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Das Phantom im Netz

Titel: Das Phantom im Netz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kevin Mitnick , William L. Simon
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der Telefonrechnung von Mike Martinez gehörte zu einem Anwaltsbüro in Beverly Hills. Ich rief dort als angeblicher Mitarbeiter von One City Cellular an, Martinez‘ Mobilfunkbetreiber. »Ihre Rechnung ist überfällig«, sagte ich zu der Frau am Telefon. »Oh, wir bezahlen diese Rechnungen nicht«, sagte sie. »Wir leiten sie nur an ein Postfach in Los Angeles weiter«, und sie gab mir Nummer und Adresse zu dem Postfach – es lag im Bundesgebäude am 10 000 Wiltshire Boulevard. Das war nicht gut.
    Mein nächster Anruf galt der Postprüfstelle in Pasadena. »Ich möchte eine Beschwerde einreichen«, sagte ich. »Wer ist der zuständige Beamte für das Westwood-Gebiet in Los Angeles?«
    Unter dem Namen des Beamten rief ich in der Poststelle des Bundesgebäudes an, ließ mich mit dem Leiter der Poststelle verbinden und sagte: »Suchen Sie bitte den Antrag für dieses Postfach heraus und geben Sie mir den Namen und die Adresse des Antragstellers durch.«
    »Das Postfach ist auf das FBI hier im Gebäude angemeldet.«
    Das war keine Überraschung.
    Also wer war dieser Mensch, der sich als Mike Martinez ausgab? Und was hatte er mit dem FBI zu tun?
    Auch wenn ich unbedingt wissen musste, wie viel die Regierung gegen mich in der Hand hatte, machte es keinen Sinn, weiter nachzuforschen. Ich würde dadurch nur noch weiter reinrutschen, und es würde immer wahrscheinlicher, dass man mich erwischte und wieder ins Gefängnis steckte. Das würde ich nicht aushalten. Aber konnte ich dem Drang widerstehen?
Achtzehn
Verkehrsanalyse
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    S ind Sie schon einmal spät nachts eine dunkle Straße entlanggegangen oder über den Parkplatz eines Einkaufszentrums gelaufen, und obwohl niemand in der Nähe war, hatten Sie das Gefühl, dass Ihnen jemand folgt oder dass Sie jemand beobachtet?
    Ich wette, da bekamen auch Sie eine Gänsehaut.
    Genau diesen Effekt hatte das Geheimnis um die Namen Wernle und Martinez auf mich. Waren es wirkliche Menschen oder nur Pseu­donyme von Eric Heinz?
    Mir war klar, dass ich die Suche aufgeben musste, um nicht Gefahr zu laufen, wieder beim Hacken erwischt zu werden. Aber vielleicht konnte ich vorher nur noch ein einziges Puzzlestückchen hinzufügen. Auf der Telefonabrechnung von Martinez waren alle Nummern der Leute aufgelistet, die er angerufen hatte. Vielleicht würde es mich weiterbringen, wenn ich herausfand, wer ihn angerufen hatte.
    Dazu musste ich etwas machen, das ich als »Verkehrsanalyse« bezeichne. Das Verfahren beginnt damit, dass man den Einzelverbindungsnachweis einer Person durchsieht, deren Telefonnummer man kennt, und Informationen aus dieser Aufstellung herauszieht. Wen ruft sie oft an? Wer ruft sie an? Gibt es manchmal mehrere Anrufe dicht hinterei­nander von oder an bestimmte Leute? Gibt es Leute, die sie meistens vormittags anruft? Oder abends? Dauern Telefonate mit bestimmten Leuten besonders lange? Oder sind welche besonders kurz? Und so weiter.
    Dann führt man dieselbe Analyse für diejenigen durch, mit denen diese Person besonders häufig telefoniert.
    Die nächste Frage ist dann, wen rufen diese Leute an?
    Ich denke, das Prinzip ist klar. Es bedeutete einen Riesenaufwand, ein Verfahren, für das ich viel von meiner Freizeit würde opfern müssen, mehrere Stunden täglich. Aber ich musste es einfach wissen. Es führte kein Weg drum herum: Es war den Aufwand und das Risiko wert.
    Ich hatte das Gefühl, als hinge meine Zukunft davon ab.
    Ich hatte bereits die Abrechnungen der letzten drei Monate für Martinez‘ Handy. Zunächst musste ich herausfinden, wo sich die Echtzeitspeicher für Gesprächsdaten im Netzwerk von PacTel Cellular befanden. Darüber konnte ich jeden PacTel-Kunden finden, der Erics Pager, Voicemail oder Festnetznummer angerufen hatte.
    Oder noch besser: Wenn ich mich sowieso bei PacTel einhackte, konnte ich auch auf die Kundendaten zu jeder Telefonnummer im PacTel-Netz zugreifen, die Martinez angerufen hatte. So konnte ich herausfinden, wem das Telefon gehörte, das er angerufen hatte.
    Ich wusste nicht viel über die Namenskonventionen der Firma für ihre internen Systeme. Also rief ich als Erstes beim telefonischen Kundenservice an, bei dem man einen neuen Tarif abschließen konnte. Ich gab vor, vom internen Support von PacTel zu sein, und fragte: »Verwenden Sie das CBIS?« (Die Abkürzung wird von manchen Telefonfirmen für »Customer Billing Information System« benutzt, also das System

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