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Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Titel: Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Götz Justus
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‘rangehen?“
    Bidram schien außer sich. „Mann, Janus läßt man nicht warten! Meinst du, er würde einem Winzling wie dir hinterherhecheln?“
    Bassett schaute nachdenklich auf den Sender in seiner Hand. Das Telefon verstummte. Bidram hatte Bassetts Geste verstanden. Wieder bildeten sich, Diamantsplittern gleich, hundertfache Schweißtröpfchen auf seiner Stirn. Bassett tat gelangweilt. „Komm, Mehdi, iß ‘was! Es gibt leckeres Hühnchen. Könnte dein letztes sein!“
    Bidram wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn. „Hab‘ keinen Hunger. Niemand hat Hunger mit diesem Ding um den Hals!“
    „Dann trink wenigstens!“
    „Kein Durst.“
    Das Telefon unterbrach mit erneutem Geläut den dahinplätschernden Dialog zweier Feinde, die sich im Grunde nichts, aber auch gar nichts zu sagen hatten, als sich gegenseitig den Tod zu wünschen. „Es ist Janus! Nimm endlich den Hörer ab, bevor er seine Truppen mobilisiert und dieses Haus in Staub verwandelt!“
    Bassett grinste genießerisch, als weide er sich an Bidrams Aufgeregtheit; endlich ergriff er den Hörer, führte ihn aufreizend langsam zum Ohr. In der Tür erschien, nun in makelloser Jeans, Taheri. Die Neugier stand ihm, wie Bidram, ins Gesicht geschrieben. „Ja?“ Zu mehr ließ sich Bassett nicht hinreißen. Es dauerte einen Moment, bevor eine unbekannte Stimme ihm mitteilte, daß er verbunden würde. Er hätte es wissen müssen! Der Russe ließ anrufen. Er wartete nicht, bis Bassett sich dazu herabließ, den Hörer abzunehmen, nein, er bekam Bassett auf silbernem Tablett serviert! Janus hatte nicht nur Stil, Janus hielt die Fäden in der Hand! Er ließ es Bassett merken.
    Bassett zweifelte nicht daran, daß es nun an ihm war, den Eröffnungszug zu tun, der über den weiteren Spielverlauf entscheiden würde. Es gab nur diesen einen Zug, diese eine Chance! Gelänge der Zug, würde von diesem Moment an Schach auf höchstem Niveau gespielt! Analytik in ihrer reinsten Form, strategisches Geschick in Vollendung waren dann gefordert. Er fühlte sich plötzlich müde. Es knackte in der Leitung; da war sie wieder, die sanfte Stimme, das gutturale Englisch des Russen. „Mr. Bassett, sind Sie‘s?“
    „So ist es.“
    „Ich freue mich, das Gespräch mit Ihnen fortsetzen zu können. Um es vorweg zu nehmen – es war mir nicht möglich, in der Kürze der Zeit Ihre Vorstellungen in Erfahrung zu bringen. Sie müßten sie mir schon mitteilen. Auch wäre ich dankbar, zu hören, was Sie unter ‚Dingen, die die Organisation interessieren‘, verstehen. Sind es die Dinge, die Bidram aufzählte? Wir sollten mit letzterem beginnen, da davon der weitere Gesprächsverlauf abhängen wird. Stimmen Sie mir zu?“
    Bassetts Gehirn arbeitete im Höchstleistungsmodus, unmittelbar vor der Überhitzung. Sollte er auf den Vorschlag eingehen? Wäre es taktisch klüger, eigene Vorstellungen zu äußern? Wenn ja, welche? Sollte er bei der Zehn-Millionen-Forderung bleiben oder sollte er sie ‚zur Strafe für den Hinterhalt‘ erhöhen? Worin bestünde der qualifizierteste Schachzug, an die Führungsebene der Organisation anzudocken? Was hatte dieser Janus an sich, ihn, Bassett, diesen sturmerprobten Strategen, zu verunsichern, plötzlich zögerlich werden zu lassen? Bassett hörte sich antworteten, ohne hinsichtlich seiner Überlegungen zu einem verwertbaren Ergebnis gekommen zu sein. „Ich habe keine Einwände. Weder Sie noch ich sind gewohnt, die knappe Zeit nutzlosem Geplänkel zu opfern. Ich biete Ihnen folgendes Prozedere an: Sie erhalten die Dinge, wie sie Ihnen von Bidram aufgezählt wurden. Diese können Sie hinsichtlich ihrer Herkunft eingehend prüfen. Sollten Sie zu derselben Erkenntnis gelangen wie ich, bestünde zumindest theoretisch die Möglichkeit, unsere jeweiligen Interessen in Einklang zu bringen. Konnten Sie mir bis hierher folgen?“
    Einige Sekunden herrschte Schweigen, bevor sich der Russe am anderen Ende meldete. „Sie denken doch nicht wirklich, daß eine Handlampe, ein Wurfanker, eine demolierte Spritze und eine Wasserflasche hinreichend sind, eine gemeinsame Geschäftsbasis zu begründen.“
    Bassett spürte den Spott über die satellitengestützte Funkdistanz von 72.000 Kilometern hinweg, als säße Janus ihm gegenüber. Doch fühlbarer Spott war bei Bassett reinstes Doping! Janus hatte einen Fehler begangen, er hätte dies nicht tun sollen! Nicht in dieser Form! Nicht mit Bassett! Dessen Müdigkeit war schlagartig verflogen. Plötzlich fühlte

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