Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
erwiderte Jane, »ja, ich muss Sie sehen, kommen Sie herein.«
Er trat ein.
Jane saß in ihrem Bett, in einen weiten Batistmorgenrock gekleidet, einen Beutel voller Rubine, Saphire und Smaragde halb auf ihren Schoß ausgeleert; sie wählte die größten und schönsten unter den Edelsteinen aus und steckte sie in einen kleinen parfümierten Beutel aus Saffianleder, der mit zwei Buchstaben bestickt war.
Diese zwei Buchstaben waren ein C und ein S.
»Kommen Sie«, sagte sie zu René, »setzten Sie sich zu mir.«
René trug einen Stuhl an das Kopfende ihres Betts.
»Meine Schwester ist eben gegangen«, sagte sie, »sie ist sehr glücklich; was sie bekümmert, ist nur, dass ich meine Tränen nicht verbergen konnte. Sie wollte von mir wissen, wann Sie abreisen werden; ich habe ihr gesagt, dass es morgen sein wird, denn morgen werden Sie Abschied von uns nehmen, nicht wahr?« Und bei diesen Worten versuchte sie ihre Stimme zu beherrschen.
»Sie baten mich, bis zum Tag nach der Hochzeit zu warten.«
»Und Sie waren so unendlich gütig zuzustimmen. Glauben Sie mir, ich bin Ihnen sehr dankbar, mein lieber René. Sie hat mich auch gefragt, ob sie Sie für einige Tage länger zurückzuhalten versuchen soll, aber ich habe ihr gesagt, dass Sie Ihre Entscheidung getroffen haben und dass die Sache endlich ein Ende haben muss.«
»Ein Ende haben muss, liebe Jane? Was verstehen Sie darunter?«
»Ich verstehe darunter, dass ich leide, dass ich Ihnen Leid bereite, dass unsere ganze Situation ausweglos ist und dass ein Aufschub Ihrer Abreise um drei oder fünf Tage nichts anderes bedeuten würde, als dass wir uns dann eben drei oder fünf Tage später trennen müssten. Einen Aufschub des Todes erbittet man nur, wenn man am Leben hängt.«
René seufzte tief und erwiderte nichts, denn er war der gleichen Ansicht wie Jane, doch ihn verwunderte ihr Mut, die Situation so unumwunden zu benennen.
Jane leerte den Rest der Juwelen auf ihr Bett und sortierte auch diese. Die Konzentration, mit der sie diese Arbeit verrichtete, die Sorgfalt, mit der sie die größten und schönsten Steine aussortierte, war so herzzerreißend,
dass René nicht wagte, sie zu fragen, was sie mit diesen Edelsteinen zu tun gedenke.
Das Tageslicht drang nun in das Zimmer; im Haus wurden Schritte und Geräusche laut; Jane reichte René die Hand und bedeutete ihm, es sei an der Zeit, dass er in sein Zimmer zurückging.
René küsste die Hand, die Jane ihm reichte, und verließ das Zimmer. Seine Gemütsverfassung war kaum weniger kummervoll als die des jungen Mädchens.
In seinem Zimmer legte René seinen Morgenrock ab, zog sich an und ging hinunter.
Das Pferd, das Justin ohne Sattel und ohne Zaumzeug zu reiten pflegte, graste ungestört auf der Wiese vor dem Haus. René trat näher, hielt dem Pferd eine Handvoll Gras hin und pfiff leise.
Das Pferd fraß das Gras aus seiner Hand, und René nutzte diese Ablenkung, um ihm auf den Rücken zu springen.
Das Pferd tat einen gewaltigen Sprung; doch sobald sich Renés Schenkel um seine Seiten schlossen, war es in seiner Macht, und kein Aufbäumen und kein Bocken konnte seinen Reiter abschütteln.
Bis dahin hatte nur Justin dieses Pferd besteigen können, ohne abgeworfen zu werden, und deshalb hieß es »Unbezwingbarer«.
Ein Fenster wurde aufgerissen, und eine Stimme rief: »Um Himmels willen, René! Niemand wagt sich auf dieses Pferd, es wird Ihr Tod sein!«
Doch in kaum fünf Minuten war der Unbezwingbare bezwungen und fromm wie ein Lamm.
René wickelte sich eine Handvoll Haare der Mähne des Tiers um die Hand, die er als Zügel benutzte, und lenkte das Pferd unter Janes Fenster, wo er es zwang, trotz seiner Widerspenstigkeit in die Knie zu gehen; doch kaum ließ er die Mähne los, bäumte es sich auf und raste davon, René auf seinem Rücken; das Pferd folgte einem Pfad, der eine spitze Kehre machte, und an dieser Kehre traf es auf eine alte Negerin; René lenkte das Pferd mit Knie und Hand zur Seite, doch es gehorchte nicht schnell genug und berührte die alte Frau an der Schulter, so dass sie stürzte.
Sie schrie auf, doch René war bereits abgesprungen und half ihr auf die Beine.
Sie war nicht verletzt, und jemand anders als René hätte sich gar nicht um sie gekümmert, denn eine alte Negerin wird überall und besonders in Indien so gering geschätzt, dass jeder erstbeste Weiße sich berechtigt glaubt, sie niederzutrampeln; René in seiner Güte jedoch gab ihr einen
der kleinen Goldbarren, die in
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