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Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition)

Titel: Delphi Saemtliche Werke von Karl May Band II (Illustrierte) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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verderbenbringenden Elemente; da zitterte nicht das menschliche Herz unter der Macht verheerender Leidenschaften; der Geist des Hasses, der Rache und Feindschaft lag angekettet im tiefen Grunde der Unterwelt, und in ungestörtem, seligem Frieden wandelten die Millionen glücklicher   Geschöpfe vertrauensvoll neben einander her. Und über ihnen allen wachte und lachte das Auge des Herrn, der in unendlicher Weisheit das Alles geordnet; die Himmel rühmten seine Ehre und die Feste erklangen von dem Schalle seines Ruhmes.
    Mit dem verlorenen Eden ging auch die Gemeinschaft mit Gott verloren; das Gottesbewußtsein schwand so sehr aus dem von der Sünde verdunkelten und von ihr beherrschten Herzen, daß es nur als leise Ahnung in demselben fortlebte und erst nach langer Zeit sich wieder bildete.
    Doch nicht plötzlich und mit einem Male ist die Erkenntniß Gottes dem Menschengeiste aufgegangen, sondern erst nach und nach in ihm emporgestiegen.
    Sobald sein Auge über die Menge der ihn umgebenden Wesen streifte, sobald er nur sich selbst zu finden suchte, mußte sich ihm die Frage aufdrängen: »Wo sind sie her und wie bin auch ich entstanden?« Der an die Endlichkeit Gebundene vermag nicht, über dieselbe hinaus zu denken; das Bestehende muß für ihn einen Anfang haben und einst ein Ende finden. Also richtete sich seine erste Frage auf den Urheber alles Dessen, was ihm als Erschaffenes, als Kreatur erschien.
    Nichts kann entstanden sein ohne einen Willen, der es gewollt, ohne eine Macht, die es in das Dasein gerufen hat. Also muß die Schöpfung ihr Dasein einem Willen verdanken, welche außer ihr liegt, und einer Macht, welche gewaltiger ist als alle Kräfte, die in ihr wirksam sind. Dieser Wille ist Gottes Wille, und seine Macht, die alles kann und Alles vermag, die keine Schwierigkeiten und Hindernisse kennt, ist Allmacht.
    Diese Macht ist dagewesen schon vor dem Seienden und wird bleiben, wenn Himmel und Erde vergehen und die Zeit ein Ende nimmt. Sie ist ohne Anfang und ohne Ende, ist von Ewigkeit zu Ewigkeit – ist ewig.
    Und immer tiefer geht der Blick des Menschen. Er sucht nach Ordnung und Zusammenhang und entdeckt die Regelmäßigkeit, mit welcher Eines in das Andere greift, jedes seine Bahnen geht und unveränderlich auf ihnen verbleibt. Von den größten Welten bis zum kleinsten Staube hat Alles seine Bestimmung, seine Bedeutung und ist grad so gemacht, wie dieselbe es erfordert. Nur Gottes Allweisheit vermochte, diese Gesetze hervorzurufen und diese unerschütterliche Ordnung zu bestimmen, welche sich durch Jahrmillionen unveränderlich erhalten hat und in alle Ewigkeit bestehen wird.
    Diese Ordnung bietet dem Forscher diejenigen Punkte, auf welche er den Blick vorzugsweise zu richten hat, denn nur durch das Eindringen in jene geheimnißvollen Tiefen, aus welchen ewige Kräfte nach ewigen und unumstößlichen Gesetzen alles Seiende über den Horizont des Lebens hereinschleuderten, ist ein Schritt um Schritt weitergehendes Vordringen in dem Wissen möglich, und wenn das Menschengeschlecht gelernt hat, jene Gesetze und Gewalten zu erfassen, so wird es ihm gelungen sein, den Zusammenhang der Weltenordnung zu durchdringen und alle Erscheinungen des Lebens zu beherrschen.
    Ganz besonders aber ist es Eines, was sich bei der Betrachtung des Bestehenden dem Auge zu erkennen giebt:
    Welches war der Grund, daß ein Gott, der in seiner unendlichen Vollkommenheit die höchste Seligkeit und Genüge in sich selbst finden mußte, sich mit Wesen umgab, die seiner Barmherzigkeit und Güte so sehr bedurften? Diese Frage öffnet einen Abgrund, welcher uns hinunterblicken läßt in die Tiefe des göttlichen Wesens und uns die größeste, herrlichste Eigenschaft kennen lehrt, der wir das Dasein und unsere Anwartschaft auf die Seligkeit des Himmels zu verdanken haben – die Liebe Gottes.
    Sie ists, welche im Rathschlusse des Allmächtigen den Ausspruch that: »Lasset uns Menschen machen!« sie ist es, welche jede neue Schöpfungsperiode mit dem göttlichen »Es werde!« bestimmte; sie ist es, welche die Welten alle und mit ihnen die Erde in die Bahnen des Himmels warf und jeder von ihnen das gab, was zu ihrem Bestehen erforderlich ist, – und sie ist es, welche aus dem Auge des ewigen Vaters leuchtet, wenn er waltend und regirend über den Sphären thronet.
    Sie konnte und mochte nicht sein, ohne sich bethätigen ohne beglücken und beseligen zu können; sie mußte Geschöpfe haben, welche es bedurften, von ihr umfaßt und

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