Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
Vom Netzwerk:
selbst bewundert hat. Sehen Sie nun das Porträt der Freundin, die Sie nicht kennen, nicht einmal dem Namen nach, und die vor Ihnen erscheinen wird, als höbe der Zauberstab der Wahrsagerin von Endor den Schleier von ihrem Gesicht.
    »Madame de Beaumont, deren Antlitz eher hässlich als schön war, ähnelte sehr dem Porträt, das Madame Lebrun von ihr malte. Ihr Gesicht war abgezehrt und bleich. Die mandelförmig geschnittenen Augen wären vielleicht zu glänzend gewesen, hätte nicht eine außerordentliche Liebenswürdigkeit den Blick halb gesänftigt, indem sie ihn schmachtend machte, so wie ein Lichtstrahl sich sänftigt, wenn er durch kristallklares Wasser hindurchgeht. Ihr Charakter war von Strenge und Unnachgiebigkeit gekennzeichnet, was der Heftigkeit ihrer Gefühle und ihrem Leiden geschuldet war. Sie war eine edle Seele und ein großer Geist und für die Welt bestimmt, aus der sie sich willentlich und aus Not zurückgezogen hatte; doch wenn eine Freundesstimme die einsame Intelligenz aus ihrem Versteck rief, kam sie und sagte Worte, die vom Himmel hätten kommen können.«
    Die Ärzte empfahlen Madame de Beaumont die Luft des Südens, und Chateaubriands Anwesenheit in Rom bewegte sie dazu, sich dorthin zu begeben. In den ersten Tagen nach ihrer Ankunft besserte ihr Zustand
sich merklich. Monsieur de Chateaubriand fuhr im Wagen mit ihr aus und zeigte ihr die ganze prachtvolle Ewige Stadt; doch um zu sehen, zu lieben und zu bewundern, muss man leben. Die Kranke fand an nichts mehr Gefallen. Eines Tages besuchte er mit ihr das Kolosseum. Es war einer jener Oktobertage, wie man sie nur in Rom erlebt. Die Leidende setzte sich auf einen Stein vor einem der Altäre an der Innenmauer des Gebäudes; sie hob den Blick und ließ ihn langsam über das Gemäuer schweifen, das selbst seit so vielen Jahren tot war und so viele Menschen und Dinge hatten sterben sehen. Brombeerranken und herbstlich gelbe Akelei schmückten die von der Herbstsonne vergoldeten Ruinen; dann wandte die Sterbende ihren Blick vom Sonnenlicht ab, richtete ihn an den Sitzreihen entlang hinunter bis zur Arena, wo er auf dem Kreuz des Altars verharrte, und sagte: »Gehen wir, mir ist kalt!«
    Monsieur de Chateaubriand brachte sie in ihre Wohnung; sie legte sich zu Bett und zur letzten Ruhe.
    Der Dichter schildert den Tod Madame de Beaumonts mit den Worten: »Sie bat mich, das Fenster zu öffnen, weil sie sich beklemmt fühlte. Ein Sonnenstrahl fiel auf ihr Bett und schien sie zu erquicken. Sie erinnerte sich nun an die Pläne zu einem gemeinsamen Landaufenthalt, über die wir uns manchmal unterhalten hatten, und sie begann zu weinen.
    Zwischen zwei und drei Uhr nachmittags bat Madame de Beaumont ihre alte spanische Kinderfrau, Madame Saint-Germain, die ihr mit größter Anhänglichkeit diente, sie möge sie umbetten; der Arzt widersetzte sich dem, aus Furcht, dass Madame de Beaumont während dieser Umbettung stürbe. Dann sagte sie zu mir, sie spüre das Herannahen der Agonie. Plötzlich warf sie die Bettdecke weg, hielt mir die Hand hin, presste die meine in einem Krampf, ihre Augen verdrehten sich. Mit der freien Hand machte sie irgendjemandem, den sie am Fuß ihres Bettes sah, ein Zeichen, dann sagte sie mit auf ihre Brust gelegter Hand: ›Da ist es!‹
    Erschreckt fragte ich sie, ob sie mich erkenne: Inmitten ihrer Verwirrung leuchtete ein leises Lächeln auf, sie bejahte es mir durch ein leichtes Neigen des Kopfes; ihre Sprache war schon nicht mehr in dieser Welt. Die Zuckungen währten nur wenige Minuten. Wir hielten sie in unseren Armen, ich, der Arzt und die Krankenwärterin: Eine meiner Hände lag auf ihrem Herzen, das mit der Geschwindigkeit eines überdrehten Uhrwerks gegen ihre zarten Knochen hämmerte.
    Plötzlich spürte ich, wie es stillstand. Wir betteten die zur Ruhe gekommene Frau auf ihr Kissen; ihr Kopf sank zur Seite. Einige ihrer aufgelösten
Locken fielen ihr in die Stirn; ihre Augen waren geschlossen, die ewige Nacht hatte sich herabgesenkt. Der Arzt hielt einen Spiegel und eine brennende Kerze an den Mund der Fremden. Der Spiegel wurde vom Atem des Lebens nicht getrübt, und das Licht blieb unbeweglich. Alles war zu Ende.«
    Ich werde Dich immer lieben , besagt die griechische Grabinschrift auf dem Grabmal Madame de Beaumonts, doch Du im Totenreich trinke, ich bitte Dich, nicht von den Wassern der Lethe, die Dich die Menschen, die Du geliebt hast, vergessen machen würden.
     
    Einige Zeit darauf erhielt Monsieur de

Weitere Kostenlose Bücher