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Das Herz des Südens

Das Herz des Südens

Titel: Das Herz des Südens Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Gretchen Craig
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so weit über den Kopf, wie er nur konnte. Dann bewegte er die Schultern und ließ den Kopf kreisen. »Mein Gott, fühlt sich das gut an! Ich habe das Gefühl, als könnte ich die ganze Strecke nach New Orleans laufen.«
    »Nicht nötig«, sagte Louis. »Wir gehen jetzt zu meinem Boot, dann können die Hunde uns nicht weiter verfolgen.«
    Remy streckte die Arme nach Cleo aus und schwenkte sie herum. »Ich werde ein freier Mann sein, Cleo.«
    Sie hielt ihn fest an sich gedrückt, als hätte sie Angst, ihn loszulassen.
    »Mach dir keine Sorgen«, versuchte Remy sie zu beruhigen. »Ich hole dich nach, das weißt du.« Einen Arm um Cleo gelegt, streckte er Phanor die Hand entgegen. »Danke, mein Freund.«
    »Wir treffen uns in New Orleans. Denk dran, du musst deine Rolle gut spielen. Du musst immer noch wie ein Sklave aussehen, dich benehmen wie ein Sklave, jedenfalls solange du auf dem Schiff bist.«
    »Weiß schon.«
    Cleo reichte ihm die Tasche mit einem Handtuch, Seife, einem Rasiermesser und frischen Hemden. Dann küsste sie ihn und hielt ihn noch ein bisschen fest.
    »Es ist Zeit zu gehen, Cleo«, sagte Phanor. »Je weiter die beiden bei Sonnenaufgang im Sumpfland verschwunden sind, desto besser.«
    Louis und Remy ließen sie auf dem Hügel zurück und verschwanden schnell im Wald. Sie hatten nur eine Viertelmeile zu gehen, bis sie beim Boot sein würden. Bei Tag würden sie sich in dem Labyrinth von Wasserläufen und Lagunen verstecken, und bei Nacht würden sie in Richtung Fluss rudern, wo sie das Schiff nehmen würden. Louis hatte Phanors letzten Monatslohn in der Tasche, genug für zwei Schiffskarten, Essen und die eine oder andere Zigarre.
    Cleo stand auf dem Hügel und starrte noch lange in die Dunkelheit, bis sie nichts mehr hören konnte. Phanor hob den verhassten Käfig an den Bändern hoch. Mit aller Kraft warf er das scheußliche Gestell in den Sumpf. Wenn sie etwas Glück hatten, würde der Schlamm es noch vor Tagesanbruch unter die Wasseroberfläche saugen.
    Cleo zitterte. »Frierst du?«, fragte er.
    »Macht nichts«, gab sie zurück. »Wir sollten gehen.«
    Ohne Louis’ Führung mussten sie die Laterne benutzen, um den Weg zu finden. Als sie sich wieder sicher fühlten, löschte Phanor das Licht, und sie stolperten weiter über die Felder von Toulouse.
    In den Unterkünften war alles still, und weder im Haus des Aufsehers, noch im Herrenhaus war Licht zu sehen. Phanor schätzte, dass es etwa vier Uhr morgens war. Er beobachtete, wie Cleo über die Hintertreppe hinauf- und die Veranda entlangging. Wenn sie ihm von dort aus zuwinkte, konnte er es nicht sehen.
    Dann eilte er nach Hause. Er musste den Schlamm von seinen Kleidern bürsten, sich von Lalie, Papa und Nicholas verabschieden und sich am Anleger sehen lassen, wenn er an Bord des Schiffes ging. Bis dahin würde es spät am Vormittag sein, und zweifellos würde LeBrec bis dahin Remys Flucht bemerkt haben.

24
    New Orleans
    Bertrand Chamard bewegte sich ungeduldig, als sein Diener Valentine ihm die Fingernägel polierte.
    »Das muss jetzt reichen«, sagte er. »Ich bin rasiert und barbiert und weiß nicht was und habe frisch geschnittene Haare, genug Getue für einen Tag.«
    Aber Valentine ließ seine Hand nicht los, bevor auch der letzte Fingernagel zu seiner Zufriedenheit glänzte. »Morgen kommen die Schwielen dran.«
    »Ja, Monsieur Valentine, sehr wohl, Monsieur Valentine.«
    Bertrand und Valentine waren seit ihrer frühen Kindheit zusammen, und ihre Verbindung war freundschaftlich und entspannt. Natürlich hatte Valentine die Monate in den Ställen auf Cherleu nur mühsam ertragen, und natürlich hatte er seinen Herrn immer wieder daran erinnert, dass er lieber Silber putzte als Sattelzeug. Aber Bertrand hatte auch bemerkt, dass Valentine hart daran gearbeitet hatte, die Ställe auszumisten, Zaumzeug zu reparieren und sogar Hufe zu beschlagen, bis seine Hände ebenso rau waren wie die seines Herrn. Der einzige Unterschied war, dass die Schwielen Bertrand nichts ausmachten.
    Bertrand warf noch einen Blick in den Spiegel und beschloss dann, dass er bereit war, in diesen Abend zu gehen. Er warf sich das Cape mit dem roten Seidenfutter über die Schulter und ließ sich von Valentine Hut und Stock reichen.
    »Warte bloß nicht auf mich«, sagte er. »Es kann gut sein, dass es hell wird, bevor das Spiel endet.«
    »Aber dann mach hier bloß keinen Krach, der mich aufweckt«, entgegnete Valentine.
    Bertrand lächelte und beschloss im selben

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