Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine

Titel: Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alexandre Dumas
Vom Netzwerk:
fröhlich zu sehen.
    Bernard hatte einen Baum namens Tsitschu angezapft und einen Lack erhalten, der so fest und durchsichtig war wie der berühmte Japanlack.
    Die Sklaven hatten auf dem Kaula-Tschu Muschelschalen voller Wachs gesammelt, das von einem Wurm namens Pelatschong ausgeschieden wird und aus dem man Kerzen macht, die so rein und durchsichtig wie die feinsten Wachskerzen sind.
    Eine Dschungelfrucht, die in riesigen Trauben wächst, hatte man geerntet, denn aus ihr wird ein alkoholisches Getränk bereitet, das die Neger und die Inder der unteren Kasten über alles lieben.
    Keine dieser Vorbereitungen wurde vor Jane verheimlicht, und jede dieser Vorbereitungen, die ihrer Schwester ein Glück verhießen, auf das sie selbst nie hoffen konnte, brach ihr das Herz, obwohl sie ihre Schwester zärtlich liebte.
    Am Abend des Samstags war Jane Gemütsbewegungen ausgesetzt, die René nicht entgingen.
    Er sah sie aufstehen und den Raum verlassen; er wartete einige Sekunden, dann erhob er sich und folgte ihr; sie konnte nur zu ihrem Zimmer gegangen sein. Er betrat die Treppe, und auf der vierten Stufe sah er Jane ohnmächtig liegen; er hob sie auf und trug sie in ihr Zimmer. Für gewöhnlich kam Jane zu Bewusstsein, wenn man ihr bei solchen Ohnmachten Riechsalz gab. Diesmal erwachte sie nicht. Jane lag auf Renés Knien, die Brust an seiner Brust; ihre Hand war so kalt wie Marmor; ihr Herz schlug nicht mehr; Renés Mund befand sich wenige Zentimeter von Janes Mund entfernt, und er erriet instinktiv, dass er nur seinen Atem in die Brust des jungen Mädchens einhauchen musste, um ihm Leben einzuflößen; er erriet, dass sie wie unter einem elektrischen Stromstoß zusammenzucken würde, wenn er seine Lippen auf die ihren drückte. Er wagte weder das eine noch das andere zu tun, denn vielleicht war er seiner selbst weniger sicher, als Jane glaubte; bei ihrem Anblick – so jung, so bleich, so todesnah – schmolz sein Herz, und Tränen fielen aus seinen Augen auf Janes Gesicht. Und wie eine verdorrende Blume sich unter Tautropfen wieder belebt, hob Jane den Kopf und öffnete die Augen.
    »Aber wenn Sie nicht mehr da sein werden! Wenn Sie nicht mehr da sein werden!«, rief das Mädchen mit schmerzerfüllter Stimme. »Was wird dann aus mir? Oh, lieber will ich sterben!«

    Auf diese Worte folgte ein heftiger Nervenzusammenbruch.
    René wollte das Zimmer verlassen und Hilfe holen, doch Jane klammerte sich an ihn. »Lassen Sie mich nicht allein«, flehte sie, »ich will ja gerne sterben, aber ich will, dass Sie da sind.«
    René setzte sich neben sie, nahm sie in die Arme und wiegte sie sanft, bis sie wieder bei Sinnen war.
    Hélène und Sir James waren zu glücklich, um an andere zu denken, insbesondere wenn diese anderen nicht anwesend waren.
    Bis um zwei Uhr morgens blieben René und Jane auf dem Balkon; jedermann im Haus war auf den Beinen, jedermann war mit den Hochzeitsvorbereitungen beschäftigt. Die drei Brüder hatten Bäume in voller Blüte gefällt, die sie zu einer Allee vom Haus bis zu der Kapelle aufgestellt hatten. Es sollte eine Überraschung für Hélène und Sir James sein, und deshalb errichteten sie ihr Kunstwerk zwischen zehn Uhr abends und drei Uhr morgens. Als Jane, auf Renés Arm gestützt, in ihr Zimmer zurückging, sah sie, wie der letzte Baum aufgestellt wurde.
    »Die armen Blumen!«, sagte René. »Statt das ganze Frühjahr zu blühen, werden sie in drei Tagen tot sein!«
    »Ich kenne jemanden, der länger als ein Frühjahr zu leben gehabt hätte«, flüsterte Jane, »und der vor ihnen tot sein wird.«

79
    Die Hochzeit
    Als René früh am nächsten Morgen Jane besuchen und sich nach ihrem Zustand erkundigen wollte, sah er Hélène den Flur entlanggehen und das Zimmer ihrer Schwester betreten.
    Das gutherzige junge Mädchen hatte ein schlechtes Gewissen, weil es seine Schwester am Vortag etwas vernachlässigt hatte; nun wollte es sie bitten, ihm diese Nachlässigkeit zu verzeihen, die nicht etwa Kaltherzigkeit entsprang.
    Der Tag war kaum angebrochen, und im ganzen Haus herrschte noch Stille, denn alle waren spät zu Bett gegangen.
    Die zwei jungen Mädchen verbrachten mehr als eine halbe Stunde in enger schwesterlicher Umarmung.

    René hörte, wie Hélène Janes Zimmer verließ. Daraufhin schlich er lautlos bis zu ihrer Zimmertür, und als er Jane drinnen schluchzen und leise seinen Namen wiederholen hörte, fragte er durch die Tür: »Kann ich Ihnen etwas bringen, darf ich eintreten?«
    »O ja«,

Weitere Kostenlose Bücher