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Der Krake

Der Krake

Titel: Der Krake Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: China Miéville
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dennoch in einem Beutel vor ihrer Haustür lagen; ein Graffito der Vermissten, dort, wo sie zuletzt gesehen wurden. Die Menschen mochten nicht wissen, was passierte, aber dass etwas passierte, ließ sich nicht mehr glaubhaft abstreiten.
    Billy und Dane hatten sich nicht schlecht geschlagen. Ihre Vorsicht; die Tarnung, die Dane mit kleinen, vermischten Zaubern hinter ihnen herzog, was für einen Mann mit seiner Ausbildung geradezu eine Selbstverständlichkeit war; seine Verkleidungen, albern, aber nicht ohne Wirkung; Danes soldatische Umsicht: All diese Dinge hatten sie den Augen der Fänger tagelang entzogen, was nicht eben wenig bedeutete, wenn man Zielobjekt von so vielen Blutzollkassierern war, wie schon seit Jahren nicht mehr für einen einzigen Auftrag in London zusammengekommen waren.
    Eine achtbare Zeit lang waren diese Verfolger schlicht frustriert. Das Tally-ho der urbanen Jagd klang eher wie ein feuchter Furz in tiefer Nacht, wenn sie auf unorthodoxen Pferden über die Dächer ritten, die Einheimischen glauben machten, ein sehr kurzer, sehr schwerer Schauer wäre herniedergegangen, und schlicht gar nichts aufspürten. Die vage an Revolverhelden gemahnenden Häscher hatten es nicht geschafft, sie zu schnappen. Die Londoner schliefen schlecht, während ihre internen nächtlichen Landschaften von augenlosen, schnüffelnden Bestien infiltriert wurden, die durch ihre sexuellen Träume und elterlichen Ängste zockelten, Traumspürhunde, gerade dann von Jägern aufgehetzt, wenn sie am gefährlichsten waren und die Menschen schliefen. Auch sie konnten die Beute nicht wittern.
    Die Jäger bekämpften einander. Mehr als einmal gerieten sie in mörderische Konfrontationen mit Gestalten, die anderen Plänen zu gehorchen schienen, die so schnell kamen und wieder verschwanden, dass man gar nicht erkennen konnte, wo sie in den gegenwärtigen politischen Verhältnissen standen. Männer, die verschwanden, sobald sie gesehen wurden, Männer und Frauen in Begleitung von schlurfenden Monsterschatten.
    Die in Banden organisierten oder allein arbeitenden Söldner lobten überall in der Stadt Belohnungen aus: Für Hinweise waren sie bereit, beinahe jeden Preis zu zahlen. Trotz all seiner Umsicht, seinem Grips und seinen Fähigkeiten, konnte sich auch Dane nicht vor allen Schnipseln an Wahrnehmung abschirmen, vor sämtlichen flüchtigen Blicken, den zufällig mit angehörten Worten - vor all dem, was die meisten Passanten gar nicht wahrnahmen, was jedoch die wirklich guten Jäger auch aus den Menschen herauslocken konnten, die gar nicht wussten, dass sie etwas zurückhielten, um es anschließend mit anderen Informationen zu vergleichen und die einzelnen Teile zu einem Gesamtbild zusammenzusetzen.
    »Ich gehe rein«, sagte Fitch. »Ich muss mich bei den übrigen Londonmantikern sehen lassen. Und wir müssen eine Möglichkeit finden, ihn auf unsere Seite zu ziehen.« Er deutete auf den Mann, auf den Billy geschossen hatte.
    »Du musst mich reingehen lassen, Dane«, drängte er. »Du willst doch nicht, dass die sich Sorgen machen.«
    Dane hob die Waffe, als wüsste er nicht, was er mit ihr anfangen sollte, und knirschte mit den Zähnen.
    »Glauben Sie ihm?«, flüsterte Billy.
    »Wir wussten nicht, was ihr mit ihm vorhabt«, sagte Fitch. »Anderenfalls hätten wir mit euch geredet.«
    »Wir wussten nicht, ob wir euch trauen können«, fügte Saira hinzu. »Wisst ihr, wie sich manche Muslime des Korans entledigen? Sie verbrennen Seiten. Das ist die heiligste Methode. Was immer da kommt, will die ganze Welt niederbrennen, angefangen mit dem Kalmar. Und es ist immer noch da draußen. Wir dachten, das könnte euer Plan sein.«
    »Ihr habt gedacht, ich will der Welt ein Ende machen?«, fragte Dane fassungslos.
    »Nicht absichtsvoll«, schränkte Fitch auf sonderbar besänftigende Art ein. »Versehentlich. Indem ihr versucht, euren Gott zu befreien.«
    Dane starrte sie an. »Ich habe nicht vor, irgendwelchen Scheiß zu verbrennen«, erklärte er mit ruhiger Stimme. »Bringt mich zu ihm.«
    Und dann, dachte Billy, können wir euch auch gleich erzählen, was wir wissen. Dass Grisamentum immer noch am Leben ist.
    »Wir müssen Vorbereitungen treffen«, sagte Fitch. »Vorsichtsmaßnahmen. Dane, wir können doch zusammenarbeiten. Wir können das gemeinsam durchstehen.« Inzwischen schien ihm durchaus daran gelegen zu sein. Wie lange krümmte er sich schon unter dieser Last?
    »Es mangelt uns nicht an Angeboten«, antwortete Dane. »Anscheinend

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