Das Phantom im Netz
Chefs war es immer beruhigend zu erfahren, dass der Detective nichts Bewegendes herausgefunden hatte. (Übrigens, die Welt ist klein: Detective Simon, der immer noch beim LA Sheriff‘s Department ist, inzwischen als Reserve Chief, ist der Zwillingsbruder meines Mitautors Bill Simon.)
Inmitten dieser Ereignisse dachte ich immer mal wieder an die verlockende Information, an die ich im Zusammenhang mit der Anklage gegen Kevin Poulsen gelangt war: der Hack, an dem Eric angeblich mitgewirkt hatte und bei dem Eric einen und Poulsen gleich zwei Porsche abgezogen hatten. Dann wieder erinnerte ich mich an das Radio-Gewinnspiel, von dem ich gehört hatte, als ich an jenem düsteren Tag nach Vegas gefahren war, nicht lange nach dem Tod meines Halbbruders. Und irgendwann verknüpften sich die beiden Gedanken in meinem Gehirn.
Eric hatte Lewis und mir erzählt, dass Poulsen den Gewinnspiel-Coup gelandet hatte, indem er sich in den Hauptverteiler der Vermittlungsstelle gehackt hatte, in der die Leitungen des Radiosenders zusammenliefen. Ich konnte mir vorstellen, dass man etwas ganz Ähnliches erreichen könnte, ohne den Verteiler manipulieren zu müssen. Die Studios des Oldie-Senders KRTH waren gar nicht weit von Daves Büro entfernt, und beide bediente dieselbe Vermittlungsstelle.
Zuerst einmal bräuchte ich eine andere Telefonnummer als die 800er-Nummer, die der Moderator im Radio ansagte. Ich rief also in einer internen Abteilung von PacBell an und bat um die »POTS«-Nummer für diese 800er-Nummer. (»POTS« steht für »plain old telephone service«, ist innerhalb der Telefongesellschaften ein ganz gebräuchlicher, normaler Begriff und bezeichnet eine analoge Anschlussleitung.) Ich brauchte die POTS-Nummer, da die 800er-Nummer für das Gewinnspiel eine eingebaute Drossel hatte, mit der die Flut der eingehenden Anrufe eingedämmt wurde. Mein Plan könnte nicht aufgehen, wenn meine Anrufe unterdrückt würden. Die Dame, mit der ich dann sprach, fragte nicht einmal nach meinem Namen oder ob ich für Pacific Bell arbeitete; sie gab mir einfach die Nummer.
In Dave Harrisons Büro programmierte ich an vier Telefongeräten die Kurzwahl ein, damit ich nur »9#« drücken musste, um mich direkt in die POTS-Anschlussleitung beim Radio einzuwählen. Ich zählte darauf, dass die Anrufe, die über die 800er-Nummer geleitet würden, ein wenig länger bräuchten, um verbunden zu werden. Außerdem liefen die Telefonnummern von Daves Büro über dieselbe Vermittlungsstelle wie die POTS-Nummer des Radiosenders – das bedeutete, dass unsere Anrufe sofort geschaltet würden. Aber würden diese klitzekleinen Vorteile und die Benutzung mehrerer Telefonleitungen schon ausreichen?
Sobald alles eingerichtet war, setzten Lewis, Terry Hardy, Dave und ich uns jeweils vor ein Telefon. Wir konnten es kaum abwarten, dass das Gewinnspiel angekündigt wurde. Der Gewinner war immer Anrufer Nummer sieben. Wir mussten also nur immer weiter anrufen, bis einer von uns der siebte Anrufer wäre.
Sobald wir das Einsatzzeichen vernahmen – den Jingle »die besten Oldies aller Zeiten« –, drückten wir schnell die »9#«. Jedes Mal, wenn wir durchkamen und der DJ sagte: »Sie sind Anrufer Nummer ___«, und eine Zahl unter Sieben nannte, legten wir schnell auf und wählten erneut »9#«. Immer wieder.
Nachdem ich zum dritten Mal die Kurzwahl gedrückt hatte, hörte ich: »Sie sind Anrufer Nummer sieben!«
Ich rief in den Hörer: »Ich hab gewonnen! Jetzt ehrlich, ich hab gewonnen? Echt? Ich glaub‘s nicht! Ich gewinne sonst nie was!« Wir standen auf und klatschten uns ab. Wir gewannen 1000 Dollar, die wir nach gemeinsamem Beschluss teilten. Immer, wenn jemand von uns gewann, warf er den Gewinn in den Topf.
Nach unseren ersten vier Gewinnen wussten wir, dass das System funktionierte, standen aber vor einer anderen Herausforderung: Das Radio-Gewinnspiel durfte dieselbe Person nur einmal im Jahr gewinnen, so lautete die Regel. Wir boten also unserer Familie, unseren Freunden und allen anderen, die wir gut genug kannten, um ihnen zu vertrauen, einen Deal an: »Wenn ihr den Scheck bekommt, dürft ihr 400 behalten und gebt 600 an uns.«
In den kommenden drei oder vier Monaten gewannen wir etwa fünfzig Mal bei dem Anruferspiel. Am Ende hörten wir auf, weil uns die Freunde ausgingen! Schade, dass es damals noch kein Facebook gab, dann hätten wir das Ganze mit noch viel mehr Freunden durchziehen können.
Das Schöne an der Sache war ja, dass sie gar
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