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Das Gold von Sparta

Das Gold von Sparta

Titel: Das Gold von Sparta Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dieter Buehrig
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quadratischen Grundfläche von etwa dreißig Metern Seitenlänge. Es bestand aus einem dreistöckigen Hauptgebäude, das auf drei Seiten von zylindrischen Türmen, so genannten Rondelles, flankiert wurde, auf deren Zinnen einst Kanonen hinter den Schießscharten gestanden hatten.
    Auf Geheiß von König Franz I. wurde das Chateau d’If in den zwanziger Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts als Festung errichtet, um die Stadt vor Angriffen von See aus zu schützen. Da dies aber nur selten geschah, wurde die Zitadelle schon bald als Gefängnis für die politischen und religiösen Feinde Frankreichs genutzt. In vielerlei Hinsicht dem Zuchthaus Alcatraz vor den Toren San Franciscos ähnlich, verhalfen seine Lage und die gefährlichen, ablandigen Strömungen dem Chateau d’If zu dem Ruf, absolut ausbruchsicher zu sein. Dieser Anspruch wurde jedoch, zumindest auf fiktionaler Ebene, durch Alexandre Dumas’ Roman Der Graf von Monte Christo zunichtegemacht, in dem die Hauptperson Edmond Dantès nach vierzehn Jahren Einkerkerung von der Ile d’If fliehen konnte.
    Laut las Sam aus der Broschüre vor, die sie im Fremdenverkehrsbüro im Vieux Port erhalten hatten: » Schwärzer als das Meer, schwärzer noch als der Himmel ragte dieser steinerne Gigant, dessen vorspringende Klippen einem vorkommen konnten wie Arme, die sich nach ihrer Beute ausstrecken, wie ein Phantom aus dem Meer. So hat Dantès die Festung beschrieben.«
    »Von hier aus sieht es gar nicht so schlimm aus.«
    »Dann stell dir mal vor, du wärst ein Dutzend Jahre im Verlies gefangen.«
    »Das ist natürlich etwas ganz anderes. Was gibt es sonst noch?«
    »Auch im Gefängnis wurde streng auf Klassenunterschiede geachtet. Reiche Häftlinge konnten in den oberen Stockwerken private Zellen mieten, mit Fenstern und offenen Kaminen. Was die Armen betraf, so mussten diese sich mit den Kellerverliesen und den so genannten Oubliettes zufriedengeben – welche …«
    »Das Wort ist eine Ableitung von oublier – was so viel wie vergessen heißt. Im Prinzip waren diese Oubliettes also nichts anderes als Zellen, die durch eine Bodenklappe im darüberliegenden Raum begehbar waren.« Auch Remis Französisch war besser als Sams. »Die Delinquenten wurden durch die Falltüren hinuntergelassen und einfach vergessen – um bei lebendigem Leib zu verfaulen.«
    Das Mobiltelefon trillerte, und Sam meldete sich. Es war Selma. »Mr. Fargo, ich habe da etwas für Sie.«
    »Dann schießen Sie los«, sagte Sam. Er schaltete wieder die Freisprechfunktion ein, damit Remi mithören konnte.
    »Wir haben die ersten beiden Symbolreihen auf der Flasche entschlüsseln können, aber das war auch schon alles«, begann Selma. »Für die anderen Zeilen brauchen wir noch ein wenig mehr Zeit. Ich glaube, dass uns ein ganz spezieller Schlüssel fehlt. Wie dem auch sei, die Zeilen enthalten jedenfalls ein Rätsel:

    Capetianische Torheit, Sébastiens Enthüllung;
    Eine Stadt, bedroht von Kanonen;
    Aus dem dritten Reich der Vergessenen ein Zeichen,
    dass der ewige Schoel versperrt ist.
    Wir arbeiten daran, es zu lösen …«
    »Das hat sich erledigt«, verkündete Sam. »Die Rede ist vom Chateau d’If.«
    »Wie bitte?«
    Er berichtete von ihrem Besuch bei Wolfgang Müller. »Sein Bruder hat die Flaschen in der Festung gefunden. Diese Antwort kannte ich also, von dort aus musste ich nur zurückgehen. Capetianisch bezieht sich auf das dynastische Geschlecht der Capets, dem auch König Franz der Erste entstammte. Er hat den Bau der Festung veranlasst. Sébastien ist der Vorname Vaubans, des Ingenieurs, der der Regierung erklären musste, dass das Fort völlig nutzlos sei. Aus welchen Gründen auch immer, die Architekten hatten es jedenfalls dergestalt geplant, dass seine stärksten Befestigungen und Kanonen nicht dem Meer – und damit möglichen Angreifern –, sondern der Stadt zugewandt waren: eine Stadt, bedroht von Kanonen. «
    »Beeindruckend, Mr. Fargo.«
    »Steht alles im Reiseführer. Was die zweite Zeile betrifft, da weiß ich auch nicht weiter.«
    »Vielleicht kann ich dabei helfen«, sagte Remi. »Im Hebräischen bedeutet Schoel so viel wie Totenreich oder Unterwelt. Das Gegenteil – der ewige Schoel – ist dann das ewige Leben. Erinnerst du dich noch an den Käfer auf der Flasche? Diese Zikade …?«
    Sam nickte. »Von Napoleons Wappen: das Symbol der Wiederauferstehung und Unsterblichkeit. Und der andere Teil … das dritte Reich der Vergessenen?«
    »Damit ist die französische Version

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