Das Flammende Kreuz
Stirn zerfurchte.
»Wenn Hermon bei uns geblieben wäre, hätten wir es vielleicht geschafft«, kochte Schwarzbart. »Doch dass er einfach so davonspaziert ist, hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen - keiner wusste mehr, was er eigentlich tun sollte, und schon kommt Tryon und fordert uns auf, uns zu ergeben -, und natürlich wollten wir das nicht, aber wir waren auch nicht gerade das, was man kampfbereit nennt...« Nach diesen Worten verstummte er, denn er fing Rogers Blick auf und wurde unangenehm daran erinnert, dass dieser ihn panisch auf der Flucht gesehen hatte.
Jenseits des Baumstammes war alles still; das Schießen hatte ganz aufgehört. Roger dämmerte, dass die Schlacht nicht nur vorbei, sondern auch hoffnungslos verloren war. Was wiederum bedeutete, dass die Miliz in Kürze hier ausschwärmen würde. Seine Augen tränten noch von der Ohrfeige, doch
er kniff sie zusammen, um wieder klar sehen zu können, und funkelte Schwarzbart an.
»Ich habe Husband dasselbe gesagt wie Euch«, sagte er mit aller Autorität, die er aufbringen konnte, während er verschnürt wie eine Weihnachtsgans auf dem Boden lag. »Der Gouverneur meint es ernst. Er hat vor, diese Rebellion zu beenden, und wie es aussieht, hat er das auch getan. Wenn Euch Eure Haut lieb ist - und davon gehe ich aus -«
Mit einem unartikulierten Wutgrollen packte Schwarzbart Roger an den Schultern und versuchte, seinen Kopf gegen den Baumstamm zu rammen.
Roger wand sich wie ein Aal. Er warf sich zurück und befreite sich aus dem Griff des Mannes, dann stürzte er nach vorn und rammte Schwarzbart die Stirn vor die Nase. Er hörte ein zufriedenstellendes Knirschen von Knochen und Knorpel; Blut schoss ihm heiß und nass ins Gesicht, und er ließ sich keuchend auf einen Ellbogen zurücksinken.
Es war das erste Mal, dass er jemandem eine solche Kopfnuss verpasste, doch es schien wie selbstverständlich zu funktionieren. Der Ruck hatte ihn am Handgelenk geschmerzt, doch das kümmerte ihn nicht mehr. Er wünschte sich nur noch, dass Buccleigh ihm nahe genug kam, um sich auch eine einzufangen.
Buccleigh betrachtete ihn mit einer Mischung aus Belustigung und argwöhnischem Respekt.
»Oh, ein Mann mit vielen Talenten, aye? Verräter, Frauenräuber und Faustkämpfer, alles in einem, was?«
Schwarzbart übergab sich und verschluckte sich an dem Blut aus seiner zerschmetterten Nase, doch Roger beachtete ihn nicht. Jetzt, da er wieder klar sehen konnte, hielt er den Blick unverwandt auf Buccleigh gerichtet. Er wusste, welcher der beiden Männer die größere Bedrohung darstellte.
»Ein Mann, der sich seiner Frau sicher ist, braucht sich keine Sorgen zu machen, dass jemand anders sie rauben könnte«, sagte er, und nur ein Hauch von Wachsamkeit hielt seine Wut im Zaum. »Ich bin mir meiner Frau sicher, und die Eure brauche ich nicht, amadain. «
Buccleigh war sonnengebräunt, und sein Gesicht war von der Schlacht gerötet, doch bei diesen Worten schlich sich eine noch tiefere Röte über seine Züge. Dennoch behielt er die Fassung und lächelte schwach.
»Ihr seid verheiratet? Dann muss Eure Frau ja ziemlich hässlich sein, dass Ihr der meinen hinterherschnüffelt. Oder hat sie Euch nur aus dem Bett geworfen, weil Ihr’s ihr nicht ordentlich besorgen konntet?«
Das Scheuern des Seils an seinen Handgelenken erinnerte Roger daran, dass er sich in der falschen Position befand, um eine große Klappe zu riskieren. Mühsam verkniff er sich die Retourkutsche, die ihm auf der Zunge lag, und schluckte sie herunter. Sie hinterließ einen üblen Geschmack.
»Falls Ihr Eure Frau nicht zur Witwe machen wollt, sollten wir wohl besser
gehen, oder?«, sagte er. Er wies mit dem Kopf über den Baumstamm hinweg, wo nach kurzer Stille jetzt der Klang entfernter Stimmen folgte.
»Die Schlacht ist vorbei, Eure Sache ist verloren. Ich weiß nicht, ob sie vorhaben, Gefangene zu machen -«
»Sie haben schon einige.« Buccleigh sah ihn stirnrunzelnd an, und es war deutlich, dass er sich nicht entscheiden konnte. Es gab nicht übermäßig viele Möglichkeiten, dachte Roger; Buccleigh konnte ihn nur laufen lassen, ihn gefesselt liegen lassen oder ihn umbringen. Gegen die beiden ersten Möglichkeiten hatte er nichts einzuwenden. Was die dritte anging - wenn Buccleigh vorhatte, ihn umzubringen, wäre er doch bestimmt längst tot gewesen.
»Geht lieber, solange Ihr noch könnt«, meinte Roger. »Eure Frau wird sich Sorgen machen.«
Es war ein Fehler, Morag erneut zu
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