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Das Rad der Zeit 5. Das Original: Die Feuer des Himmels (German Edition)

Das Rad der Zeit 5. Das Original: Die Feuer des Himmels (German Edition)

Titel: Das Rad der Zeit 5. Das Original: Die Feuer des Himmels (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Jordan
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allen Seiten heruntergelassen, aber den Rauchabzug hatte man abgedeckt. Gleich daneben war ein Feuer bereits bis auf die letzte Glut heruntergebrannt, die über ein paar männerkopfgroße Steine verteilt war. Der Lichtschein reichte nicht aus, um die kleinere dunkle Erhebung neben dem Zelteingang genau erkennen zu können, aber sie wusste, dass sie aus sauber zusammengelegter Frauenkleidung bestand.
    Sie atmete noch einmal tief die eiskalte Luft ein, trat sich die Schuhe von den Füßen, ließ den Umhang fallen und hechtete beinahe in das Zelt hinein. Ein Augenblick der beißenden Kälte, dann fiel die Klappe hinter ihr zu und die dampfende Hitze umschloss sie. Innerhalb eines Moments trieb ihr die Hitze den Schweiß aus den Poren, obwohl sie noch nach Luft schnappte und zitterte.
    Die drei Weisen Frauen, die sie im Traumwandeln unterwiesen, saßen unbeteiligt schwitzend drinnen. Ihre hüftlangen Haare hingen glatt und feucht herunter. Bair unterhielt sich mit Melaine, deren grünäugige Schönheit mit dem dazugehörigen rotgoldenen Haar einen harten Kontrast zum ledrigen Gesicht und den langen weißen Strähnen der älteren Frauen bildete. Auch Amys hatte weiße Haare – oder so hellblond, dass sie weiß erschienen –, doch sie wirkte nicht alt. Sie und Melaine konnten mit der Macht umgehen, und das war nicht bei sehr vielen Weisen Frauen der Fall. Beide hatten etwas wie die typische Alterslosigkeit der Aes Sedai an sich. Moiraine, die neben den anderen schmächtig und klein wirkte, saß ebenfalls völlig unberührt da, obwohl der Schweiß über ihre blasse Nacktheit rann und ihr Haar nass an der Kopfhaut klebte. Ihre würdevolle Haltung machte vergessen, dass sie unbekleidet war. Die Weisen Frauen benützten schmale, gekrümmte Bronzeschaber, Staera genannt, um sich den Schweiß und den Schmutz des Tages abzustreichen.
    Aviendha hockte verschwitzt neben dem großen, schwarzen Kessel mit heißen, verrußten Steinbrocken in der Mitte des Zelts und holte vorsichtig mit einer Art Zange einen letzten Stein aus einem kleineren Kessel, um ihn in den großen zu legen. Anschließend spritzte sie Wasser aus einem ausgehöhlten Kürbis auf die Steine, sodass zischend neuer Dampf aufstieg. Wenn sie zu wenig Dampf erzeugte, würde man sie in scharfem Ton zurechtweisen oder vielleicht sogar bestrafen. Beim nächsten Zusammentreffen der Weisen Frauen im Dampfzelt war wieder Egwene an der Reihe, sich um die Steine zu kümmern.
    Egwene setzte sich vorsichtig neben Bair. Statt der üblichen Schichten von Läufern saß sie hier nur auf dem blanken Felsboden – unangenehm heiß, hart und unregelmäßig und darüber hinaus natürlich feucht. Erschrocken wurde ihr klar, dass Aviendha verprügelt worden sein musste, und zwar erst kürzlich. Als sich die Aielfrau schließlich neben sie setzte, war ihr Gesicht so steinern wie der Felsboden, doch das kurze Zusammenzucken konnte sie nicht ganz verbergen.
    Das war etwas, was Egwene nicht erwartet hatte. Die Weisen Frauen führten wohl ein strenges Regiment, strenger sogar als die Weiße Burg, und das sollte etwas heißen, doch Aviendha arbeitete wirklich hart und mit grimmiger Entschlossenheit daran, den Gebrauch der Macht zu erlernen. Sie konnte nicht Traumwandeln, aber sie gab sich die gleiche Mühe, jedes bisschen Können aufzuschnappen, das ihr die Weisen Frauen vermittelten, wie zuvor, um als Tochter des Speers den Gebrauch der Waffen zu erlernen. Sicher, als sie gestanden hatte, dass sie Rand erzählt hatte, wie die Weisen Frauen ihn im Traum überwachten, hatten diese sie drei Tage lang schultertiefe Löcher graben und sie dann wieder auffüllen lassen, doch das war eine der ganz wenigen Gelegenheiten gewesen, bei denen Aviendha offensichtlich ins Fettnäpfchen getreten war. Amys und die anderen beiden hatten sie so oft Egwene als Musterbeispiel für blinden Gehorsam und gebührende innere Stärke vorgehalten, dass sie manchmal am liebsten geschrien hätte, obwohl Aviendha ihre Freundin war.
    »Ihr habt Euch viel Zeit gelassen, hierherzukommen«, kommentierte Bair mürrisch, während Egwene noch auf der Suche nach einer bequemeren Sitzposition umherrutschte. Ihre Stimme war dünn und schrill, aber eisenhart. Sie schabte sich weiter die Arme mit einer Staera ab.
    »Es tut mir leid«, sagte Egwene. Also, das war ja wohl demütig genug.
    Bair schnaubte. »Jenseits der Drachenmauer seid Ihr eine Aes Sedai, aber hier seid Ihr lediglich eine Schülerin, und Schülerinnen haben nicht zu

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