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Das Geheimnis des Templers - Collector's Pack

Das Geheimnis des Templers - Collector's Pack

Titel: Das Geheimnis des Templers - Collector's Pack Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Martina André
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wurde ihm die Geschichte zu bunt.
    „Man muss keine Prophetin sein, wenn man das Verhältnis zwischen König Heinrich II. von Jerusalem und seinem Bruder Aimery von Lusignan kennt. Die beiden hassen sich, wahrscheinlich seit Aimery das Licht der Welt erblickt hat. Angesichts seiner Fallsucht ist Heinrich als Herrscher umstritten, und Aimery wird – wenn auch nicht offen – schon als sein möglicher Nachfolger gehandelt. Mich würde es nicht wundern, wenn der kleine Bruder des Königs angesichts dieser Aussichten auf dumme Gedanken käme.“
    „Was in Herrgotts Namen hast du mit dem König von Jerusalem und seinem Bruder zu tun?“ Gero sah sie entgeistert an. „Oder haben die beiden etwa auch schon in deinem Bett gelegen?“
    „Die beiden nicht, aber ihre Lakaien. Und von denen weiß ich, dass der König und sein Bruder ständig irgendwelche Intrigen gegeneinander spinnen. Aimery will als Heerführer von Heinrichs Soldaten unter allen Umständen Jerusalem von den Heiden zurückerobern, um seine Fähigkeiten als zukünftiger Herrscher unter Beweis zu stellen. Dafür benötigt er die Templer. Ohne die Unterstützung des Ordens hat es keinen Sinn, Antarados zu einer Festung auszubauen. Doch das kostet Geld. Ein Teil davon kommt vom Papst, weil er ebenso an der Rückeroberung des Heiligen Landes interessiert ist wie alle anderen hier. Der andere, wesentlich größere Anteil jedoch muss vom König von Jerusalem finanziert werden, weil er der rechtmäßige Anwärter auf die besagten Gebiete ist. Heinrich steckt jedoch in einer Zwickmühle, da er seinem Bruder berechtigterweise nicht über den Weg traut. Aimery benötigt das Vermögen des Königs und seine Soldaten, um die Rückeroberung Jerusalems von Antarados aus anschieben zu können. Sollte es ihm tatsächlich gelingen, die Heiden mit Hilfe der Templer aus dem Heiligen Land zu vertreiben, entsteht ein Machtvakuum, bei dem Heinrich als König den Kürzeren ziehen könnte. Jeder weiß, dass Prinz Aimery sich für den besseren Regenten hält. Wenn der Orden also in einen weiteren Krieg gegen die Mameluken zieht, wird niemand wissen, wie lange er auf die Unterstützung des Königs hoffen kann. Sollte sich bei König Heinrich der Eindruck verstärken, dass sein Bruder einen eventuellen Sieg nutzen würde, um ihn zu entmachten, wird er sofort alle Mittel abziehen. Das hieße, die Templer verfügen zwar über eine strategisch günstig gelegene Insel in unmittelbarer Nähe zum Feindesland, stehen aber für den Fall, dass der König sein Geld zurückzieht, ohne Verbündete und ohne Versorgung da und wären damit leichte Beute für ihre Widersacher.“
    „Meine Güte!“, entfuhr es Gero. Fassungslos sah er sie an. „Du hättest Königin und nicht Hure werden sollen.“
    „Als Königin der Huren würde ich sicher keine schlechte Figur machen“, scherzte sie bitter.
    „Hast du eine Ahnung, in was für eine Gefahr du dich begibst, wenn du öffentlich solche Spekulationen anstellst? Wenn du an den Falschen gerätst, wird man dich als Spionin und Verräterin hinrichten lassen.“
    „Dir kann ich vertrauen“, erklärte sie sanft.
    „Woher weißt du das?“
    „Ich sehe es an deinen Augen.“ Sie lächelte scheu. „Auch wenn sie so eisblau sind wie der Himmel, strahlen sie Wärme, Treue und Güte aus.“
    „Und was soll ich deiner Meinung nach nun tun? Meine Entscheidung, ein Templer zu werden, ist unumstößlich. Ganz gleich, wie viele Schauergeschichten du mir erzählst.“
    „Schade“, sagte sie und seufzte enttäuscht. „Ich dachte, du würdest noch einmal darüber nachdenken. Euer Großmeister ist wie seine Vorgänger ein stolzer Mann. Aber wenn es um das Leben seiner Ritter geht, behandelt er sie wie austauschbare Schachfiguren, und damit benimmt er sich keinen Deut klüger als seine Vorgänger. Wie alle Kirchenmänner ist er verblendet von dem Gedanken, Jerusalem für sich haben zu wollen, ohne zu bedenken, dass es allen gehört. Muslimen, Christen und auch Juden.“
    Gero schüttelte den Kopf. „Und weise bist du noch dazu.“ Beinahe hätte sie ihn überzeugt. Doch selbst wenn sie recht behalten sollte, würde sich an ihrem Verhältnis nichts ändern.
    Warda wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als draußen im Flur eine Tür schlug und die Schreie mehrerer Frauen zu hören waren. Erschrocken sprang sie auf, und Gero, der ihr sofort zur Tür gefolgt war, zog sein längstes Messer und schob sie zur Seite. Entschlossen trat er hinaus und sah, wie sich

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