Das Phantom im Netz
für die Gebührenabrechnung.)
»Nein«, antwortete die Frau vom Kundenservice. »Ich verwende das CMB.«
»Oh, okay. Trotzdem danke.« Ich legte auf und war nun im Besitz einer entscheidenden Information, die mir Glaubwürdigkeit verschaffen würde. Ich rief nun die interne Telekommunikationsabteilung an, gab den Namen eines Abteilungsleiters der Buchhaltung an, den ich vorher in Erfahrung gebracht hatte, und sagte, jemand von einer Servicefirma werde eine Zeit lang vor Ort mitarbeiten und werde eine eigene Nummer brauchen, um Voicemails empfangen zu können. Die Dame, mit der ich sprach, richtete ein Voicemail-Konto ein. Ich wählte mich ein und änderte das Passwort in »3825«. Dann sprach ich einen Ansagetext auf: »Dies ist der Anschluss von Ralph Miller. Ich bin gerade nicht an meinem Platz. Bitte hinterlassen Sie mir eine Nachricht.«
Als Nächstes telefonierte ich mit der IT-Abteilung, um herauszufinden, wer für das CMB zuständig war. Es war ein Typ namens Dave Fletchall. Als ich ihn erreichte, war seine erste Frage: »Wo kann ich Sie zurückrufen?« Ich gab ihm die Durchwahl für die Voicemail, die ich gerade erst eingerichtet hatte.
Als ich es mit dem »Ich bin gerade unterwegs und brauche einen externen Zugang«-Trick versuchte, sagte er: »Ich kann Ihnen die Einwahlnummer geben. Aber aus Sicherheitsgründen dürfen wir übers Telefon keine Passwörter rausgeben. Wo ist denn Ihr Arbeitsplatz?«
Ich schlug vor: »Ich bin heute den ganzen Tag nicht im Büro. Können Sie es einfach in einen Umschlag stecken und bei Mimi abgeben?« Ich erwähnte den Namen einer Abteilungssekretärin, den ich während meiner vorbereitenden Recherche herausbekommen hatte, ganz beiläufig.
Er sah kein Problem dabei.
»Können Sie mir einen Gefallen tun?«, fragte ich. »Ich bin gerade unterwegs zu einer Besprechung. Könnten Sie mir die Einwahlnummer auf meine Voicemail sprechen?«
Auch damit hatte er kein Problem.
Später am Nachmittag rief ich Mimi an, sagte, ich stecke in Dallas fest, und bat sie, den Briefumschlag, den Dave Fletchall für mich abgegeben hatte, zu öffnen und mir den Inhalt vorzulesen, was sie auch tat. Ich bat sie, das Papier danach wegzuwerfen, da ich es nicht mehr brauchte.
Die Endorphine strömten, und meine Finger flogen. Es war wahnsinnig aufregend.
Aber ich hatte immer den Gedanken im Hinterkopf, dass meine Social-Engineering-Opfer mittendrin merken könnten, was los war, und mir falsche Informationen geben konnten, weil sie hofften, mich dadurch zu entlarven.
Dieses Mal gab es keine Probleme. Es funktionierte, wie immer.
Na ja, nicht ganz. Ich schaffte es ins CMB-System, das, wie sich herausstellte, auf meinem Lieblingsbetriebssystem VMS lief. Aber ich war kein Mitarbeiter von PacTel Cellular und hatte damit kein reguläres Benutzerkonto auf dem System.
Bei einem Anruf in der Buchhaltung spielte ich einen IT-Mitarbeiter und bat darum, mit jemandem verbunden zu werden, der gerade ins CMB eingeloggt war.
Melanie kam ans Telefon. Ich erzählte ihr, ich sei ein Mitarbeiter von Dave Fletchall in der IT, und wir arbeiteten gerade an der Lösung eines Problems mit CMB – ob sie ein paar Minuten Zeit hätte, um mir zu helfen?
Klar.
Ich fragte sie: »Haben Sie Ihr Passwort kürzlich geändert? Weil, wir haben gerade eine neue Version der Software für die Änderung der Passwörter installiert, und wir wollen sicherstellen, dass es funktioniert.«
Nein, sie hatte ihr Passwort in letzter Zeit nicht geändert.
»Melanie, wie ist Ihre E-Mail-Adresse?« Bei PacTel Cellular war die E-Mail-Adresse eines oder einer Angestellten gleichzeitig der Benutzername, und ich brauchte ihren Benutzernamen, um mich ins System einzuloggen.
Ich bat sie, alle geöffneten Anwendungen zu schließen, sich aus dem System aus- und dann wieder einzuloggen, damit ich feststellen konnte, ob sie auf die Befehlszeilenschnittstelle des Betriebssystems zugreifen konnte. Als ich ihr bestätigte, dass sie es konnte, bat ich sie: »Bitte geben Sie jetzt ›set password‹ ein.«
Sie bekam daraufhin eine Eingabeaufforderung: »Altes Passwort«.
»Geben Sie jetzt Ihr altes Passwort ein, aber sagen Sie es mir nicht.« Ich wies sie sogar noch vorsichtig darauf hin, dass sie niemals jemandem ihr Passwort verraten sollte.
Dann hatte sie die Eingabeaufforderung »Neues Passwort« auf dem Bildschirm.
Ich hatte mich inzwischen eingewählt und war bereit.
»Jetzt geben Sie ›pactel1234‹ ein, und bei der nächsten
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