für solche Sorgen war es sowieso zu spät. Wenn die Kugel harte Gammastrahlung abgab, war er praktisch schon ein toter Mann. Nun mußte er nachdenken und abwägen. Das Stillsitzen kostete ihn gewaltige Anstrengung.
    Zum ersten Mal in seinem Leben schämte er sich wegen seiner unvollständigen Ausbildung. In Maschinenbau und Elektrotechnik war er fit, aber ein Buch über Nuklearphysik hatte er sich nie vorgenommen, weil er bezweifelte, mit dem Stoff später etwas anfangen zu können. So kam es, daß er seine Kenntnisse auf anderen Gebieten erweitert und vertieft hatte. Vor allem interessierte er sich für mechanische und elektronische Zündsysteme, elektronische Gegenmaßnahmen, physikalische Eigenschaften von Sprengstoffen und für die Leistungsfähigkeit von Sprengstoff-Spürgeräten. Auf dem letztgenannten Gebiet war er ein richtiger Experte, der sich alle verfügbare Literatur über solche Einrichtungen auf Flughäfen und an anderen interessanten Orten beschaffte.
    Punkt eins, sagte sich Ghosn und steckte die vierundfünfzigste Zigarette des Tages an, ich muß mir jedes greifbare Buch über spaltbare Stoffe und ihre physikalischen und chemischen Eigenschaften besorgen. Auch Literatur über Bombentechnologie, Kernwaffenphysik, Strahlungssignaturen ... die Israelis müssen schon seit 1973 wissen, daß ihnen eine Bombe fehlt! dachte er verblüfft. Warum haben sie sie dann nicht... Natürlich, die Golanhöhen bestehen aus Basalt, und der hat eine relativ hohe Hintergrundstrahlung, in der die Emissionen der tief im Boden steckenden Bombe untergingen.
    Mir droht keine Gefahr! erkannte Ghosn.
    Wäre die Bombe so »heiß«, würde man sie besser abgeschirmt haben. Allah sei gepriesen!
    Konnte er...? Das war die Frage.
    Warum nicht?
    »Warum eigentlich nicht?« sagte Ghosn laut. »Klar, warum nicht? Ich habe alle notwendigen Teile, wenn auch beschädigt, aber immerhin...«
    Ghosn trat seine Zigarette neben den vielen anderen Kippen auf dem Boden aus, erhob sich und bekam einen Hustenanfall. Er wußte, daß das Rauchen weit gefährlicher als die Bombe da war, ihn umbrachte, aber es regte den Verstand an.
    Der Ingenieur hob die Kugel auf. Was fing er nun damit an? Für den Augenblick versteckte er sie in der Ecke unter einem Werkzeugkasten. Dann ging er hinaus zu seinem Geländewagen. Die Fahrt zum Hauptquartier dauerte fünfzehn Minuten.
    »Ich muß den Kommandanten sprechen«, sagte Ghosn zum Chef der Wache.
    »Der hat sich gerade schlafen gelegt«, erwiderte der Mann. Die ganze Wache schirmte den kranken

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