Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
Hose schwarz aussah. Er ließ dieses diplomatische Kabinett reinigen, richtete sich darin ein und begann, Pässe auszustellen und sich ähnlich wichtigen Aufgaben zu widmen.
Im Unterschied zu mir, dem meine ordentliche Handschrift eine zuverlässige Stütze ist, war Chateaubriands Handschrift der Entfaltung seiner Fähigkeiten eher hinderlich. Kardinal Fesch verdrehte die Augen, als er seine Unterschrift zu sehen bekam, und da der Kardinal weder Atala noch den Geist des Christentums gelesen hatte, fragte er sich, was jemand, dessen Name die ganze Breite eines Blatts Papier einnahm, Vernünftiges schreiben können sollte.
Da es in der hohen Position eines Botschaftssekretärs, von der Übelgesinnte
gemunkelt hatten, sie werde seine Intelligenz überfordern, so gut wie nichts zu tun gab, vertrieb er sich die Zeit damit, aus seinem Mansardenfenster über den Dächern zu einem Nachbarhaus zu schauen, in dem ihm Wäscherinnen zuwinkten und eine zukünftige Sängerin ihn mit ihren unablässigen Solfeggien verfolgte. Wenn ein Trauerzug zu seiner Unterhaltung unten vorbeiging, fühlte er sich glücklich, weil der Tod ihn an die unsterbliche Poesie von Himmel und Erde erinnerte. Und von seinem Fenster aus sah er in der Straßenschlucht den Leichenzug einer jungen Mutter, die mit enthülltem Gesicht zwischen zwei Reihen Büßermönchen getragen wurde, ihr ebenfalls verstorbenes blumenbekränztes Neugeborenes zu ihren Füßen.
In den ersten Tagen seines Aufenthalts beging Chateaubriand einen großen Fehler. Der ehemalige König von Sardinien, den Bonaparte abgesetzt hatte, weilte in Rom; Chateaubriand machte ihm seine Aufwartung, denn große Herzen haben eine natürliche Affinität zu allem Gestürzten. Dieser Besuch hatte die Wirkung eines diplomatischen Sturms, der über den Palazzo der Botschaft hereinbrach. Alle Diplomaten wandten sich beim Anblick des Sekretärs ab, zeigten ihm die kalte Schulter und murmelten untereinander: »Das ist sein Ende!«
»Da war kein diplomatischer Gimpel«, schreibt Chateaubriand, »der sich auf der Höhe seiner grenzenlosen Dummheit mir nicht überlegen wähnte. Man hoffte wohl, dass ich nun stürzen würde, obwohl ich nichts war und auch nichts weiter galt, gleichviel, Hauptsache, dass jemand zu Fall kommt, das macht immer Vergnügen. In meiner Einfalt ahnte ich nichts von meinem Vergehen. Die Könige, denen ich, wie man meinte, eine so große Wichtigkeit beimaß, hatten in meinen Augen nur die ihres Unglücks. Man berichtete von Rom nach Paris über meine erschreckenden Torheiten. Glücklicherweise hatte ich mit Bonaparte zu tun; und was mich zugrunde richten sollte, errettete mich.«
Chateaubriand langweilte sich schier zu Tode. Die Tätigkeit, der man seine Verdienste und seine Intelligenz nicht gewachsen gewähnt hatte, bestand darin, Federn zuzuschneiden und Briefe zu versenden. In den Auseinandersetzungen, die sich anbahnten, hätte man ihn sinnvoll beschäftigen können, doch man weihte ihn in keines der diplomatischen Mysterien ein. Er begnügte sich klaglos mit den Streitfällen der Kanzlei, doch es muss gesagt werden, dass man den größten Denker seiner Zeit für Arbeiten einsetzte, die der erstbeste Schreiber ebenso gut verrichtet hätte.
Eine der wichtigsten Aufgaben, mit denen man ihn betraute, bestand
darin, der Fürstin Borghese eine Kiste mit Schuhen aus Paris zu überbringen. Die Fürstin probierte mit vollendeter Anmut fünf oder sechs Paar in seiner Anwesenheit als Zeichen des Danks; diese eleganten Schuhe sollten an ihren Füßen den alten Erdboden der Söhne der Wölfin nur kurze Zeit berühren.
Chateaubriand hatte bereits beschlossen, den diplomatischen Dienst an den Nagel zu hängen, eine Laufbahn, bei der sich zu der Geistlosigkeit der Beschäftigung persönliche politische Händel gesellten, als ein persönliches Unglück ihm zu der Langeweile des Geistes den Kummer des Herzens brachte. Bei seiner Rückkehr aus dem Exil hatte ihn eine Madame de Beaumont aufgenommen, die Tochter des Grafen von Montmorin, des seinerzeitigen französischen Gesandten in Madrid, Kommandant der Bretagne und Minister für Auswärtige Angelegenheiten unter Ludwig XVI., der den Grafen sehr schätzte und dem dieser samt eines Teils seiner Familie auf das Schafott folgte.
Die Porträts, die Chateaubriand zeichnet, sind so poetisch, dass man, wenn man über ihn spricht, immer wieder versucht ist, seine Worte dem Leser zu zitieren, in der Überzeugung, dass auch er bewundern wird, was man
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