Das Gold von Sparta
Doch schon nach fünf Minuten meldete er sich wieder. »Erledigt. Sie sind in zwei Stunden dort. Sag Selma, dass sie sich als Kozal Security Group ausweisen. Sie werden nach einer Mrs. French fragen.«
»Verstanden.«
»Meinst du nicht, dass es allmählich mal an der Zeit ist, Feierabend zu machen?«, fragte Rube. »Du hast doch gesehen, wie weit diese Typen zu gehen bereit sind. Nichts ist ein solches Risiko wert.«
»Wir wissen ja noch nicht einmal, um was es eigentlich geht.«
»Ihr wisst aber ganz genau, was ich meine. Ich mach mir Sorgen euretwegen.«
»Das wissen wir zu schätzen, Rube, aber wir müssen diese Geschichte zu Ende bringen.«
Haywood seufzte. »Dann lasst mich euch wenigstens helfen.«
»Und wie soll das aussehen?«, fragte Sam.
»Ich habe Cholkow mal ein wenig genauer unter die Lupe genommen. Vor ein paar Jahren war er in Tschetschenien aktiv. Wir nehmen an, dass er auf dem Schwarzmarkt als Mittelsmann eines Waffenhändlers tätig war, der vor allem Kalaschnikows in seinem Angebot hatte. Es wäre keine Mühe, seinen Namen in die Terrorist Watch List aufzunehmen. Zwei Telefongespräche – und ich könnte die DCPJ auf ihn aufmerksam machen«, sagte er. Er meinte die Direction Centrale Police Judicaire, die französische Version des FBI. »Es gibt zwar nichts Konkretes, weswegen sie ihn verhaften könnten, aber sie schaffen es vielleicht, ihn und seine Handlanger für einige Zeit aus dem Verkehr zu ziehen.«
»Tu das. Jedes bisschen Freiraum, das du uns verschaffen kannst, wäre eine große Hilfe.«
»Die Frage ist nur, ob sie ihn auch finden. Seiner Vorgeschichte nach zu schließen, wird er es ihnen nicht allzu leicht machen.«
Drei Stunden später hatte Rube zurückgerufen: Die DCPJ hatte einen Fahndungsbefehl für Cholkow in Umlauf gebracht, jedoch würde es ein paar Stunden dauern, bevor er mehr erführe, falls überhaupt. Die Franzosen, erklärte Rube, seien ziemlich zurückhaltend, was die Weitergabe von Informationen betraf.
»Ich nehme nicht an, dass du mit einer französischen Version von Guido, dem Schuhmacher und Waffenhändler, aufwarten kannst?«
»Sam, die Franzosen sind besonders rigoros, was ihre Waffengesetze betrifft. Du solltest dich auf keinen Fall mit einer unregistrierten Waffe erwischen lassen. Aber ich kenne da einen Typen namens Maurice …«
Er nannte Sam eine Telefonnummer, und sie beendeten das Gespräch.
Zum Schutz vor der Kälte klappte Remi den Kragen ihrer Jacke hoch und drängte sich unter dem Schirm dichter an Sam. »Ich sehe niemanden.«
»Ich auch nicht. Sollen wir?«
Nach einem letzten Blick in die Runde verließen sie die Gasse und gingen den Bürgersteig hinunter.
Indem sie sich der Spionagetechniken bedienten, die Sam in Grundzügen in Camp Perry aufgeschnappt hatte, spazierten sie für eine Stunde durch die Straßen nördlich des Hafens. Dabei machten sie mehrmals unerwartet kehrt, verschwanden plötzlich in Straßencafés, die sie gleich wieder durch die Hintertür verließen, und hielten aufmerksam Ausschau nach Anzeichen, dass sie verfolgt wurden. Erst als sie ganz sicher sein konnten, allein und unbeobachtet zu sein, hielten sie ein Taxi an und ließen sich zur Rue Loge im Vieux-Port bringen.
Wie ihnen der Inhaber der Bootsvermietung versprochen hatte, wartete an einem Liegeplatz im nordwestlichen Teil des Hafens ein schneeweißes, sechs Meter langes Mistral-Boot auf sie. Obgleich es im Grunde ein motorisiertes Walboot mit einem rundum verglasten Steuerhaus und nicht viel größer als eine Telefonzelle war, schien es doch ziemlich breit und verfügte über einen zuverlässigen und leisen Lombardi-Motor. Sie hofften, dass es ihren Ansprüchen genügen würde.
Mit Hilfe des Schlüssels, den der Bootsvermieter von einem Boten ins Hotel hatte bringen lassen, löste Sam die mit einem Vorhängeschloss gesicherten Leinen, während Remi den Motor anließ. Sam sprang an Bord, sie schob den Gashebel nach vorn und nahm Kurs auf die Hafenausfahrt.
Vor dem Bug tauchte zehn Minuten später die Mole auf. Hinter ihnen spiegelten sich auf der kabbeligen Meeresoberfläche die vom Regen leicht verschwommenen Lichter Marseilles. Der einzelne Scheibenwischer, der die Windschutzscheibe des Steuerhauses von den Regentropfen freihielt, quietschte leise.
Sam, der neben Remi am Steuer stand, bemerkte plötzlich: »Ich habe über das nachgedacht, was Cholkow gesagt hat.« Er sah ihren Gesichtsausdruck und sprach schnell weiter: »Nicht über seinen
Weitere Kostenlose Bücher