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Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition)

Titel: Das Schwert des Normannen: Roman (Knaur TB) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Ulf Schiewe
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geboten, wenn wir nicht selbst ein Opfer des Brandes werden wollten.
    Die Dächer der fernen Stadt glühten im Morgenlicht, doch es regte sich nichts. Außer den unermüdlichen Zikaden und den Vögeln, die den Tag begrüßten, blieb es still. Wir dachten schon, unsere Drohung wäre wirkungslos geblieben, als wir plötzlich auf der Straße, die von der Festung herabführte, Helme und Waffen aufblitzen sahen. Voran die gleiche Reitertruppe wie gestern. Mehr Berittene hatten sie wohl nicht zur Verfügung. Dahinter aber marschierten Fußtruppen. Insgesamt waren es fünfmal so viele wie unsere Handvoll Krieger, die sich hier am Treffpunkt um Robert scharten. Was diese Übermacht hoffentlich ausgleichen würde, war die drohende Gefahr der Feuersbrunst, die wir zu entfachen imstande waren.
    Als die Byzantiner sich näherten, boten sie ein beeindruckendes Bild. Die Fußtruppen waren zum Kampf aufgestellt und marschierten langsam in einer doppelten Schildreihe voran, Wimpel und Banner über glänzenden Helmen. Dass sie dabei den Weizen niedertrampelten, schien sie nicht zu stören. Zu beiden Seiten waren sie von den gepanzerten Reitern flankiert. Deren Schlachtrösser waren große Tiere und kräftig genug, um die schwere Panzerung zu tragen. Helmbüsche, Mähnen und Schweife flatterten im Wind.
    Ich muss gestehen, bei diesem Anblick wurde mir der Mund staubtrocken. Trotz meines Kettenpanzers fühlte ich mich sehr verwundbar. Mit festgezurrtem Helm und Schild am linken Arm saß ich auf meiner Alba, die unruhig mit den Hufen scharrte. Meine Aufgabe war es, Roberts rechte Seite zu decken, wie es einem Schildträger gebührt. Das Ende meines Reiterspeers ruhte auf dem Steigbügel, das Schwert saß locker in der Scheide, falls ich es schnell ziehen musste. Wir hatten den Reiterkampf endlos geübt, dennoch hoffte ich, Robert würde nicht so verrückt sein, es auf einen Kampf gegen diese Übermacht ankommen zu lassen. Obwohl ich es ihm durchaus zutraute, denn er hatte es so verdammt eilig, sein Los endlich zu verbessern. Nun ja. Wenn die Nornen uns ein kurzes Leben beschieden hatten, ließ sich daran nichts ändern.
    Auf Befehl eines Offiziers hielt die gegnerische Kampfreihe an und rückte noch enger zusammen.
    »Ruhig Blut«, rief Robert uns zu. »Die greifen nicht an. Und wenn, sind wir schneller weg, als ihre schweren Gäule uns folgen können. Und vergesst die Fußtruppen. Die können uns nichts.«
    Auf einmal löste sich eine kleine Gruppe unter den Reitern und kam uns im Schritt entgegen. Auf etwa halbem Wege blieben sie stehen. Drei von ihnen waren mit Bogen bewaffnet, und dem vierten, einem dicken Kerl, schien seine Rüstung zu eng zu sein. Das musste der Statthalter Panagiotis sein. Er war also doch gekommen. Und der fünfte war gewiss sein Übersetzer.
    Robert ließ für die Griechen gut sichtbar Schild und Speer zu Boden fallen. Schwert und Dolch, ja sogar den Helm übergab er mir mit übertriebener Geste. Er stieg vom Pferd, hob die Arme und drehte sich einmal um die eigene Achse, damit alle sehen konnten, dass er unbewaffnet war. Schließlich trat er zur Seite, und Lando tat es ihm gleich. Zu Fuß wanderten sie beide dann in Richtung der fünf Griechen. Bei Odin, für ihren Mut musste man sie bewundern, denn den Bogenschützen boten sie ein leichtes Ziel.
    Nun setzte sich auch Panagiotis vorsichtig in Bewegung, allerdings immer noch zu Pferde, wahrscheinlich, um schnell fliehen zu können, falls wir etwas vorhatten. Sein Übersetzer war mutiger. Der kam zu Fuß. Etwa in der Mitte zwischen beiden Seiten trafen sie sich. Und was nun im Einzelnen gesprochen wurde, weiß ich nur von Lando, der es uns später haarklein erzählte.
    »Was willst du von mir, Normanne?«, knurrte Panagiotis. Sein fleischiges Gesicht war rot vor Anstrengung. Vielleicht war er das Reiten nicht gewohnt, oder das enge Kettenhemd zwackte seinen Bauch. Dennoch starrte er hochmütig von seinem Ross auf Robert herab. »Lass dir ja nichts einfallen. Wie du siehst, sind die Pfeile meiner Männer auf dich gerichtet. Also sprich jetzt.«
    Nachdem Lando übersetzt hatte, verbeugte Robert sich höflich. »Vielleicht sollten wir uns erst einmal gegenseitig vorstellen. Ich bin Robert de Hauteville. Und du bist Panagiotis, wie ich vermute.«
    »Der bin ich. Und von deinen räuberischen Brüdern habe ich schon gehört. Gesindel allesamt. Mit euch droht man hier den Kindern, wenn sie nicht gehorchen wollen.« Er lachte höhnisch. »Nur Erwachsenen könnt ihr

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