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Deathkiss - Suess schmeckt die Rache

Deathkiss - Suess schmeckt die Rache

Titel: Deathkiss - Suess schmeckt die Rache Kostenlos Bücher Online Lesen
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fest verschlossen war. Wahrscheinlich war es wirklich nur ein Versehen gewesen, nichts weiter.
    Sie verließ den Holzschuppen und rief nach Khan. Dann stapfte sie durch das hohe Gras zur Vorderfront des Hauses und blickte auf den See hinaus. Der alte Anlegesteg war bis auf ein paar morsche Planken noch intakt. Shannon ging bis an den Rand, zog Schuhe und Strümpfe aus und tauchte die Füße ins kühle Wasser. Es war ein himmlisches Gefühl! Sie öffnete ihren Pferdeschwanz, ließ ihr Haar auf die Schultern fallen, lehnte sich mit einem Seufzer zurück und schloss die Augen.
    Sie mochte weder Nate noch ihren Brüdern oder sonst irgendjemandem erklären, warum es sie zu diesem Umzug drängte. Es war allein ihre Entscheidung gewesen, dieses Anwesen zu kaufen. Mochten die anderen doch darüber denken, was sie wollten. Vor drei Jahren hatte sie beschlossen, sich auf ihre eigenen Beine zu stellen und sich nicht mehr von ihren Brüdern abhängig zu machen oder bevormunden zu lassen. Gut, Shea und Robert und Aaron hatten ihr in der letzten traumatischen Zeit zur Seite gestanden, aber das gab ihnen nicht das Recht, sich in ihre Entscheidungen einzumischen. Damit war jetzt Schluss.
    »Schluss«, sagte sie laut. Sie fröstelte, als hätte sich eine Wolke vor die Sonne geschoben. Doch als sie die Augen aufschlug, war der Himmel nach wie vor klar, die Sonne unverändert golden und strahlend.
    Seltsam.
    Shannon rieb sich die schmerzende Schulter und hielt nach ihrem Hund Ausschau. Er stand stocksteif da, das Fell gesträubt, den Blick starr auf den Wald jenseits des Zauns gerichtet.
    Shannons Muskeln spannten sich an.
    Ohne sich zu rühren, stieß Khan ein warnendes Knurren aus.
    »Was ist los?«, flüsterte Shannon und griff nach ihren Schuhen und Strümpfen. So allein auf dem Steg sitzend, die Füße im ruhigen Wasser, hatte sie sich unbefangen wie ein Schulmädchen gefühlt, aber das war dumm. Wusste sie es denn nicht besser? Hatte sie keine Lehre aus dem Überfall und Mary Beths Tod gezogen? So schutzlos, wie sie hier gesessen hatte, war sie leichte Beute für …
    Hör auf! So darfst du nicht denken! Du musst dein Leben weiterleben und darfst nicht dem Gefühl nachgeben, dich verkriechen zu müssen.
    Aber Mary Beth war tot. Auf grausame, brutale Weise ermordet.
    Und Dani Settler war verschwunden.
    Hatte sie zugelassen, dass der Wahnsinn, die Angst ihr an den Ort folgten, der ihre sichere Zuflucht werden sollte?
    Sie atmete tief durch und blickte zum dunklen Waldrand hinüber. Dort war nichts zu sehen, kein Mensch weit und breit. Dennoch wich die Gänsehaut auf ihren Armen nicht, und sie wurde das Gefühl nicht los, beobachtet zu werden.
    Wütend auf sich selbst rief sie dem Hund einen scharfen Befehl zu, und Khan, immer noch knurrend, klemmte den Schwanz zwischen die Beine und lief zum Pick-up.
    »Du bist ein Weichei«, sagte sie zu dem Hund, nachdem sie eingestiegen war, und kraulte ihm das Fell. Dann legte sie den Gang ein. »Wirklich, du bist ein furchtbares Weichei!«
    Und du auch, Shannon!
    Sie schaltete das Radio ein und hörte noch das Ende der Wettervorhersage, während sie den Pick-up in weitem Bogen in Richtung Zufahrt lenkte.
    »… andauernden Hitzewelle ist kein Ende in Sicht. Die Temperatur erreicht über vierzig Grad, es herrscht weiterhin erhöhte Waldbrandgefahr …«, verkündete der Sprecher gerade, als Shannon in den Rückspiegel sah.
    Augenblicklich schlug ihr das Herz bis zum Hals.
    Da war er!
    Durch den aufgewirbelten Staub erkannte sie undeutlich eine dunkle Gestalt im Spiegel, sah flüchtig, wie jemand zwischen den Bäumen hindurchhuschte.
    Sie schnappte nach Luft.
    Trat auf die Bremse und fuhr herum, um aus dem Heckfenster zu sehen. Hinter dem Pick-up legte sich allmählich der Staub.
    Die Luft flimmerte vor Hitze, verzerrte die Sicht.
    In den Schattensprenkeln unter den schwarzen Eichen war niemand zu sehen. Kein Übeltäter lauerte bösartig im Halbdunkel. Nichts Bedrohliches schlich sich durchs Dickicht.
    Shannon warf einen Blick auf den Hund. Khan sah sie erwartungsvoll an. Sein Fell war jetzt nicht mehr gesträubt.
    Außer dem Summen des Motors, dem leisen Zwitschern der Vögel und dem Zirpen von Insekten im Gras war nichts zu hören. Shannon entspannte sich. »Idiotin«, schimpfte sie mit sich selbst. Sie wollte hierher ziehen, um den Geistern der Vergangenheit zu entkommen … nicht um sie hierher mitzunehmen. Auf keinen Fall. Langsam ließ sie die Bremse los und fuhr die Zufahrt hinunter,

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