Der Graf von Sainte-Hermine - Dumas, A: Graf von Sainte-Hermine - Le Chevalier de Sainte-Hermine
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Rein äußerlich wirkte Jane unverändert; sie war ein wenig bleicher, ein wenig trauriger, ihr Blick war ein wenig fiebriger, mehr nicht. Gegen Ende fast jeder ihrer nächtlichen Sitzungen auf dem Balkon ließ sie den Kopf auf Renés Schulter sinken und entschlummerte. Dann verharrte René regungslos und betrachtete im strahlenden Mondlicht voller Herzbeklemmung das junge und schöne Mädchen, das sich Trauer und Unglück zum Geschick erwählt hatte. Und wenn der Schlaf in seiner Indiskretion eine Träne zwischen ihren Lidern entschlüpfen ließ, die in wachem Zustand ihr Wille zurückgehalten hätte, dann seufzte er, wendete den Blick zum Himmel und fragte sich leise, ob das Leiden auf unserer Erde vielleicht der Preis für das Glück in einer anderen Welt war.
So vergingen die Tage und die Nächte. Nur Jane wurde jeden Tag trauriger und jeden Tag bleicher.
Eines Morgens kam Pater Luigi an, von den einen so ungeduldig erwartet und von den anderen so sehr gefürchtet.
Diesmal konnte Jane die Empfindungen, die seine Ankunft in ihr auslösten, nicht verbergen, und sie ging in ihr Zimmer, warf sich auf ihr Bett und brach in Tränen aus.
Nur René bemerkte ihre Abwesenheit; sein Verhältnis zu Jane war freundschaftlich geblieben, aber es war eine Freundschaft von höchster Zärtlichkeit, eine Freundschaft, die umsichtiger und besorgter war, als es eine gewöhnliche Liebe gewesen wäre. Hätte ein Fremder gesehen, wie Renés Blick nicht von Jane wich, wie René erbebte, wenn sie erbebte, erbleichte, wenn sie erbleichte, hätte er ihn für ihren Verlobten halten müssen, der seiner Hochzeit voller Ungeduld entgegensah.
Pater Luigi wusste, dass er erwartet wurde; einer der Männer, die sein Kommen angekündigt hatten, war nach Pegu zurückgeschickt worden, um ihm als Führer zu dienen, und er war allein mit diesem Mann aufgebrochen, ohne Furcht und im Vertrauen auf Gottes Schutz.
Es war Dienstag; man kam überein, die Hochzeit am kommenden Sonntag zu feiern, so dass die vier dazwischenliegenden Tage darauf verwendet
werden konnten, das Brautpaar auf den Hochzeitssegen vorzubereiten.
Wie gesagt war nur René Janes Verschwinden aufgefallen; er ging zu ihrem Zimmer, öffnete die Tür mit der Vertrautheit eines Bruders und fand Jane schluchzend und verzweifelt auf ihrem Bett vor.
Sie wusste, dass der Tag, der Hélène das Glück brachte, ihr selbst das Unglück beschied, denn sobald Hélène und Sir James Asplay verheiratet waren, gab es keinen Grund mehr, René zurückzuhalten, und keinen Grund mehr für René, bei ihnen zu bleiben.
René nahm sie in die Arme, trug sie zu einem Fenster, öffnete es, strich ihr die Haare aus dem Gesicht und küsste sie sanft auf die Stirn.
»Nur Mut«, flüsterte er, »nur Mut, meine teure Jane!«
»Ach, Sie haben leicht von Mut reden«, erwiderte sie schluchzend. »Sie verlassen mich und werden eines Tages zu derjenigen zurückkehren, die Sie lieben; ich verlasse Sie und werde Sie nie wiedersehen, nie.«
René drückte sie an sein Herz, ohne zu antworten; was hätte er antworten sollen? Sie sagte die Wahrheit!
Ihm war, als müsse er ersticken; sein Herz zog sich zusammen, stille Tränen rannen ihm aus den Augen.
»Sie sind so gut«, sagte Jane, strich ihm mit der Hand über die Lider und führte die Hand an den Mund, als wolle sie die Tränen trinken, die sie netzten.
Jane war gewiss sehr unglücklich, doch vielleicht war René noch unglücklicher als sie; wenn er bedachte, dass er an ihrem Unglück schuld war und nichts tun konnte, um seine Freundin zu trösten, stand ihm nichts Besseres zu Gebote als banale Phrasen, vor denen das Herz zurückschreckt; es gibt Situationen, in denen unser Verstand machtlos ist; wir spüren, wie wenig er ausrichten kann und dass nur das Herz das Herz trösten kann.
Beide schwiegen, jeder in seine Gedanken versunken, und da beide an das Gleiche dachten, nämlich an eine unglückliche Liebe, verstanden sie einander schweigend besser, als sie es mit Worten gekonnt hätten.
Ohne in Jane verliebt zu sein, empfand René eine kummervolle Wollust unter dem Schwall ihrer Liebe. Da er sein Leben nicht mit Claire verbringen konnte, war Jane die einzige Frau, mit der er es gerne verbracht hätte. Unterdessen vergingen die Stunden und die Tage, und mit jedem Tag wurde Jane noch trauriger und liebte ihn noch mehr.
Die Hochzeitsvorbereitungen steigerten Janes Leid noch, denn nur
Hélène wusste um ihren Kummer, während die anderen erwarteten, sie
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