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Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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nicht in Salven, sondern als abgehacktes Popcorngeknatter. Die Luft roch nach Schwarzpulverrauch, und dann und wann kam irgendetwas pfeifend durch die Bäume gesaust und wütete zerstörerisch im Geäst. Kettenschuss? Kanonenkugeln?
    Eine Kanonenkugel war vorhin auf das Flussufer gedonnert, hatte sich mit einer kleinen Explosion eingegraben und den Kampf kurzfristig unterbrochen. Einer von Buccleighs Freunden hatte einen Schrei ausgestoßen und war planschend auf den Schutz der Bäume zugerannt, doch der andere war geblieben und hatte weiter boxend mit ihm gerungen, bis es ihm und Buccleigh schließlich gelungen war, Roger den Kopf unter Wasser zu drücken und ihn zu überwältigen. Seine Schleimhäute brannten immer noch vom Flusswasser.
    Jetzt hatte er es geschafft, sich auf die Knie aufzurichten, gekrümmt wie ein Mehlwurm, doch er wagte es nicht, den Kopf über den Baumstamm zu heben, weil er Angst hatte, er könnte ihm abgeschossen werden. Heftige Wut durchströmte seine Adern, so dass er eigentlich keine Angst hatte, nicht einmal, als er begriff, dass um ihn herum die Schlacht tobte. Doch ganz hatte er den Verstand nicht verloren.
    Er rieb fest mit dem Gesicht über die krümelige Rinde des Baumstammes, um sich von dem Leinenstreifen zu befreien, der um seinen Kopf gebunden war. Es funktionierte; er blieb an einem Aststumpf hängen, riss den Kopf hoch und zog sich so die Halsbinde über das Kinn. Vor Anstrengung grunzend, schob er das zusammengeballte Tuch ein Stückchen vor, hakte es am selben Ast fest und bog den Kopf zurück, so dass er das nasse Tuch aus seinem Hals zog wie ein umgekehrter Schlangenschlucker.
    Er musste automatisch würgen und spürte, wie ihm die Galle im Hals aufstieg. Begierig nach Sauerstoff, schnappte er nach Luft, und sein Magen beruhigte sich ein wenig.
    Na schön, er konnte atmen, und was jetzt? Es wurde nach wie vor geschossen, und zu seiner Linken konnte er es krachen hören, als mehrere Männer durch das Gebüsch pflügten, ohne sich an irgendwelchen Hindernissen zu stören.
    Rennende Füße kamen auf ihn zu; er duckte sich gerade noch rechtzeitig in den Schutz des Baumstammes, um nicht platt gewalzt zu werden, als ein Körper darüber hinweg katapultiert wurde. Sein neuer Begleiter rappelte sich auf Hände und Knie hoch und presste sich fest gegen den Baumstamm. Erst dann bemerkte er Rogers Anwesenheit.
    »Ihr!« Es war der Schwarzbart aus Husbands Lager. Er starrte Roger an, und das Blut stieg ihm langsam ins Gesicht. Er konnte den Mann riechen, ein scharfer, durchdringender Gestank nach Angst und Wut. Wahrscheinlich roch er ganz genauso, oder er hätte so gerochen, wenn er nicht baden gegangen wäre.

    Schwarzbart packte ihn vorn am Hemd und riss ihn dicht an sich heran.
    »Das ist Eure Schuld! Mistkerl!«
    Da er immer noch an Händen und Füßen gefesselt war, war es ihm unmöglich, sich zu wehren, doch er fuhr zurück und versuchte, sich zu befreien.
    »Loslassen, Schwachkopf!«
    Erst jetzt begriff der Mann, dass er gefesselt war, und erstaunt ließ er ihn los. Roger verlor das Gleichgewicht und fiel zur Seite, wobei er sich an der rauen Rinde des Baumstamms schmerzhaft das Gesicht aufschürfte. Schwarzbart riss verwundert die Augen auf, dann verengte er sie schadenfroh.
    »Lieber Himmel, Ihr seid ja gefangen! Wenn das kein Glück ist? Wer hat Euch denn erwischt, Schwachkopf?«
    »Er gehört mir.« Eine leise Stimme in seinem Rücken verkündete die Rückkehr William Buccleigh MacKenzies. »Wie meinst du das, es ist seine Schuld? Was denn?«
    »Das hier!« Schwarzbart wies mit einer ausladenden Geste seines Arms auf das Feld ringsum und die abklingende Schlacht. Die Geschütze waren verstummt, und es waren nur noch verstreute Gewehrschüsse in der Ferne zu hören.
    »Dieser verdammte Schönredner ist heute Morgen ins Lager gekommen, hat nach Hermon Husband gefragt und ihn zu einer Unterredung unter vier Augen mitgenommen. Ich weiß nicht, was in Dreiteufelsnamen er gesagt hat, aber als er fertig war, ist Husband herausgekommen, geradewegs zu seinem Pferd gegangen, hat uns allen gesagt, wir sollten heim gehen, und ist davongeritten!«
    Schwarzbart funkelte Roger an, holte mit der Hand aus und schlug ihm fest ins Gesicht. »Was hast du zu ihm gesagt, Hundsfott?«
    Ohne eine Antwort abzuwarten, wandte er sich wieder an Buccleigh, der seinen Blick zwischen seinem Gefangenen und seinem Besucher hin und her wandern ließ, während ihm ein Ausdruck höchsten Interesses die blasse

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