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Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2

Titel: Der Abschiedsstein: Das Geheimnis Der Grossen Schwerter 2 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tad Williams
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Mann.«
    Sludig, der schweigend danebengestanden hatte, mischte sich plötzlich ein. »Der Lektor ist Mitglied eures heidnischen Bundes?«, fragte er erstaunt. »Zusammen mit Trollen und ihresgleichen?«
    Binabik lächelte sparsam. »Nicht der Lektor. Vater Dinivan, sein Gehilfe. Und es ist kein ›heidnischer Bund‹, Sludig, sondern eine Gruppe von Leuten, die wichtiges Wissen erhalten wollen – für Zeiten wie diese.« Er runzelte die Stirn. »Ich überlege, wer es sonst noch sein könnte, der uns diese Botschaft geschrieben hat, uns, oder vielmehr mir, denn wahrscheinlich waren es die Künste meines Meisters, die diesen Vogel zu mir geführt haben. Wenn es keiner der beiden ist, die ich genannt habe, weiß ich es auch nicht zu sagen, denn Morgenes und mein Meister Ookequk sind tot. Ich kenne keineanderen Träger der Schriftrolle, es sei denn, man hätte inzwischen neue hinzugewählt.«
    »Könnte es Geloë sein?«, fragte Simon.
    Binabik dachte einen Augenblick nach, schüttelte dann aber den Kopf. »Zwar gehört sie zu den Weisesten der Weisen, aber sie war niemals wirklich eine Trägerin der Schriftrolle. Ich glaube auch nicht, dass sie die Rune des Bundes statt ihrer eigenen benutzen würde.« Er stieg auf Qantaqas Rücken. »Wir wollen beim Reiten über den Sinn dieser Warnung nachdenken. Viele Boten haben uns bis hierher geführt, und vielen anderen werden wir ohne Zweifel in den nächsten Tagen und Wochen noch begegnen. Welche von ihnen sind falsch? Das ist ein Rätsel von großer Schwierigkeit.«
    »Seht, die Raben fliegen fort!«, rief Sludig. Simon und Binabik drehten sich um. Die Vögel stiegen von dem Gehölz auf wie Rauch, wirbelten am grauen Himmel und schwenkten dann in nordwestlicher Richtung ab. Ihre Stimmen waren noch lange zu hören.
    »Sie haben getan, womit man sie beauftragt hatte«, sagte Binabik. »Jetzt kehren sie zur Sturmspitze zurück, denkt ihr nicht auch?«
    Simons kalte Furcht wuchs. »Du meinst … der Sturmkönig hat sie uns nachgeschickt?«
    »Ich zweifle kaum daran, dass sie diese Botschaft von uns fernhalten sollten«, erklärte Binabik und bückte sich nach seinem Wanderstab, der noch auf dem Boden lag.
    Simon sah dem Flug der immer kleiner werdenden Raben nach. Fast erwartete er, eine dunkle Gestalt am nördlichen Himmel aufragen zu sehen, glühendrote Augen im gesichtslosen schwarzen Haupt.
    »Diese Sturmwolken am Horizont sehen sehr dunkel aus«, bemerkte er. »Viel dunkler als vorhin.«
    »Der Junge hat recht«, bestätigte Sludig finster. »Ein übles Wetter braut sich da zusammen.«
    Binabik seufzte. Auch sein rundes Gesicht war grimmig. »Den zweiten Teil der Botschaft verstehen wir alle. Der Sturm wird stärker, in mehr als nur einer Hinsicht. Vor uns liegt eine lange Reise durch offenes und ungeschütztes Gelände. Wir werden reiten müssen, so schnell wir nur können.«
    Qantaqa setzte sich in Trab. Simon und Sludig spornten ihre Pferde. Getrieben von etwas, das er selbst nicht verstand, drehte Simon sich noch einmal um, obwohl er schon wusste, was er dort sehen würde.
    Die Raben, jetzt kaum mehr als schwarze Punkte im Wind, verschwanden in der dunklen Brandung des heraufziehenden Sturms.

13
Der Stamm des Hengstes

    ach fast einem Monat im ungeheuren, uralten Aldheorte erreichte die Schar des Prinzen endlich die Ebenen. Als sie die letzte Baumreihe hinter sich gelassen hatten, öffnete sich vor ihnen das Grasland, eine weite Fläche welliger, in Morgendunst gehüllter Wiesen, die nahtlos in den grauen Horizont überging.
    Vater Strangyeard beschleunigte seinen Gang, um Geloë einzuholen. Zielstrebig wanderte die Zauberfrau hinaus ins flache Land. Die nassen Halme bogen sich unter ihrem Schritt.
    »Valada Geloë«, sagte Strangyeard atemlos, »ach, es ist ein wunderbares Buch, das Morgenes da geschrieben hat! Wunderbar! Valada Geloë, habt Ihr diese Stelle gelesen?« Er wollte die losen Blätter umschichten, stolperte über ein Grasbüschel und hielt nur mühsam das Gleichgewicht. »Ich glaube, dass dort etwas Wichtiges steht. Oh, wie albern von mir, wie töricht – es gibt so viel Wichtiges. Was für ein wunderbares Buch!«
    Geloë legte die Hand auf Leleths Schultern, worauf das Kind sofort anhielt. Das kleine Mädchen blickte nicht auf, sondern stand, wo es stehen geblieben war, und starrte hinaus in den Nebel.
    »Strangyeard, Ihr werdet Euch noch verletzen«, sagte Geloë brüsk. Sie schenkte ihm einen erwartungsvollen Blick. »Nun?«
    »Liebe Güte«,

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