Das Flammende Kreuz
Wellensittichen vor sich her, als hätte jemand mit vollen Händen Konfetti über dem Schilfrohr ausgeworfen. Der Rauch kroch ihm in die Brust und griff brennend nach seinen Lungen, so dass es ihm unmöglich war, tief einzuatmen.
»Clarence«, krächzte er, so laut er konnte. Es nützte nichts; er konnte sich im zunehmenden Getöse des Schilfs selbst nicht hören. Auch das Maultier konnte er nicht hören. Das sturköpfige Tier war doch wohl nicht schon verbrannt? Nein, wahrscheinlich hatte es die Lumpen zerrissen, mit denen seine Beine gefesselt waren, und sich im Galopp in Sicherheit gebracht.
Etwas streifte sein Bein, und als er zu Boden blickte, sah er gerade noch den nackten, geschuppten Schwanz eines Opossums, das sich ins Unterholz davonmachte. Auch nicht besser oder schlechter als jede andere Richtung, dachte er, und stürzte dem Tier in die Krappgewächse hinterher.
Neben ihm grunzte etwas; ein kleines Schwein brach aus einem Stechpalmengebüsch hervor und kreuzte nach links seinen Weg. Schwein, Opossum - war eines dieser Tiere für seinen Orientierungssinn bekannt? Er zögerte eine Sekunde, dann folgte er dem Schwein; es war immerhin groß genug, um ihm dabei zu helfen, sich seinen Weg zu bahnen.
Und er schien auf einem Weg zu sein; hier und dort waren zwischen den Grasbüscheln kleine Flecken nackter, zertrampelter Erde zu sehen. Dazwischen blinkten wilde Orchideen auf, leuchtend wie kleine Juwelen, und er bestaunte ihre Zartheit - wie konnte er nur zu einem solchen Zeitpunkt Notiz von solchen Dingen nehmen?
Der Rauch war dichter geworden; er musste anhalten und husten. Dabei beugte er sich weit vor und umklammerte seinen Hals, als könnte er das Gewebe intakt halten, mit den Händen verhindern, dass es riss. Mit tränenden Augen richtete er sich auf und stellte fest, dass der Pfad verschwunden war. Panik durchfuhr ihn, als er ein dahintreibendes Rauchwölkchen sah, das langsam und zaghaft forschend durch das Unterholz schwebte.
Er ballte so fest die Fäuste, dass er spürte, wie ihn seine kurzen Nägel in die Handflächen kniffen, und benutzte den Schmerz als Konzentrationshilfe. Er drehte sich langsam um und schloss die Augen, um konzentriert zu lauschen, drehte das Gesicht nach allen Seiten, um vielleicht einen frischen Luftzug zu erhaschen oder eine Hitzewelle aufzufangen - irgendetwas, das ihm verriet, in welche Richtung er gehen musste, um sich vom Feuer zu entfernen.
Nichts. Oder vielmehr alles. Alles war jetzt voller Rauch, der in dichter
werdenden Wolken flach über den Boden kroch oder schwarz aus dem Dickicht rollte und ihm den Atem raubte. Jetzt konnte er das Feuer hören, ein kicherndes Geräusch, als lachte jemand aus von Narben verstopftem Halse.
Weiden. Sein Verstand klammerte sich an den Gedanken an Weiden; ein Stück weiter konnte er über das wogende Röhricht hinweg schwach eine Anzahl dieser Bäume erkennen. Weiden wachsen am Wasser; dort war der Fluss.
Eine kleine, rotschwarze Schlange glitt ihm über den Fuß, als er das Wasser erreichte, doch er bemerkte es kaum. Er hatte jetzt keine Zeit für andere Ängste als die Angst vor dem Feuer. Er lief spritzend in die Mitte des Flüsschens und sank auf die Knie. Er beugte sich vornüber, um sein Gesicht so dicht wie möglich über das Wasser zu halten.
Hier bewegte sich die Luft, vom Wasser gekühlt, und er sog sie in so tiefen Zügen ein, dass er erneut hustete, wobei sich sein ganzer Körper schmerzhaft schüttelte. Wo entlang, wo entlang? Der Fluss wand sich durch eine riesige, mit Röhricht und Uferdickicht bewachsene Fläche. Wenn er ihm in die eine Richtung folgte, würde er ins Tal gelangen - vielleicht fort vom Feuer oder zumindest auf offenes Terrain, an einen Ort, wo er wieder erkennen konnte, wohin er rannte. Wenn er in die andere Richtung ging, führte ihn das womöglich geradewegs in das Herz des Feuers. Doch über ihm war nichts als wolkige Dunkelheit, und es gab keine Möglichkeit, es herauszufinden.
Er presste die Arme dicht an seinen Körper, um den Husten zu unterdrücken, und spürte die Wölbung seiner Ledertasche. Die Aufzeichnungen. Gottverdammt, die Möglichkeit seines eigenen Todes brachte ihn nicht aus der Fassung, wohl aber der Gedanke an den Verlust dieser Aufzeichnungen, die er im Lauf so vieler mühseliger Tage angefertigt hatte. Er stolperte mit wedelnden Armen ans Ufer. Er grub heftig mit den Händen drauflos, wühlte im weichen Schlamm, riss büschelweise langes, zähes Gras aus und packte
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