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Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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war trocken, sein Mund fühlte sich an, als hätte man ihn vollgestopft mit... er war tatsächlich mit etwas vollgestopft; er musste würgen, als seine Zunge eine unbewusste Schluckbewegung versuchte.
    »Gouverneur.« Jemand sagte das Wort mehrfach direkt über ihm, und er blickte auf. Er heftete seinen verschwommenen Blick auf ein Gesicht. Hager, dunkel, entschlossen.
    »Seid Ihr sicher?«, sagte das Gesicht, und er fragte sich dumpf, sicher in Bezug auf was? Er war sich nur einer Sache sicher, und zwar, dass es ihm lausig ging.
    »Ja, Sir«, sagte eine andere Stimme, und er sah, wie ein anderes Gesicht neben dem ersten in sein Blickfeld schwamm. Dieses hier kam ihm bekannt vor; es war von einem dichten, schwarzen Bart umrahmt. »Ich habe ihn in Hermon Husbands Lager mit Husband palavern sehen. Fragt die Gefangenen, Sir - sie werden es Euch bestätigen.«
    Der erste Kopf nickte. Er wandte sich zur Seite und blickte auf, um jemanden anzusprechen, der größer war als er. Rogers Blick driftete suchend höher, und er fuhr mit einem unterdrückten Ausruf hoch, als er die grünen Augen teilnahmslos auf sich hinabblicken sah.
    »Er ist James MacQuiston«, sagte der Grünäugige und nickte zur Bestätigung. »Aus Hudgin’s Ferry.«
    »Habt Ihr ihn in der Schlacht gesehen?« Jetzt konnte er den Mann ganz
scharf sehen, ein soldatisch aussehender Kerl Ende dreißig, der eine Uniform trug. Und er begriff noch etwas - James MacQuiston. Er hatte schon von MacQuiston gehört... was...?
    »Er hat einen Mann aus meiner Kompanie getötet«, sagte Grünauge, und seine Stimme war heiser vor Wut. »Hat ihn kaltblütig erschossen, als er verwundet am Boden lag.«
    Der Gouverneur - das musste er sein, Gouverneur... Tryon! Das war der Name! Der Gouverneur nickte, und ein Stirnrunzeln hatte sich tief in sein Gesicht gegraben.
    »Also nehmt ihn auch«, sagte er und wandte sich ab. »Drei sind fürs Erste genug.«
    Hände packten Roger, zerrten ihn hoch und stützten ihn einen Moment, dann rissen sie ihn mit sich, so dass er das Gleichgewicht verlor, stolperte und sich dann halb gehend weiterbewegte, während zwei Uniformierte sein Gewicht stützten. Er wehrte sich, denn er wollte sich umdrehen und Grünauge finden - verdammt, wie hieß der Kerl? -, doch sie rissen ihn herum und zwangen ihn, auf eine kleine Anhöhe zuzustolpern, auf deren Scheitel eine riesige Silbereiche stand.
    Die Anhöhe war von einem Menschenmeer umringt, doch die Leute traten zurück und machten Platz für Roger und seine Begleiter. Die Unruhe war zurückgekehrt, ein Gefühl, als krabbelten Ameisen unter der Oberfläche seines Gehirns entlang.
    MacQuiston, dachte er, und plötzlich stand der Name deutlich vor seinem inneren Auge. James MacQuiston. MacQuiston war einer der weniger bedeutenden Anführer der Regulatoren, ein Unruhestifter aus Hudgin’s Ferry, dessen flammende Drohungen und Anschuldigungen in der Gazette abgedruckt worden waren; Roger hatte sie gelesen.
    Warum zum Teufel hatte Grünauge - Buccleigh! Er hieß Buccleigh. Seine Erleichterung, sich an den Namen erinnern zu können, wich abruptem Erschrecken, als er begriff, dass Buccleigh ihnen gesagt hatte, er sei MacQuiston. Warum...
    Ihm blieb nicht einmal mehr die Zeit, die Frage zu Ende zu denken, da sich jetzt die letzten Reihen vor ihm teilten und er die Pferde unter dem Baum sah - und die Schlingen, die von seinen Ästen über ihren Sätteln baumelten.
     
    Sie hielten die drei Pferde an den Köpfen fest, während man die drei Männer darauf setzte. Blätter streiften seine Wangen, Zweige verfingen sich in seinem Haar, und er duckte sich und wandte instinktiv den Kopf zur Seite, um zu verhindern, dass ihm die Augen ausgestochen wurden.
    Ein Stückchen weiter sah er auf der Lichtung die Gestalt einer Frau, die halb von der Menge verdeckt wurde; unscheinbar, jedoch mit dem unverwechselbar runden Körper eines Kindes auf dem Arm, eine kleine, braune
Madonna. Dieser Anblick ließ ihn auffahren; ein Stoß fuhr ihm durch Brust und Bauch, und die Erinnerung an Brianna mit Jemmy auf dem Arm durchraste seinen Kopf.
    Er warf sich mit aufgebäumtem Rücken zur Seite, spürte, wie er rutschte, und hatte keine Hände, um sich abzufangen. Andere Hände fingen ihn auf, schoben ihn zurück, eine schlug ihn mit aller Kraft ins Gesicht. Er schüttelte mit tränenden Augen den Kopf, und sah verschwommen, wie die braunhaarige Madonna jemandem ihr Bündel in die Hand drückte, ihre Röcke raffte und losrannte, als sei

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