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Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
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Chateaubriand die Nachricht, der Erste Konsul habe ihn zum Gesandten in der neu gegründeten Republik Wallis ernannt. Bonaparte hatte begriffen, dass der Verfasser des Geistes des Christentums zu jenen Menschen zählte, die nur in herausragender Position zu etwas nütze sind und die man nicht mit anderen zusammenspannen darf.
    Chateaubriand kehrte nach Paris zurück; und dankbar, dass Bonaparte seine Verdienste gewürdigt hatte, widmete er ihm die zweite Auflage des Geistes des Christentums . Diese Widmung habe ich vor mir, und ich schreibe sie ab, denn die Ausgabe, die sie enthält, scheint mittlerweile recht selten geworden zu sein:
    An den Ersten Konsul, General Bonaparte.
    General,
    Sie waren so gnädig, diese zweite Auflage des Geistes des Christentums mit Ihrem Wohlwollen zu bedenken. Es ist dies eine neuerliche Bezeigung der Gunst, die Sie der edlen Sache erweisen, die im Schutz Ihrer Macht triumphiert. In Ihrem Geschick ist das Walten der Vorsehung nicht zu leugnen, der Vorsehung, die Sie von Anfang an zur Erfüllung ihrer großen Ziele ausersehen hatte. Die Völker blicken auf Sie, und das durch Ihre Siege gemehrte Frankreich setzt all seine Hoffnung in Sie, seit Sie die Religion zur Grundlage des Staates und Ihres Gedeihens gemacht haben.
    Reichen Sie auch weiterhin den dreißig Millionen Christen die Hand, die an den Altären, die Sie ihnen zurückgaben, für Sie beten.
    Mit tiefster Hochachtung verbleibe ich, General,
Ihr ergebenster und gehorsamster Diener
    CHATEAUBRIAND

    So waren die Beziehungen beschaffen, die zwischen dem Ersten Konsul und dem Dichter bestanden, als Bonaparte die Abschiedsaudienz für Monsieur de Chateaubriand, den er zum Minister im Wallis ernannt hatte, um zwei Stunden verschob, weil er sich über den Herzog von Enghien beraten wollte.

40
    Der Entschluss
    Bevor wir diese lange Abschweifung über den Verfasser des Geistes des Christentums eröffneten, erwähnten wir, dass Bonaparte angeordnet hatte, man möge ihn nicht stören. Diese Anordnung bedeutete, dass er sich in seinen Zorn so heftig hineinsteigern wollte, wie es das Thermometer der Leidenschaft nur erlaubte. Im Unterschied zu anderen, die sich beruhigen, wenn sie mit sich allein sind, die das Nachdenken besänftigt, überhitzte sich in solchen Momenten seine Phantasie in ihrer Reizbarkeit, ein Sturm braute sich in seinem Inneren zusammen, und wenn dieser Sturm losbrach, musste der Blitz ein Opfer treffen.
    Er speiste allein, und als Monsieur Réal abends zur Arbeit mit einem Bericht erschien, der demjenigen glich, den der Erste Konsul morgens erhalten hatte, der aber in dem Staatsrat völlig andere Überlegungen ausgelöst hatte, fand er den Ersten Konsul über einen Tisch gebeugt vor, auf dem große Landkarten entrollt lagen.
    Bonaparte studierte die Entfernung vom Rhein nach Ettenheim, maß sie, rechnete die Wegstunden aus. Während er damit beschäftigt war, trat Monsieur Réal ein.
    Bonaparte blickte auf, stützte sich mit einer Faust auf den Tisch und begrüßte den Staatsrat mit den Worten: »So, so, Monsieur Réal, Sie sind für meine Polizei zuständig, Sie sehen mich jeden Tag, und Sie vergessen, mir zu sagen, dass der Herzog von Enghien sich vier Wegstunden von meiner Grenze entfernt aufhält, wo er militärische Verschwörungen anzettelt!«
    »In der Tat«, erwiderte Réal ungerührt, »komme ich, um mit Ihnen über all das zu sprechen. Der Herzog von Enghien hält sich keineswegs vier Wegstunden von Ihrer Grenze entfernt auf, sondern in Ettenheim,
das er nicht verlassen hat und das zwölf Wegstunden von der Grenze entfernt ist.«
    »Und wenn schon!«, versetzte Bonaparte. »War Georges etwa nicht sechzig Meilen weit weg? Und Pichegru achtzig? Und wo war Moreau? Der war wohl keine vier Wegstunden weit entfernt, wie? Er weilte in der Rue d’Anjou-Saint-Honoré, in vierhundert Schritt Entfernung zum Tuilerienpalast; er musste nur mit den Fingern schnipsen, und seine zwei Komplizen waren in seiner Nähe in Paris... Angenommen, sein Vorhaben wäre ihm geglückt: Ein Bourbone wäre in der Hauptstadt und träte meine Nachfolge an. Das wäre ja noch schöner! Ich bin wohl ein Hund, den man auf der Straße totschlagen kann, während meinen Mördern kein Haar gekrümmt werden darf!«
    In diesem Augenblick trat Monsieur de Talleyrand in Begleitung des Zweiten und des Dritten Konsuls ein.
    Bonaparte stellte sich vor den Außenminister und fuhr ihn an: »Was macht eigentlich Ihr Minister Massias in Karlsruhe, während die

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