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Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
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gestelzt anmutet.
    Seine Fahrt durch die lombardische Ebene ist ein Beispiel dieses unvergleichlichen Stils; er malt uns das Bild unserer Soldaten in der Fremde
und zeigt, warum man uns überall, wo wir hinkommen, liebt und verabscheut.
    »Die französische Armee richtete sich in der Lombardie wie eine militärische Kolonie ein. Die Fremdlinge aus Gallien und ihre wachhabenden Kameraden mit ihren Polizeimützen wirkten wie eifrige und fröhliche Schnitter, die statt der Sichel einen Säbel umhängen hatten. Sie versetzten Steine, schleppten Kanonen, fuhren Karren, errichteten Unterstände und Laubhütten. Pferde tummelten sich, bäumten sich auf, tänzelten in der Menge wie Hunde, die ihren Herrn umspringen. Auf dem Markt dieser närrischen Armee verkauften die Italienerinnen Früchte aus ihren flachen Körben; unsere Soldaten schenkten ihnen ihre Pfeifen und ihre Feuerzeuge und sagten zu ihnen, was ihre Vorfahren, die alten Barbaren, zu ihren Geliebten gesagt hatten: ›Ich, Fotrad, Sohn des Eupert aus dem Geschlecht der Franken, schenke dir, Helgine, meinem geliebten Eheweib, zu Ehren deiner Schönheit meine Behausung im Viertel der Tannen. ‹
    Wir sind eigenartige Gegner: Zuerst findet man uns ein wenig dreist, ein wenig zu munter, zu mutwillig; und kaum haben wir den Staub von unseren Füßen geschüttelt, weint man uns nach. Der französische Soldat ist lebhaft, geistreich, intelligent und legt bei allen Verrichtungen seiner Logiergeber Hand an; er holt Wasser am Brunnen, ganz wie Moses für die Töchter des Priesters in Midian, er verjagt die Hirten und tränkt die Schafe, er hackt Holz, macht Feuer, wacht über den Kochtopf, trägt das Kleinkind in den Armen oder schaukelt es in der Wiege. Seine gute Laune und seine Umtriebigkeit erfüllen alles mit Leben, und nach und nach hält man ihn für einen familieneigenen Rekruten. Wird die Trommel gerührt? Der Besatzungssoldat eilt zu seiner Muskete, lässt die Töchter des Hauses weinend auf der Türschwelle zurück und verlässt das Bauernhaus, an das er erst wieder denken wird, wenn er im Invalidenheim weilt.
    Als ich Mailand durchreiste, war ein großes Volk erwacht und öffnete kurz die Augen. Italien schüttelte den Schlaf ab und entsann sich seines Genius wie eines göttlichen Traumes; als nützlicher Verbündeter unseres wiedererstehenden Landes versah dieses Ausonien die Schäbigkeit unserer Armut mit dem Glanz transalpiner Mentalität, der sich den Kunstwerken und erhabenen Erinnerungen eines so berühmten Ursprungslandes verdankte. Dann kam Österreich; es deckte seinen bleiernen Mantel über Italien und zwang die Italiener in den Sarg zurück. Rom ist in seine Ruinen zurückgekehrt, Venedig in sein Meer. Im Sterben verschönerte Venedig
den Himmel mit einem letzten Lächeln, bevor es betörend in den Fluten versank wie ein Gestirn, das nie wieder aufgehen wird.«
     
    Am Abend des 27. Juni traf Chateaubriand in Rom ein; am nächsten Tag war Sankt Peter, einer der vier höchsten Feiertage der Ewigen Stadt.
    Am 28. durchstreifte er den ganzen Tag die Stadt; wie jeder Neuankömmling warf er einen ersten Blick auf das Kolosseum, das Pantheon, die Trajanssäule und die Engelsburg. Abends nahm Monsieur Artaud, sein Amtsvorgänger, ihn zu einer Gesellschaft in ein Gebäude in der Nähe des Petersplatzes mit; dort sahen sie zwischen den wirbelnden Walzern, die vor den offenen Fenstern einhertanzten, die Feuergirlande der Kuppel Michelangelos, während die Leuchtraketen des Feuerwerks an der Hadrianmole sich über Sant’ Onofrio und über Tassos Grab entfalteten.
    Stille, Andacht und Dunkelheit herrschten in der Campagna.
    Am nächsten Tag besuchte Chateaubriand den Gottesdienst im Petersdom, bei dem Papst Pius VII. die Messe feierte. Zwei Tage später wurde er Seiner Heiligkeit vorgestellt; der Papst hieß ihn sich neben ihn setzen, was eine seltene Ehre war, denn bei der päpstlichen Audienz pflegen die Besucher zu stehen. Allerdings lag ein geöffneter Band des Geistes des Christentums auf dem Tisch.
    Mit Vergnügen entdecken wir in dem großen Geist Chateaubriands mitten unter all den herrlichen Wendungen, die unsere Phantasie ansprechen, die unscheinbaren und alltäglichen Details, deren sich jedermann entsinnt.
    Kardinal Fesch hatte nahe dem Tiber den Palazzo Lancelotti gemietet, und man hatte dem jungen Botschaftssekretär das oberste Stockwerk des Palazzos zugewiesen. Als er es betrat, sprangen ihm so viele Flöhe an den Beinen hoch, dass seine weiße

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