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Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Der dunkle Turm - Gesamtausgabe

Titel: Der dunkle Turm - Gesamtausgabe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen King
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»Ich komme als Bote zu Euch und erflehe Eure Verzeihung für alle Ungelegenheitigkeiten, die ich bereiten könnte, o aye, ich bin nämlich ein Ärgerling für die Leute, weiß ich so gut wie sie. Die solln für Euch sein. Hier.«
    Er hielt sie ihr hin, und sie sah einen kleinen, zusammengelegten Umschlag dazwischen stecken.
    »Susan?« Tante Cords Stimme von seitlich hinter dem Haus… und sie kam näher. »Susan, habe ich das Tor gehört?«
    »Ja, Tante!«, rief sie zurück. Verflucht seien die scharfen Ohren dieser Frau! Susan nahm den Umschlag mit tauben Fingern zwischen den Flammenblumen und den Gänseblümchen heraus. Und ließ ihn in der Tasche ihres Kleids verschwinden.
    »Sind von meinem drittbesten Freund«, sagte Sheemie. »Ich habe jetzt drei verschiedene Freunde. So viele.« Er hielt zwei Finger hoch, runzelte die Stirn, fügte noch zwei hinzu und grinste dann strahlend. »Arthur Heath, mein bester Freund, Dick Stockworth, mein zweitbester Freund. Mein drittbester Freund…«
    »Still!«, sagte Susan mit einer leisen, zischenden Stimme, bei der Sheemies Lächeln sofort verschwand. »Kein Wort über deine drei Freunde.«
    Ein komisches Erröten, fast wie ein kleiner Fieberanfall, huschte über ihre Haut – es schien von den Wangen über den Hals bis hinunter zu den Füßen zu laufen. In den vergangenen Wochen war in ganz Hambry viel über Sheemies drei neue Freunde geredet worden – und, wie es schien, über kaum etwas anderes. Die Geschichten, die sie gehört hatte, waren unfassbar, aber wenn sie nicht stimmten, warum stimmten dann die Versionen so vieler Zeugen so sehr miteinander überein?
    Susan versuchte immer noch, sich wieder in den Griff zu bekommen, als ihre Tante Cord auch schon um die Ecke gerauscht kam. Sheemie wich bei ihrem Anblick einen Schritt zurück, und aus seiner Verwirrung wurde regelrechter Widerwille. Ihre Tante war allergisch gegen Bienenstiche und derzeit von der Krempe ihrer Stroh -’brera bis zum Saum ihres ausgebleichten Gartenkleids in Gazestoff gehüllt, mit dem sie schon im hellen Licht seltsam aussah, im Schatten aber regelrecht unheimlich. Als letzten Schliff für ihr Kostüm hielt sie eine schmutzverkrustete Gartenschere in der behandschuhten Hand.
    Sie sah den Strauß und stürzte sich mit erhobener Schere darauf. Als sie neben ihrer Nichte stand, schob sie die Schere in eine Schlaufe ihres Gürtels (fast widerwillig, wollte es der Nichte scheinen) und teilte den Schleier vor ihrem Gesicht. »Wer hat die geschickt?«
    »Ich weiß nicht, Tante«, sagte Susan weitaus ruhiger, als sie sich fühlte. »Das ist der junge Mann aus der Schänke…«
    »Schänke!«, schnaubte Tante Cord.
    »Er scheint nicht zu wissen, wer ihn geschickt hat«, fuhr Susan fort. Wenn sie ihn nur von hier wegbringen könnte! »Er ist, nun, du würdest wahrscheinlich sagen, er ist…«
    »Er ist ein Narr, aye, das weiß ich.« Tante Cord warf Susan einen kurzen, gereizten Blick zu, dann widmete sie Sheemie ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Sie stützte beim Reden die behandschuhten Hände auf die Knie und schrie ihm offen ins Gesicht, als sie fragte: »WER… HAT… DIESE… BLUMEN… GESCHICKT… JUNGER… MANN?«
    Die Flügel ihres Gesichtsschleiers, die sie zur Seite gestreift hatte, fielen wieder nach vorn. Sheemie wich einen weiteren Schritt zurück. Er sah verängstigt aus.
    »WAR ES… MÖGLICHERWEISE… JEMAND AUS… SEAFRONT?… VON… BÜRGERMEISTER… THORIN?… SAG ES… MIR… UND… ICH… GEBE… DIR… EINEN PENNY.«
    Susan verließ der Mut, ganz bestimmt würde er es sagen – er hatte nicht Verstand genug, um zu begreifen, dass er sie in Schwierigkeiten bringen würde. Und Will wahrscheinlich auch.
    Aber Sheemie schüttelte nur den Kopf. »Kann mich nicht erinnern. Hab ein leeren Kopf, Sai, das hab ich. Stanley sagt, is ’n Spatzenhirn.«
    Sein Grinsen kam wieder zum Vorschein, eine strahlende Angelegenheit mit weißen, ebenmäßigen Zähnen. Tante Cord beantwortete es mit einer Grimasse. »O pfui! Dann geh fort. Und zwar geradewegs in die Stadt zurück – häng nicht hier herum und mach dir Hoffnungen. Ein Junge, der sich nicht erinnern kann, hat keinen Penny verdient! Und komm nicht wieder hierher, wer immer dir auch Blumen für die junge Sai mitgibt. Hast du verstanden?«
    Sheemie hatte nachdrücklich genickt. Und dann sagte er: »Sai?«
    Tante Cord sah ihn finster an. An jenem Tag war die senkrechte Linie auf ihrer Stirn überdeutlich zu sehen gewesen.
    »Warum so ganz in

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