Das Rätsel der Templer - Roman
so übergeben wir Henri d’Our der Obhut unseres allmächtigen Gottes, der sich nicht nur im Angesicht des ewigen Lebens
offenbart, sondern auch in den Worten und Taten all unserer Mitmenschen und in den Wundern der Natur, die uns allgegenwärtig
sind und doch so rätselhaft erscheinen.«
Tom stellte sich nicht zum ersten Mal die Frage, ob die Zukunft tatsächlich schon geschrieben war. Spätestens seit er mit
Raum und Zeit experimentierte, verschwamm das Oben und Unten zu einer geraden Linie, auf der nach allen Berechnungen kein
Vor oder Zurück existierte.
|748| Erst heute Morgen hatte General Lafour ihm die aktuellen Pläne des amerikanischen Präsidenten übermittelt. In Anbetracht der
angekündigten Apokalypse sah das Oberhaupt der Vereinigten Staaten einen dringenden Handlungsbedarf. Auch wenn der Timeserver
und seine Wirkung noch längst nicht ausreichend erforscht waren, bestand die amerikanische Regierung darauf, ein Team zusammenzustellen,
das einen Vorstoß vom heutigen Tempelberg in Jerusalem ins Jahr 1148 wagen sollte. Man wollte die ursprünglichen Besitzer
des Quantenservers aus ihrer misslichen Lage befreien und deren Wissen nutzen.
Gedankenverloren blickte Tom zu den fünf Kreuzrittern hin, die mit gefalteten Händen in stummem Respekt vor dem geöffneten
Grab ihres Komturs standen. Mit ihren schwarzen Anzügen und Trenchcoats sahen sie den umstehenden Männern der NSA verblüffend
ähnlich. Ob sie sich bereit erklären würden, dem Ruf der Wissenschaft zu folgen, vielleicht für den Lohn, dass ihr Orden doch
noch gerettet werden konnte? Oder würde sich herausstellen, dass es nichts zu retten gab, weil die Konstante einer bis jetzt
noch unbekannten Kraft dies zu verhindern wusste? War es Gott, der seine Finger im Spiel hatte? Und wenn ja, würde er mit
sich handeln lassen?
Fasziniert lauschte Professor Hertzberg dem gregorianischen Gesang, der sich unvermittelt aus fünf dunklen Kehlen erhob und
Gottes Größe und Güte so stimmungsvoll besang, dass selbst der anwesende Pfarrer vor Erstaunen zu atmen vergaß. Wer hätte
je vermutet, dass sich hinter dem viel beschworenen Haupt der Templer ein solches Geheimnis verbarg? Ob Philipp IV. von Frankreich
wirklich eine Ahnung gehabt hatte, welches Phantom er jagte, als er den Orden vor siebenhundert Jahren seiner Vernichtung
entgegentrieb? Gab es sonst noch jemanden, der um den wahren Kern der Geschichte wusste? Oder war der Mann, dessen Körper
nun in der kalten Erde der Champagne seine Ruhe fand, wirklich der letzte gewesen, der, als Schlussglied einer Kette von verzweifelt
Wissenden, zwar eingeweiht, aber nichtsdestotrotz machtlos geblieben war, was das unabwendbare Schicksal des Ordens betraf?
Vielleicht war es etwas Göttliches, dessen Abbild auf das entscheidende Puzzleteilchen wartete. Doch was wäre, wenn nur kalte
Technik dahinter steckte, die alles Göttliche zunichte machen würde?
|749| Geros Blick streifte sehnsüchtig über die kahlen, winterlichen Hügel von Bar-sur-Aube. Henri d’Our hätte gewollt, dass man
ihn hier zur letzten Ruhe beisetzte. Auch wenn es nicht das Gelände des Templerfriedhofs der ehemaligen Komturei war, so verblieben
seine sterblichen Überreste doch an einem Ort, der seine Bestimmung vollendet hatte.
Ein tiefes Gefühl des Friedens ergriff Gero. Trotz der Sorge um seine Eltern, deren Schicksal im Dunkeln lag, und um den Orden,
dessen Untergang besiegelt schien. Er hatte an Gott gezweifelt, und doch war er sicher, dass der Allmächtige, unbeeindruckt
vom Verhalten der Menschen, seine Wirkung entfaltete und alles zwischen Himmel und Erde seinem unergründlichen Plan folgte.
Und auf welche Weise auch immer, hatte dieser Gott seine Gebete erhört.
Zaghaft ergriff er Hannahs Hand und sah sie liebevoll an. Dann fiel sein Blick auf Matthäus, der andächtig neben ihr stand.
Eine Frau, die seine Liebe erwiderte, Kinder, eine eigene Familie. Wenn er aufrichtig zu sich selbst war, hatte er sich nie
etwas anderes gewünscht.
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|755| Nachwort und Danksagung
Handlung und Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Orte und Institutionen in Frankreich, Deutschland, Schottland und
den USA wurden von der Autorin im Sinne der schriftstellerischen Freiheit entsprechend verändert.
Als ich im Herbst des Jahres 2003 die ersten Entwürfe zum Roman »Das Rätsel der Templer« schrieb, ahnte ich nicht, wie viel
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