Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2
Hochkönigs«, erklärte der vor Isgrimnur stehende Mönch. »Ein gewisser Pryrates. Hat früher mal hier gearbeitet, in der Sancellanischen Ädonitis, meine ich. Soll mächtig schlau sein.«
Isgrimnur biss die Zähne zusammen, um einen Aufschrei der Wut und Überraschung zu ersticken. Er fühlte eine heiße Welle von Zorn in sich aufsteigen und stellte sich auf die Zehen, um besser sehen zu können. Tatsächlich, es war der winzige Schädel des Priesters, der da auf seinem scharlachroten Mantel auf und ab hüpfte, dessen Stoff im Fackelschein des Torhofs orangefarben leuchtete. Der Herzog erwischte sich bei der Überlegung, wie er wohl nahe genug herankommen könnte, um dem verräterischen Leisetreter ein Messer in den Wanst zu rammen. Ach , süßer Gott , welche Befriedigung!
Aber was würde es bringen, Dummkopf, abgesehen von dem unzweifelhaften Vorteil, Pryrates von dieser Erde getilgt zu haben? Es würde dich nicht zu Miriamel führen, und du würdest es nie schaffen, nach der Tat hier wegzukommen, um weiter nach ihr zu suchen. Ganz zu schweigen von dem, was los sein wird, wenn Pryrates nicht stirbt, und vielleicht ist er ja von einem magischen Schild umgeben .
Nein, es ging nicht. Aber wenn es ihm gelang, zum Lektor vorzudringen, würde er Ranessin einiges über diesen Teufelsbastard von rotem Priester und seine höllischen Ratschläge an den Hochkönig erzählen. Aber warum war Pryrates überhaupt hier?
Den Kopf voller Rachefantasien suchte Isgrimnur seine Zelle auf.
Zwanzig Ellen tiefer blickte Pryrates plötzlich zum Balkon des Aufenthaltsraums auf, als hätte dort jemand seinen Namen gerufen. Die schwarzen Augen funkelten eindringlich, und der bleiche Kopf schimmerte wie ein im Schatten des Torhofs wuchernder Giftpilz. Die Zuschauer im Aufenthaltsraum, durch Entfernung und Dunkelheit von ihm getrennt, konnten das Lächeln nicht sehen, das über seine hageren Züge huschte. Aber sie spürten den plötzlichen, eisigen Luftzug, der durch die Sancellanische Ädonitis blies und die Mäntel der Wachen blähte. Die Mönche auf dem Balkon bekamen eine Gänsehaut. Hastig zogen sie sich nach innen zurück und schlugen die Tür hinter sich zu, bevor sie ans Feuer zurückeilten.
12
Vogelflug
imon und seine Gefährten ließen Binabiks Stamm hinter sich zurück und ritten am Fuß der Trollfjälle entlang nach Südosten. Sie hielten sich eng am Saum der Vorberge, wie ein ängstliches Kind, das sich fürchtet, in tieferes Wasser hineinzuwaten. Zu ihrer Rechten dehnte sich die weiße Leere der Öde bis fern zum Horizont.
Mitten am grauen Nachmittag, als sie gerade auf einer schmalen Reihe von Steinen einen Zufluss des Blauschlammsees überquerten, flog plötzlich ein keilförmiger Zug Kraniche über sie hinweg, schnatternd und kreischend, als wollten sie den Himmel selbst zum Klingen bringen. Mit vorgestreckten Schwingen schwenkten die Vögel über den Köpfen der Reiter um, beschrieben in einer einzigen, gemeinsamen Bewegung eine Kurve und setzten ihren Flug in Richtung Süden fort.
»Drei Monate noch, bevor sie diese Reise antreten sollten«, erklärte Binabik trübe. »Falsch ist es, ganz falsch. Frühling und Sommer sind zurückgedrängt worden wie ein geschlagenes Heer.«
»Es kommt mir nicht viel kälter vor als damals auf dem Weg zum Urmsheim«, bemerkte Simon und hielt Heimfinders Zügel fest.
»Das war im späten Frühling«, brummte Sludig, der auf den vom Wasser glitschigen Steinen nur mühsam Halt fand. »Jetzt haben wir Mittsommer.«
Simon dachte darüber nach. »Oh«, sagte er.
Am anderen Ufer des kleinen Flusses rasteten sie und teilten etwas von dem Proviant, den Binabiks Stammesgenossen ihnen mitgegeben hatten. Die Sonne war grau und fern. Simon fragte sich, wo er wohl im nächsten Sommer sein würde – vorausgesetzt, dass es einen nächsten Sommer gab.
»Kann der Sturmkönig machen, dass immer Winter ist?«, fragte er.
Binabik zuckte die Achseln. »Das liegt nicht in meinem Wissen. In diesem Yuven- und Tiyagarmonat jedenfalls hat er es sehr gut gekonnt. Wir wollen nicht daran denken, Simon. Es wird unsere Aufgabe keineswegs erleichtern, wenn wir uns auch noch Sorgen über solche Dinge machen. Entweder wird der Herr der Stürme triumphieren, oder er wird es nicht tun. Nur darauf kommt es an.«
Simon schwang sich ungeschickt in den Sattel. Er beneidete Sludig um seine Gewandtheit. »Ich rede nicht davon, dass wir ihn aufhalten sollen«, meinte er gereizt. »Ich wüsste nur gern, was er
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