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Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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Schachtelhalmpflanzen an den Wurzeln. Sie zerfielen in seinen Händen, und er warf die Bruchstücke achtlos hinter sich. Der Atem schluchzte in seiner Brust, als er japsend weitergrub.
    Die Luft ringsum war heiß und versengte ihm die Lungen. Er stopfte die Ledertasche in das feuchte Loch, das er gegraben hatte und zog mit weit ausgestreckten Armen den Schmutz zu sich hin, der ihm beim Schaufeln angenehm die Haut kühlte.
    Er hielt keuchend inne. Eigentlich hätte er schwitzen sollen, doch der Schweiß trocknete schon, bevor er die Oberfläche seiner Haut erreichte. Das Feuer war nah. Steine, er brauchte Steine, um die Stelle zu markieren - sie würden nicht verbrennen. Er planschte in den Bach zurück, fasste unter die Oberfläche, o Gott, es war kalt, es war nass, Gott sei Dank, packte einen dicken Stein, voll glitschig-grünem Schleim, und warf ihn ans Ufer. Noch
einen, eine Hand voll kleinerer Steine, die er aus lauter Verzweiflung nahm, noch einen großen, einen flachen, noch einen - genug, es musste genug sein, das Feuer war im Anmarsch.
    Er stapelte seine Steine hastig zu einer Markierung auf, befahl seine Seele der Gnade Gottes an, stürzte sich wieder in den Fluss und floh. Er stolperte und rang nach Luft, unter seinen Füßen rollten die Steine beiseite, er floh, so lange ihn seine zitternden Beine trugen, bis ihn der Rauch an der Kehle packte, ihm Kopf, Nase und Brust füllte, und ihm den Atem nahm, die breite Narbe eine Würgehand, die Luft und Leben aus ihm herauspresste und nichts als Schwärze hinter seinen Augen hinterließ, beleuchtet von der flackernden Röte des Feuers.
     
    Er kämpfte. Kämpfte mit der Henkersschlinge, kämpfte mit den Fesseln an seinen Handgelenken, kämpfte vor allem mit der schwarzen Leere, die ihm die Brust eindrückte und die Kehle versiegelte, kämpfte um einen letzten, kostbaren Atemzug. Er bäumte sich auf, wehrte sich mit der letzten Unze seiner Kraft, und dann rollte er über den Boden, und seine Arme waren frei.
    Seine um sich schlagende Hand traf auf etwas Weiches, das überrascht aufjaulte.
    Dann waren Hände auf seinen Schultern, seinen Beinen, und er saß aufrecht, sah verschwommen, und seine Brust hob sich mit aller Macht, um zu atmen. Ein fester Schlag traf ihn mitten auf den Rücken. Er würgte, hustete, schluckte genug Luft, um tief in seinem verkohlten Inneren zu husten, und eine große Masse schwarzen Schleims rollte aus seiner Brust hoch, warm und schleimig wie eine faulige Auster auf seiner Zunge.
    Er spuckte unter heftigem Würgen aus, denn der Schleim brannte sich seinen Weg durch den engen Kanal seiner Kehle. Dann spuckte er erneut aus, schluckte, und setzte sich keuchend auf.
    Er hatte für nichts anderes Augen und Ohren als für das Wunder der Atemluft. Ringsum erklangen Stimmen, und er sah vage Gesichter in der Dunkelheit; alles roch verbrannt. Doch das Einzige, was zählte, war der Sauerstoff, der seine Brust durchflutete und seine verschrumpelten Zellen aufquellen ließ wie in Wasser getränkte Rosinen.
    Wasser berührte seinen Mund, und er blickte auf und bemühte sich mit blinzelnden, tränenden Augen, etwas zu sehen. Seine Augäpfel fühlten sich versengt an; Licht und Schatten verschwammen, und er kniff die Augen fest zu, die warmen Tränen Balsam auf seinen wunden Augen, bevor sie ihm kühlend über die Wangen liefen. Jemand hielt ihm einen Becher an die Lippen; eine Frau mit rußgeschwärztem Gesicht. Nein, kein Ruß. Er kniff die Augen zu, blinzelte, kniff sie zu. Ihre Haut war schwarz. Sklavin?
    Obwohl es ihm widerstrebte, selbst für die Wohltat der Kühle in seiner gequälten Kehle das Atmen zu unterbrechen, trank er einen winzigen Schluck Wasser. Doch es tat gut - sehr gut. Seine Hände hoben sich und umfassten
den Becher, und er war überrascht. Er hatte mit dem Schmerz gebrochener Finger gerechnet, mit einem Taubheitsgefühl... doch seine Hände waren gesund und brauchbar. Er griff sich automatisch an die Kehle, erwartete Schmerzen und pfeifenden Bernstein - und betastete ungläubig die gesunde Haut. Er atmete ein, und die Luft pfiff durch seine Nase und an der Rückseite seines Halses entlang. Die Welt um ihn schob sich mit einem Ruck wieder zurecht.
    Er saß in einer Art zusammengeschusterter Hütte, in der sich mehrere Menschen befanden. Weitere schauten zur Tür herein. Die meisten von ihnen waren Schwarze, alle trugen Lumpen, und keiner von ihnen machte auch nur ein annähernd freundliches Gesicht.
    Die Frau, die ihm das Wasser

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