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Das Phantom im Netz

Titel: Das Phantom im Netz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kevin Mitnick , William L. Simon
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Eingabeaufforderung geben Sie es noch einmal ein. Und dann drücken Sie die Eingabetaste.«
    Sobald ich hörte, dass sie aufhörte zu tippen, loggte ich mich mit ihrem Benutzernamen und dem »pactel1234«-Passwort ein.
    Alles Weitere war eine Frage des Multitaskings. Fieberhaft hackte ich auf meine Tastatur ein, tippte ein Fünfzehn-Zeilen-Programm, das eine Sicherheitslücke in VMS ausnutzte, die nie gestopft worden war, kompilierte und startete es. Ich legte damit ein neues Benutzerkonto für mich an, das mit vollen Systemrechten ausgestattet war.
    Währenddessen erteilte ich Melanie weiterhin Anweisungen: »Jetzt loggen Sie sich bitte aus Ihrem Konto aus. … Jetzt loggen Sie sich mit dem neuen Passwort wieder ein. … Hat das geklappt? Großartig. Jetzt starten Sie alle Anwendungen, die Sie vorher benutzt haben, und überprüfen, ob sie alle funktionieren, wie sie sollen. … Das tun sie? Prima.« Dann ließ ich sie ihr Passwort wieder ändern und warnte sie noch einmal davor, mir oder irgendjemand anderem ihr neues Passwort zu verraten.
    Ich hatte jetzt vollen Zugriff auf das VMS-Cluster von PacTel, was hieß, dass ich auf Kundendaten, Abrechnungen, elektronische Seriennummern und vieles mehr zugreifen konnte. Das war ein ganz großer Coup. Ich bedankte mich herzlich bei Melanie für ihre Hilfe.
    Aber noch hatte ich es nicht ganz geschafft. Ich verbrachte die nächsten Tage damit, nach dem Speicherort der Einzelverbindungsdaten zu suchen und mir Zugang zu den Anwendungen für den Kundenservice zu verschaffen, über die ich dann in aller Ruhe Name, Adresse und alle möglichen weiteren Informationen zu jedem Telefonanschluss herausfinden konnte.
    Die Verbindungsdaten lagen auf einer riesigen Speicherplatte, auf der nahezu in Echtzeit Daten über jeden Anruf an und von Kunden in L.A. für etwa 30 Tage gespeichert wurden – eine ganze Menge sehr großer Dateien. Obwohl ich direkt auf dem System arbeitete, dauerte jeder Suchlauf zwischen zehn und fünfzehn Minuten.
    Ich begann meine Suche mit Erics Pagernummer, weil ich die schon hatte. Hatte irgendjemand über PacTel Erics Pager angerufen? 213 701-6852? Von dem halben Dutzend Anrufen, die ich fand, sprangen mir zwei sofort ins Auge. Hier sind die Einträge, wie ich sie in den PacTel-Daten fand:
    2135077782 0 920305 0028 15 2137016852 LOS ANGELE CA
    2135006418 0 920304 1953 19 2137016852 LOS ANGELE CA
    Die »213«-Nummern am Anfang jeder Zeile sind die Nummern der Anrufer. Die Zahlengruppe, die mit »92« beginnt, steht für das Jahr, Datum und Zeit – also fand der erste Anruf am 5. März 1992 28 Minuten nach Mitternacht statt.
    Die erste Nummer erkannte ich: Es war die Telefonnummer auf Erics Mietvertrag, die, wie ich bereits wusste, auf den Namen Mike Martinez angemeldet war. Das war ein weiteres, deutliches Warnsignal. Ich hatte angenommen, »Martinez« sei einfach ein Deckname von Eric, oder »Eric« sei ein Pseudonym von Martinez. Aber das ergab keinen Sinn, denn Martinez rief wohl kaum seine eigene Pagernummer an.
    Wen aber hatte Martinez dann angerufen? Und wer hatte ihn angerufen?
    Mit einer Suche über die Gesprächsdaten von PacTel wollte ich das herausfinden. Dass er mit dem FBI telefonierte, war nichts Neues. Über diese Information war ich bereits gestolpert, nachdem ich Erics Telefonnummer aus seinem Mietvertrag in Erfahrung gebracht hatte. Er hatte einige Male mit anderen Handys im PacTel-Netz telefoniert oder war von dort angerufen worden. Ich notierte mir die Nummern auf einem Blatt Papier. Dann begann ich, die Gesprächsdaten von jedem dieser Konten unter die Lupe zu nehmen.
    Alle Nummern auf meiner Liste gehörten Leuten, die miteinander in regem Kontakt standen, auch mit dem FBI-Büro in Los Angeles und anderen Strafverfolgungsbehörden.
    Oh, Scheiße. Zu viele von diesen Nummern kannte ich. Die Büro- und Handynummer von Terry Atchley von der Sicherheitsabteilung bei Pacific Bell. Ein leitender Angestellter der Sicherheit von Pacific Bell, der sein Büro in Nordkalifornien hatte, John Venn. Außerdem Erics Pager-, Voicemail- und private Telefonnummer. Und die Nummern verschiedener FBI-Agenten (deren Telefonnummern alle dieselbe Ortsvorwahl und ersten vier Ziffern hatten: 310 996-3XXX). Diese letzte Gruppe ließ mit ziemlicher Sicherheit darauf schließen, dass Martinez selbst ein Agent war. Ich konnte so eine Liste der Agenten zusammenstellen, die wahrscheinlich zu seinem Team gehörten.
    Der andere Anruf auf Erics Pager, der mir aufgefallen

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