Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2
erzählen wollt?«
»Vieles, das Ihr bereits wisst oder Euch denken könnt. Hernystir im Westen ist gefallen, König Lluth tot und sein Volk in die Berge geflohen. Nabban ist durch Verrat an Elias’ Verbündeten Benigaris gefallen. Skali von Kaldskryke herrscht an Isgrimnurs statt über Rimmersgard. Naglimund ist zerstört, und die Nornen spuken dort wie Geister.« Im Reden nahm sie ihren Wanderstab und zeichnete vor ihnen eine Landkarte auf die Erde, auf der sie die Orte markierte, von denen sie sprach. »Der Wald von Aldheorte ist frei, aber er ist keine Stätte, an der die Menschen sich sammeln und Widerstand leisten könnten. Er kann nur als letzte Zuflucht dienen, wenn alles andere verloren ist.«
»Und wo stehen wir jetzt, wenn nicht vor unserer letzten Hoffnung?«, fragte Josua. »Hier ist mein Reich, Geloë, das, was Ihr hier seht, nicht mehr als eine Steinwurfweite um uns herum. Wir können uns vielleicht verstecken, wie aber sollen wir Elias herausfordern, von seinem Verbündeten, dem Sturmkönig, ganz zu schweigen?«
»Aah, nun kommen wir auf das, von dem ich später noch reden wollte«, entgegnete Geloë, »und auf Dinge, die seltsamer sind als die Kriege der Menschen.« Ihre knotigen braunen Hände huschten hin und her, und wieder malte sie etwas auf die Erde vor ihren Stiefeln. »Warum sind wir in diesem Teil des Waldes sicher? Weil er unter dem Schutz der Sithi steht, die die Nornen nicht anzugreifen wagen. Seit unzähligen Jahren existiert zwischen den beiden Familien ein höchst zerbrechlicher Frieden. Ich glaube, selbst der seelenlose Sturmkönig möchte die noch lebenden Sithi nicht zum Eingreifen zu ermuntern.«
»Familien sind das?«, fragte Deornoth. Geloë warf ihm einen grimmigen Blick zu.
»Habt Ihr nicht zugehört, als Jarnauga es Euch in Naglimund erzählte?«, erkundigte sie sich herrisch. »Was nützt es, wenn die Weisen ihr Leben hingeben, wenn die, für die sie es opfern, nicht einmal zuhören?«
»Jarnauga sagte uns, dass Ineluki, der Sturmkönig, einst ein Fürst der Sithi gewesen sei«, mischte Strangyeard sich hastig ein und wedelte mit den Händen, als wolle er jeden Hauch von Uneinigkeit verscheuchen. »So viel wussten wir.«
»Viele Zeitalter waren Nornen und Sithi ein Volk«, erläuterte Geloë. »Als sie getrennte Wege gehen wollten, teilten sie Osten Ard untereinander auf, und beide versprachen, das Reich der anderen nicht ohne deren Erlaubnis zu betreten.«
»Und was nützt dieses Wissen uns armen Sterblichen?«, fragte Deornoth.
Geloë machte eine Handbewegung. »Wir sind hier sicher, weil die Nornen die Grenzen der Sithiländer achten. Selbst heutzutage, da alles schwächer geworden ist, schlummert eine Macht an solchen Orten, die die Nornen in jedem Fall zögern lässt.« Sie sah Deornoth gerade in die Augen. »Ihr habt sie gespürt, nicht wahr? Aber die Schwierigkeit liegt darin, dass wir, nur zehn oder elf Personen, zu wenige sind, uns wirksam zu wehren. Wir müssen einen Ort finden, an dem wir nicht nur vor den Nornen geschützt sind, sondern wo uns auch andere, die sich gegen die Missherrschaft Eures Bruders auflehnen, finden können. Wenn König Elias’ Macht über Osten Ard noch größer und der Hochhorst zur uneinnehmbaren Festung wird, werden wir ihm das Große Schwert, von dem wir wissen, dass er es besitzt, ebenso wenig entreißen können wie das andere, das er vielleicht besitzt. Wir kämpfen hier nicht gegen Hexenwerk allein, sondern auch einen Krieg, in dem es auf Stellungen und Einflussbereiche ankommt.«
»Was meint Ihr damit?«, fragte Josua und sah der Zauberfrau gespannt ins Gesicht.
Geloë wies mit ihrem Wanderstab auf die Karte. »Dort draußen, östlich des Waldes, liegen die Wiesen der Hoch-Thrithinge. Dort, nahe der Stelle, an der sich einst die uralte Stadt Enki-e-Shaosaye erhob, an der Grenze zwischen Wald und Grasland, ist der Ort, andem Nornen und Sithi sich für immer voneinander trennten. Er heißt Sesuad’ra – Stein des Abschieds.«
»Und dort … wären wir sicher?«, fragte Strangyeard erregt.
»Eine Zeitlang«, erwiderte Geloë. »Es ist ein Ort der Macht, darum beschützt uns das, was von ihr noch übrig ist, vielleicht eine kurze Weile vor den Schergen des Sturmkönigs. Aber schon das würde uns helfen, denn was wir am nötigsten brauchen, ist Zeit – Zeit, um alle zu sammeln, die Elias Widerstand leisten wollen, Zeit, unsere verstreuten Verbündeten zu uns zu rufen. Vor allem aber, und das ist am wichtigsten, brauchen
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