Der Krieg, der viele Vaeter gatte
und den Niederlanden und Deutschland auf der anderen Seite. Frankreich setzt im Sommer 1939 bewußt auf Krieg.
Am 1. September 1939 tritt die Wehrmacht gegen Polen an. Am 3. September erklärt Paris Berlin den Krieg. Frankreich bricht sein Versprechen, führt keine Offensive gegen Deutschland und läßt die Polen untergehen. Gamelin versucht, das später in seinen Memoiren damit zu erklären, daß die Polen die Militärvereinbarung vom 19. Mai 1939 falsch übersetzt hätten. Er habe nie versprochen, mit den Hauptkräften Frankreichs zum Angriff gegen Deutschland anzutreten. 184
Polens Rückversicherung bei England kurz vor
Kriegsbeginn
Noch im Oktober 1938 ist das britisch-polnische Verhältnis tiefgefroren. Polen hatte Teschen gegen Englands Willen annektiert. Doch mit Hitlers TschecheiHandstreich im März 1939 rückt Polen plötzlich wieder in das Zentrum des englischen Interesses. Als Hitler die Rest-Tschechei besetzen läßt und damit seine
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Gamelin, Band II, Seite 421
Münchener Zusagen bricht, fürchtet man in London, Moskau und Paris, daß der deutsche Diktator weiter gesteckte Ambitionen hat als nur die Heimkehr Danzigs. In London weiß man sehr genau, daß nach einer Heimkehr Danzigs irgendwann die Kolonien an die Reihe kämen, die Großbritannien 1919 Deutschland abgenommen hat. England will dem weiteren Gang der Revisionen deshalb rechtzeitig ein Ende setzen, und dazu eignet sich der deutsche Streit mit Polen um den Freistaat Danzig. So setzt England ab sofort auf Polen. Die polnische Teschen-Missetat ist damit ohne weiteren Kommentar vergeben. London bietet Warschau am 20. März, vier Tage nach dem deutschen Einmarsch in der Tschechei, einen Schutzvertrag gegen Deutschland an und schlägt vor, Frankreich und die Sowjetunion als weitere Garantiemächte mit ins Boot zu nehmen. 185 Für Warschau ist dies zur weiteren Abwehr aller deutschen Danzig-Wünsche ein Geschenk des Himmels. Doch Polen will vermeiden, daß die Sowjetunion auf diesem Wege zur eigenen Schutzmacht wird, und bemüht sich, die Russen außen vor zu halten. Die polnische Regierung ersucht deshalb die britische um ein bilaterales Schutzabkommen gegen Deutschland. 186
Sie argumentiert, daß die Verhandlungen zum Schließen eines Viererbundes zu lange dauern würden, und daß Frankreich die Sicherheit des Staates Polen ja sowieso seit 1921 garantiere.
Den Briten wäre es sicher Recht gewesen, die Verantwortung für Polens Sicherheit mit der Sowjetunion zu teilen, doch ein ganz anderes Ereignis, ein politisches Gerücht in London, bringt Drall und Eile in die Gespräche mit den Polen.
Zeitgleich zum deutschen Einmarsch in der Tschechei verhandelt eine rumänische Delegation in London, um britische Staatskredite für Rumänien zu erhalten. Der Delegationsleiter, der Diplomat Tilea, nutzt die Betroffenheit der Engländer über das Schicksal der Tschechei, ihre Sorgen auf Rumänien umzulenken. Er behauptet, Deutschland sei im Begriff, auch Rumänien zu überfallen. So unglaubwürdig dies auch wegen der 400 Kilometer Entfernung ist, die zwischen Deutschland und Rumänien liegen, der Rumäne trifft die Briten an einer sehr sensiblen Stelle. Die Mehrheit aller Aktien für die rumänischen Ölfelder ist zu der Zeit in britischem Besitz. So bringt dieses rumänische Gerücht die englische Öffentlichkeit in Wallung. Die Londoner, Pariser und New Yorker Zeitungen tragen die falsche Nachricht vom deutschen Angriff auf Rumänien in einem Tage um die Welt. Das Gerücht tut seine Wirkung, obwohl es schon tags darauf, am 18. März, vom rumänischen Außenminister Gafencu amtlich dementiert wird. 187 Während England noch versucht, Frankreich, die Sowjetunion und Polen für ein Viererbündnis gegen Deutschland zu gewinnen, nützt Warschau die durch das Rumänien-Gerücht entstandene Stimmung. Der polnische Außenminister Beck drängt seinen englischen Kollegen Lord Halifax „angesichts des raschen Ablaufs
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Memorandum des Britischen Auswärtigen Amtes an die Polnische Regierung vom 20. März 1939, siehe Do-cuments Brit. Foreign Policy, Third Series, Volume IV, Seiten 400 ff
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Anfrage vom 23. März 1939, siehe Weißbuch der polnischen Regierung, Dokument Nr. 66, Seiten 93 f 187
Rassinier, Seiten 232 ff
der Ereignisse" auf zeitraubende Verhandlungen zu verzichten und unverzüglich ein britisch-polnisches Schutzabkommen abzuschließen. Außenminister Halifax, der ja inzwischen weiß, daß das Rumänien-Gerücht nicht stimmt, und daß
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