Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Das Phantom im Netz

Titel: Das Phantom im Netz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kevin Mitnick , William L. Simon
Vom Netzwerk:
Sache, dass ich nicht mehr verraten dürfte.
    Der Frühling war dem Sommer gewichen, und ich fühlte mich langsam wieder ganz wie ein Los Angelino. Aber meine Wohnsituation musste überdacht werden. Anfangs hatte es so ausgesehen, als könnte mein Einzug bei meinem Vater all die Jahre wiedergutmachen, die er über 3000 Kilometer entfernt verbracht und in denen er sich ein Leben mit einer anderen Familie aufgebaut hatte. Ich wohnte in Adams Zimmer, weil ich meinem Vater helfen und in der schweren Zeit nach Adams Tod bei ihm sein wollte, aber auch weil ich hoffte, wir würden uns so näherkommen.
    Meine Hoffnungen sollten sich aber nicht erfüllen, nicht einmal andeutungsweise. Wir hatten gute Momente, aber es gab auch lange Strecken, die sich anfühlten wie die ersten Jahre, als unsere Beziehung einem Schlachtfeld voller Landminen glich.
    Man muss immer Zugeständnisse machen, wenn man mit jemandem zusammenlebt. Und auch, wenn es nur ein Spruch ist: Seine Verwandten kann man sich nicht aussuchen. Aber irgendwo verläuft da eine Linie zwischen dem, mit dem wir uns abfinden und dem, das uns tagtäglich das Leben vermiest. Mir haben schon mehrere Frauen bestätigt, dass ich kein Mensch bin, mit dem es sich einfach zusammenwohnen lässt, und so liegt die Schuld sicherlich nicht nur auf seiner Seite.
    Irgendwann war dann der Punkt erreicht, an dem ich es einfach nicht mehr aushielt – angestoßen von Dads ständigen Beschwerden, ich würde zu viel Zeit am Telefon verbringen, noch mehr aber wegen seiner zwanghaften Ordnungssucht. Ich wohne auch lieber in einer aufgeräumten und sauberen Wohnung, aber bei ihm war es ehrlich ein Wahn. Ich kam mir vor wie in diesem Film Ein seltsames Paar mit Jack Lemmon und Walter Matthau, in dem der von Lemmon verkörperte Felix auch so ein Freak ist, der keine Unordnung ausstehen kann.
    Verglichen mit meinem Vater, ist die Figur des Felix aber noch zahm.
    Ich will nur ein Beispiel geben: Mein Vater benutzte tatsächlich ein Maßband, um sicherzugehen, dass die Kleiderbügel in seinem Schrank im Abstand von genau zweieinhalb Zentimetern hingen.
    Und jetzt muss man sich vorstellen, wie diese extreme Pingeligkeit auf jedes Detail in einer Dreizimmerwohnung angewandt wird, und wird dann vielleicht verstehen, welcher Albtraum das für mich war.
    Im Frühjahr 1992 gab ich auf und beschloss, mir eine eigene Wohnung zu suchen. Ich wollte in derselben Anlage bleiben, um meinen Vater regelmäßig besuchen zu können und trotzdem nicht unter seiner Fuchtel zu stehen. Er sollte nicht denken, ich wollte mich von ihm abwenden.
    Die Dame im Vermietungsbüro teilte mir aber überraschenderweise mit, dass es einige Monate dauern könnte, bis eine Wohnung für mich frei würde. Glücklicherweise blieb ich trotzdem nicht bei meinem Vater hängen. Mark Kasden von Teltec erlaubte mir, in seinem Gästezimmer zu wohnen, bis mein Name auf der Warteliste nach oben gerückt wäre.
    Nachdem ich in meine neue Bude gezogen war, begann ich ein neues Gegenüberwachungsprojekt. Ich beschloss, von Dave Harrisons Büro aus mithilfe meines neuen Laptops per SAS in die Telefongespräche von John Venn reinzuhorchen, dem Sicherheitschef bei Pacific Bell. Also schaltete ich mich zwischendurch immer mal wieder in Venns Leitung, weil ich dachte, etwas aufschnappen zu können. Wenn ich gerade einen Anruf mitbekam, war meist nichts Interessantes dabei, und ich hörte nur mit halbem Ohr zu, während ich etwas anderes machte.
    Eines Tages aber klinkte ich mich in seine Leitung, als er eben eine Konferenz mit mehreren Kollegen abhielt. Wenn das jetzt eine Szene im Film wäre, würden garantiert alle stöhnen, weil dieser Zufall einfach zu unwahrscheinlich scheint. Aber es war wirklich so: Ich horchte auf, als einer der Männer »Mitnick« sagte. Das Gespräch war höchst interessant, aufschlussreich … und eine tolle Ermunterung. Denn wie sich herausstellte, hatten sie keine Ahnung, wie ich ihren Methoden und Fallen auswich, und das sorgte für ernsthafte Frustrationen.
    Sie sprachen darüber, dass sie neue Ideen für eine Falle bräuchten – etwas, das ihnen harte Beweise an die Hand geben würde, die sie dann ans FBI weitergeben könnten. Sie fragten sich, was ich wohl als Nächstes vorhatte, damit sie etwas vorbereiten könnten, um mich auf frischer Tat zu ertappen.
    Einer der Gesprächsteilnehmer schlug eine wirklich dumme Falle vor. Ich musste mich arg zügeln, um nicht dazwischenzugehen, nach dem Motto: »Ich glaube nicht,

Weitere Kostenlose Bücher