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Dave Duncan

Dave Duncan

Titel: Dave Duncan Kostenlos Bücher Online Lesen
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Sehergabe und sein Händchen für Pferde…
    Oder Hunde! Rap stieß einen stillen Schrei aus. Er spürte, wie sich Köters Haare ebenso still irgendwo in der Menge aufstellten.
    Entweder wurde es jetzt schneller dunkel als üblich, oder Rap stand kurz davor, in Ohnmacht zu fallen, denn dunkle Wellen schlugen über den Hof.
    Little Chicken hatte seine freie Hand wieder über den Ast gelegt, also wollte er es vermutlich erneut mit Schieben versuchen oder mit Ziehen, und das wäre das Ende – Rap war kaum in der Lage, aufrecht still zu stehen. Der kleinste Stoß würde ihn umwerfen.
    Köter! Hilfe!
    Nur aus Unfug versetzte Little Chicken dem Ast eine schnelle Drehung. Die Rinde kratzte auf Raps Schulter. Er war zu benommen, um viel Schmerz zu empfinden, aber auch zu benommen, um angemessen zu reagieren, und der Ast rollte ihm fast zu Boden. Rap erholte sich und schickte Köter einen verzweifelten Ruf, ein Bild, Anweisungen…
    Die schwarzen Wellen kamen immer schneller und plätscherten wie das Wasser auf dem Kiesstrand von Krasnegar. Der Hof hob und senkte sich und flimmerte vor seinen Augen. Das Ende war ganz nahe. Das konnte Little Chicken erkennen. Er begann, den Ast langsam vor und zurück zu wiegen, und amüsierte sich und die Zuschauer damit zuzusehen, wie Rap darunter hin und her wankte, mit geschlossenen Beinen, kaum geöffneten Augen und kurzen Atemstößen. Die Schwingungen wurden größer, vor und zurück… Wo würde Rap zu Boden gehen?
    Köter!
    Ein Hund so groß wie ein erwachsener Wolf kam über den Hof mit voller Geschwindigkeit auf Rap zu. Als er an Little Chicken vorbeilief, änderte er unerwartet die Richtung und sprang von hinten in dessen Kniekehlen. Hund und Junge und Ast brachen zusammen.
    Rap strampelte wild, aber es gelang ihm, sein Ende des Stammes einen Augenblick länger oben zu halten als Little Chicken. Das andere Ende war zuerst gefallen. Dann stürzte er in das Fellkleid, das ihm übergeworfen wurde. Wartende Hände griffen nach ihm und führten ihn eilig zur Behandlung in die Hütte. Köter schlich sich verwirrt davon. Die Zuschauer debattierten laut, als sie sich ins Warme aufmachten.
    Little Chicken wurde sich selbst überlassen, niedergestreckt in den Schnee, wo er mit einer Faust wütend auf den Ast einschlug und bittere Tränen weinte, die zu Eis erstarrten, bevor sie sein Kinn erreichten.

3
    Rap war halb bewußtlos, als er in die Gemeinschaftshütte getragen wurde. Dort verlor er durch den Schock der plötzlichen Wärme vollends das Bewußtsein. Doch die Frauen hatten Erfahrung bei der Behandlung von Fällen ernstlicher Unterkühlung, und ihre Heilmittel standen bereit. Nach wenigen Minuten spürte er, wie sie sich um ihn kümmerten. Er bemerkte auch die große Zuschauermenge.
    Nicht alle Qualen der Prüfung der Kobolde waren für den Verlierer vorgesehen. Wiederholt erlangte er das Bewußtsein und verlor es wieder, wenn die Höllenqualen seiner auftauenden Gliedmaßen und seines Körpers ihn marterten, wenn er sich bewegen mußte, obwohl er lieber gestorben wäre oder heiße Flüssigkeiten durch einen Schlauch in seinen Bauch gezwungen wurden. Er wurde massiert, gerieben und durchgewalkt. Dennoch hielt er stur an dem Gedanken fest, daß er dies alles in der Öffentlichkeit ertragen mußte und daß Kobolde Mut bewunderten. Wichtiger noch war, daß er glaubte, Little Chicken würde zusehen. Also schluckte er die Schreie hinunter und stand seine Folter mit zusammengebissenen Zähnen durch.
    Die Ohnmachtsanfälle gingen bald vorbei, doch blieb er benommen und verwirrt zurück durch den Schock und die Getränke, die man ihm zwangsweise eingeflößt hatte. Er wurde sich undeutlich der Stimmen bewußt, die ihn fragten, welchen Männernamen er tragen wolle, und er hörte sich nuschelnd antworten. Flat Nose sei in Ordnung. Er bemerkte kaum, daß sie lange an seiner Nase arbeiteten.
    Schließlich lichteten sich die Nebelschwaden in seinem Kopf, und er fand sich auf der Männerplattform um die mittlere Feuerstelle im großen Haus wieder. Er saß dort ganz allein, wie ein König auf seinem Thron. Die Hütte war voller Einwohner und Gäste – Männer und Jungen wie üblich schamlos unbekleidet, Mädchen und Frauen wie in Zelte gehüllt – und alle standen oder saßen an den Wänden und ließen in der Mitte des Zimmers, zwischen den beiden Feuerstellen, einen freien Raum. Das große Feuer rief an seinem Rücken Blasen hervor, und der Rauch wogte über den Köpfen wie eine niedrige

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