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Der Herr der Ringe

Der Herr der Ringe

Titel: Der Herr der Ringe Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: J. R. R. Tolkien
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verschrumpelt, aber saftig und süß; und einen ledernen Bocksbeutel mit frisch gezapftem Bier und hölzerne Teller und Becher. Alles verstauten sie in einem Weidenkorb und klommen wieder hinauf in die Sonne; und Beregond brachte Pippin zu einer Stelle am östlichen Ende der großen, herausragenden Brustwehr, an der eine Schießscharte in der Mauer war und ein steinerner Sitz unterhalb des Süll. Von hier konnten sie hinausschauen auf den Morgen allüberall.
    Sie aßen und tranken; und sie sprachen bald von Gondor und seinen Sitten und Bräuchen, bald vom Auenland und von den fremden Ländern, die Pippin gesehen hatte. Und je länger sie sich unterhielten, umso verwunderter war Beregond und schaute den Hobbit in immer größerem Erstaunen an, wie er da auf der Steinbank saß und die kurzen Beine baumeln ließ oder sich auf die Zehenspitzen stellte, um über das Süll auf die Lande unten zu blicken.
    »Ich will Euch nicht verbergen, Herr Peregrin«, sagte Beregond, »dass Ihr in unseren Augen fast wie eins unserer Kinder ausseht, ein Bub von neun Jahren oder so; und dennoch habt Ihr Gefahren überstanden und Wunder gesehen, deren sich wenige unserer Graubärte rühmen könnten. Ich glaubte, es sei eine Laune unseres Herrn, sich einen Edelknappen zu nehmen, so wie es die Könige von einst taten, heißt es. Aber ich sehe, dass dem nicht so ist, und Ihr müsst mir meinen Irrtum verzeihen.«
    »Das tue ich«, sagte Pippin. »Obwohl Ihr nicht weit danebenliegt. In den Augen meines eigenen Volkes bin ich immer noch kaum mehr als ein Junge, denn es dauert noch vier Jahre, bis ich ›mündig‹ werde, wie wir im Auenland sagen. Aber macht Euch keine Gedanken um mich. Schaut hinaus und erzählt mir, was ich hier sehe.«
    Die Sonne stand jetzt hoch, und die Nebel unten im Tal hatten sich gehoben. Wie weiße Wolkenfetzen zogen die letzten Nebelschwaden gerade über ihre Köpfe hinweg, davongetragen von der steifen Brise aus dem Osten, die an den Fahnen und weißen Bannern der Veste zog und zerrte. Weit unten auf der Talsohle, etwa fünf Wegstunden, wie das Auge schweift, sah man jetzt grau und glitzernd den Großen Strom, der sich, von Nordwesten kommend, in einer mächtigen Schleife nach Süden und dann wieder nach Westen zog. Schließlich verschwand er in einem Dunst und Schimmer, hinter dem, fünfzig Wegstunden entfernt, das Meer lag.
    Pippin sah den ganzen Pelennor vor sich ausgebreitet, bis in die Ferne gesprenkelt mit Bauerngehöften und kleinen Mauern, Scheunen und Kuhställen, aber nirgends konnte er Rinder oder andere Tiere sehen. Viele Straßen und Pfade kreuzten die grünen Felder, und es gab viel Kommen und Gehen: Lange Wagenschlangen zogen zum Großen Tor, und andere kamen heraus. Dann und wann kam ein Reiter, sprang aus dem Sattel und eilte in die Stadt. Doch der stärkste Verkehr war auf der großen Hauptstraße, die nach Süden führte, einen kleineren Bogen als der Fluss beschrieb, sich an den Bergen entlangzog und bald dem Blick entschwand. Sie war breit und gut gepflastert, und an ihrem östlichen Rand verlief ein stattlicher grüner Reitweg und hinter ihm eine Mauer. Auf dem Reitweg galoppierten Reiter hin und her, aber die ganze Straße schien verstopft zu sein mit großen, bedeckten Wagen, die nach Süden unterwegs waren. Doch bald erkannte Pippin, dass in Wirklichkeit alles wohlgeordnet war: Die Wagen fuhren in drei Reihen, eine schneller, mit Pferden bespannt; langsamer in der zweiten Reihe die mit Ochsen bespannten großen Wagen mit schönen, vielfarbigen Planen; und viele kleinere Karren am Westrand der Straße wurden mühselig von Männern gezogen.
    »Das ist die Straße zu den Tälern Tumladen und Lossarnach und zu den Bergdörfern und dann weiter nach Lebennin«, sagte Beregond. »Dort fahrendie letzten der Planwagen, die die Alten und Kinder und die Frauen, die sie begleiten müssen, in Sicherheit bringen. Vor der Mittagsstunde müssen sie alle fort sein, und auf eine Wegstunde vom Tor muss die Straße frei sein: So lautet der Befehl. Es ist traurig, aber unumgänglich.« Er seufzte. »Vielleicht werden sich wenige von denen, die sich jetzt trennen, wiedersehen. Und es hat immer zu wenig Kinder in dieser Stadt gegeben; aber jetzt sind gar keine mehr da – außer einigen jungen Burschen, die nicht fort wollten und vielleicht irgendeine Aufgabe übernehmen können. Mein eigener Sohn ist einer von ihnen.«
    Sie schwiegen beide eine Weile. Pippin starrte ängstlich nach Osten, als ob er jeden

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