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Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform]

Titel: Denkwürdigkeiten aus meinem Leben [microform] Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: 1769-1843 Caroline Pichler , 1881-1925 Emil Karl Blümml
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vortrefflichen Eigenschaften kennen und schätzen lernte. Er stand mit der Kaiserin, die ihm ihr volles Vertrauen schenkte und seinen Rat wiederholt einholte (vgl. Anm. 57),in vertrauter Korrespondenz (vgl. Aima. 58). Er hatte das Referat für Niederösterreich und erwarb sich um die Lebensmittelver-sorgung Wiens große Verdienste, ergriff energische Teuerungsmaß-regeln, regte die Einführung der Tranksteuer in Niederösterreich an, die er auch durchsetzte, und trat energisch für die Aufhebung der Frone in Böhmen ein. Als Mitglied der k. k. Studienhof-kommission hatte er Einfluß auf das niedere und höhere Studien-wesen in Österreich. Seit 1783 war er auch Rat bei der k. k. Aka-demie der bildenden Künste (Hof- und Staatsschematismus. 1784, S. i). Er hatte manche Anfeindungen zu erdulden, doch erwiesen sich alle Verdächtigungen als unbegründet (vgl. Anm. 93). Nach dem Tode der Kaiserin Maria Theresia war seine Vertrauens-stellung zu Ende. Er verbUeb jedoch in Amt und Würden, denn er wußte sich rasch in die neuen Verhältnisse hineinzufinden. Erst

    Kaiser Franz II. erinnerte sich seiner vieljährigen, treuen und hingebungsvollen Dienste wieder, verlieh ihm unterm 15. März 1797 das Ritterkreuz des St. Stephansordens und ernannte ihn zum Referenten bei der k. k. Bücherzensur (Hof- und Staatsschematis-müs, 1798, S. 10). Ein Jahr darauf starb Greiner (am 2. Juni 1798). Schriftstellerisch betätigte er sich 1771 durch die Übertragung einer französischen Gelegenheitsschrift des Le Vayer de Boutigni (De Tautorite du roi, touchant Tage necessaire ä la profession solemnelle des Religieux); auch Gedichte kennen wir von ihm (vgl. Anm. 78). Aus dem Jahre 1794 (24. September) ist ein gedrucktes Mandat Kaiser Franz II., ein Verbot des Handels nach Frankreich, erhalten (Wien, Universitätsbibliothek, II 330429), das Greiner verfaßte und mit zeichnete. — Karoline Pichler ist über den Lebensgang ihres Vaters öfter nicht richtig unterrichtet. Erst Arneth (Sitzungsberichte, XXX, S. 3i2ff. und Maria Theresia, IX, S. io4f. Qesuitenkommission], 240ff. [Reform der Gymnasien], 249ff. [Bringt Felbigers Sache zum Sieg], 376f. [Robott], 391 f. [Fürsorge für Wien] und X, S. 9ff. [Tranksteuer]) und Wurz-bach (Biogr. Lexikon, V, S. 326 f.) haben das meiste klargestellt. Über seine Tätigkeit als Mitglied der Studienhofkommission, welche J. G. Megerle von Mühlfeld (Memorabilien des österreichi-schen Kaiserstaates, I. [Wien 1825], S. 287) rühmend hervorhebt, bietet Karl Freiherr von Hock (Der österreichische Staatsrath 1760—1848, Wien 1879, S. 455) einiges. Über Greiner als Frei-maurer vgl. man Anm. 195, über seinen Tod oben S. 208 ff. — Greiner war (s. sein Bild) ein dicker Herr mit einem nicht besonders einnehmenden Äußern, unter dessen ungeheurem Bauch mehr Phlegma steckte als Damen angenehm ist, wie ein Zeit-, genösse meint (vgl. G. Gugitz, Jahrbuch der Grillparzer-GeseU-schaft. XVII. S. 54)5 gleichzeitig verband Greiner damit eine derbe Ausdrucksweise, — manche seiner proverbes lebten noch in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts im Volke (Hör-mayis Taschenbuch. XXXIV. [1845], S. 114) — sodaß es mit seiner höher hinausstrebenden Gattin manche Meinungsdifferenz gab, woran auch der Hausgenosse L. L. Haschka nicht ganz schuldlos war (vgl. Anm. 73).
    ^) Friedrich Hieronymus war 1729 Wachtmeister-Leutnant, 1735 Fähnrich, 1743 Leutnant beim k. k. Regiment Wolfenbüttel, jetzt k. und k. Infanterieregiment Nr. 29 (Gideon Freiherr von London), und starb am 3. Mai 1744 in Wien im Trautmannsdorff-schen Haus in der Herrengasse, 50 Jahre alt, an Lungenbrand (Rudolf von Hödl, Geschichte des k. und k. Infanterieregiments Nr. 29. Temesvar 1906. S. 608; Totenprotokolle der Stadt Wien im Wiener Stadtarchiv. Bd. 78, Fol. 431b).

    *) Das Regiment Wolfenbüttel lag In den Jahren 1740—1744, soweit es nicht 1742—44 am bayrisch-österreichischen Erbfolge-krieg teilnahm, in den ungarischen Städten Kaschau, Leutschau, Eperies und Munkacs, sowie in verschiedenen Orten des Säroser Komitats in Garnison. Im April 1744 kamen die in Ungarn zurück-gebliebenen 2 Bataillone samt der Grenadierkompagnie nach Wien (Hödl, S. 74 und 78). In einem dieser ungarischen Orte erblickte daher Charlotte Hieronymus, später Frau von Grelner, 1740 das Licht der Welt. Die Mutter soll in Ödenburg gestorben sein (vgl. Hormayr, Taschenbuch für die vaterländische Geschichte, XXXIV [Berlin 1845], S. iii).
    ") In der Handschrift

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