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Der Mann, der wirklich liebte

Der Mann, der wirklich liebte

Titel: Der Mann, der wirklich liebte Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Hera Lind
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schlanke Dame im Kostüm betrat den Raum, lächelte kurz und gab Röhrdanz die Hand.
    »Die Kinderpsychologin, Frau Dr. Herfurth«, stellte die Lehrerin sie vor.

    Röhrdanz erschrak. »So schlimm?«
    Die Kleine klebte förmlich an ihm dran, und ihm wurde noch heißer.
    »Wir kennen Ihre familiäre Situation, und wir bemühen uns sehr um Denise. Trotzdem leidet sie an panischen Ängsten, insbesondere an Verlustängsten.«
    »Ist ja logisch, irgendwie.« Röhrdanz wippte verlegen mit den Schuhspitzen und schaute zu Boden.
    »Sie hat nie viel von ihrer Mutter gehabt, nicht wahr?«
    »Nein. Wie denn auch! Als andere Muttis mit ihren Kindern ins Schwimmbad, auf den Spielplatz oder zu Kindergeburtstagen gingen, musste unsere Denise helfen, ihre Mama zu füttern. Oder sich um ihre kleinen Brüder kümmern.«
    »Das ist das Problem«, sagte die Kinderpsychologin ernst. »In ihrem zarten Alter muss sie schon so eine schwere Verantwortung schultern. Das Kind ist damit total überfordert, findet keinen Anschluss an Gleichaltrige, kapselt sich ab.«
    »Was soll ich denn machen?« Hilflos strich Röhrdanz seiner Tochter über das Haar. »Auch mir ist klar, dass sie keine normale Kindheit hat …«
    »Sie wohnen doch neuerdings in einem Haus.«
    »Ja.«
    »Mit Garten.«
    »Ja.«
    »Wie wäre es zum Beispiel mit einem Hund?«
    Denise sprang auf und umarmte ihren Vater stürmisch. Ein Temperamentsausbruch, den er so schon lange
nicht mehr von ihr kannte. »Ja, Papa, bitte, ein Hund, ein Hund!«
    »Meine Damen, ich kann meinen Alltag bereits jetzt kaum bewältigen!« Röhrdanz hob abwehrend die Hände: »Seit drei Jahren schlafe ich keine Nacht länger als zwei Stunden. Nix für ungut, aber ich säubere schon meinen Söhnen und meiner Frau fünfmal am Tag den Hintern - meinen Sie, da bleibt mir noch Zeit zum Gassigehen?«
    »Das mache ich, Papa, ganz allein. Ich bringe ihn in den Garten!«
    »Sie braucht ein Wesen, das nur für sie da ist«, sagte die Psychologin ernst. »Wir wissen, welche Zumutung das für Sie ist. Aber denken Sie bitte auch an die Entwicklung von Denise.«
    »Ein Hund, Papa, bitte, ein Hund!«
    »Das kommt jetzt alles etwas … äh … überraschend …« Röhrdanz blickte nervös auf die Uhr.
    »Dann würde ich mich auch nicht mehr so im Dunkeln fürchten!« Denises Augen leuchteten vor Hoffnung und Freude. »Der würde mich ja beschützen, und immer für mich da sein …«
    Röhrdanz war unglaublich gerührt, als er seine kleine Tochter so sah. Schlagartig wurde ihm bewusst, wie oft Denise zurückstehen musste, wie viel er seinem geliebten Mädchen zugemutet hatte. Schwere Schuldgefühle lasteten auf ihm. Er wurde doch nicht weich?
    »Denise, das geht doch nicht … Die Mama braucht Ruhe, und wir müssen uns alle auf sie konzentrieren. Du bist doch schon so vernünftig …«

    Denises Augen füllten sich mit Tränen. Zornig wandte sie sich ab.
    »Immer nur die Mama, die Mama, die Mama …«
    »Denken Sie in Ruhe darüber nach, Herr Röhrdanz.« Die Psychologin erhob sich und drückte ihm die Hand. »Sie ist erst sieben. Sie hat ein Recht auf eine heile Kindheit. Ein Hund könnte ihr ein Stück davon wiedergeben.«
     
    » B essy! Komm! Bring Stöckchen! Bessy! Sei ein braves Hündchen …«
    Röhrdanz erkannte seine schüchterne Denise kaum wieder. Ihre helle Stimme hallte den ganzen Tag durch den Garten. Das ehemals blasse, magere Kind hatte rosige Wangen und sogar ein bisschen zugelegt. Seit sie ihr heiß geliebtes Hundebaby bei einem Züchter hatte aussuchen dürfen, war sie wie ausgewechselt.
    Mit kindlicher Zärtlichkeit schmiegte sie sich an das wuschelige Hundeknäuel, neckte es und befand sich in einem ständigen Dialog mit dem Tier. Sogar Röhrdanz hatte das kleine kläffende Wesen irgendwie ins Herz geschlossen, und auch Angela reagierte mit rauem Lachen auf den Hund. Immer wieder sprang das Fellknäuel übermütig auf ihren Schoß, und Denise half Angela, ihren kleinen Liebling zu streicheln. Es war ein rührendes Bild, und Röhrdanz musste sich ein paarmal über die Augen wischen: seine zwei Mädels in Liebe vereint mit dem kleinen Köter. Bessy hatte ihnen neue Lebensfreude geschenkt. Sie war keine weitere Bürde, sondern ein echter Sonnenschein im Hause Röhrdanz. Sehr pflichtbewusst
und ernsthaft ging das Mädchen alle zwei Stunden mit dem Tier zu einem bestimmten Baum am Ende des Gartens.
    »Bist ein braver Hund«, brummte Röhrdanz zufrieden, wenn sich der Hund an seine Waden schmiegte.
    Sobald

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